Eisbären-Gerüchteküche: Der Smud bittet zur Kostprobe

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Still ruht der See – im Falle der Eisbären der nahe dem Sportforum, im Stadtbezirk Hohenschönhausen gelegene Oranke See. Wenig Neues ist aus den Geschäftsräumen des EHC am Hohenschönhausener Tor zu hören. Weshalb es nur legitim erscheint, etwas Kaffeesatzleserei zu betreiben.

Manager Peter John Lee befindet sich im Rahmen seines Nebenjobs als Co-Trainer der Schweizer Nationalmannschaft bei der Weltmeisterschaft in der Tschechischen Republik und geht seinem ehemaligen Düsseldorfer Teamkameraden Ralph Krüger zur Hand. Coach Pierre Pagé hat dieselbe Tour auf sich genommen und nimmt seine Aufgaben in der Funktion eines Scouts wahr. Ziel: Sammeln taktischer Anregungen und Verstärkung des Eisbären-Kaders. Schließlich sind einige Plätze im Team des Vizemeisters neu zu vergeben. Die bisherigen Arbeitsplätze der Verteidiger Darryl Shannon, Brad Bergen sowie der Stürmer Yvon Corriveau, David Roberts und Nils Antons stehen zur Disposition. Nicht zu vergessen der Posten eines Torhüters. Wobei noch nicht klar ist, ob es sich da um eine klare Nummer 2 handeln soll oder doch wieder ein gleichwertiger Tandempartner für Oliver Jonas gesucht wird. „Wir haben keine Entscheidung gemacht auf die Moment“, würde der EHC-Manager vermutlich in bekannt freundlicher, aber ebenso unverbindlicher Weise als Statement abgeben. Jeder erinnert sich noch an die umfangreichen Spekulationen um eine mögliche Verpflichtung Corey Hirschs im letzten Sommer, an deren Ende die Vertragsunterschrift von Rich Parent für heiße Diskussionen im Fanlager sorgte. In der Saison 2002/ 03 hatte Hirsch schon mit einer langwierigeren Plessur zu kämpfen und kam nicht auf allzu viele Einsätze. Kurz vor Saisonbeginn zog er sich zudem, angeblich bei Hausarbeiten, noch einmal eine schwerwiegende Verletzung zu. Sonst wäre er wohl nach Berlin gewechselt, anstatt lange nach Saisonbeginn und wiedergenesen zu Timra IK in die schwedische Eliteserien. Dort kam er über den Backup-Status allerdings nicht hinaus und wird den schwedischen Playoff-Teilnehmer auch wieder verlassen. Aber auch „Bernie“ Parent konnte dann nur gelegentlich die Herzen des Eisbärenanhangs erwärmen. Sein Abgang löste daher keine so große Empörung aus, wie noch vor Jahresfrist der Verlust von Sympathieträger Richard Shulmistra an die Mannheimer Adler. Gemeinhin wird in Berlin aber davon ausgegangen, dass die Eisbären mit dem jungen Nationaltorhüter Jonas als Nummer 1 in die Saison starten. Zu dieser Vermutung hätte auch der gerüchteweise kursierende Name von Leo Conti gepasst, der in Ingolstadt keine weitere Anstellung findet, nun aber in Iserlohn seine Unterschrift unter einen Vertrag gesetzt hat. Gerne hätten die meisten Fans Torwarttalent Lukas Lang als Backup gesehen. Doch der zog es vor, nach einem Jahr zurück an die Noris zu den Nürnberg Ice Tigers zu wechseln. Ein Umstand, der in der Hauptstadt zumindest ein Stirnrunzeln verursachte. Gilt Lang doch als eines der besten Torwarttalente hierzulande.



Ein Name, der nun zum wiederholten Male in der (vor)sommerlichen Gerüchteküche auftaucht, ist der von Top-Defender Richard Lintner. Mit 26 Lenzen noch recht jung an Jahren, verbrachte er die letzte Saison nach einem vorherigen kurzen NHL-Intermezzo (Pittsburgh, NY Rangers) ebenfalls in Schweden bei Djurgarden Stockholm und sorgte dort als Topscorer für Furore. Vorausgesetzt das Interesse der Eisbären für Lintner existiert, wäre er also in der Tat eine hervorragende Verstärkung für die Truppe von Pierre Pagé. Mit seinen Leistungen in der Eliteserien hat der Slowake aber auch andere finanztechnisch potente Klubs auf den Plan gerufen, wie zum Beispiel den HC Fribourg-Gotteron. Deren Manager hatte, laut Schweizer Presse, gar schon eine Pressekonferenz zur Verkündung des prominenten Neuzugangs einberufen. Was ausblieb war der von Lintner unterschriebene Vertrag, was den HCF dazu verdonnerte die Pressekonferenz zu stornieren. Wie zu vernehmen war, seien recht stolze Gehaltsforderungen Lintners die Ursache für die zumindest vorläufige Absage gewesen. Naheliegend ist aber, dass sich Lintner noch einmal mit guten Leistungen bei der WM für hochdotierte Angebote empfehlen will. Neben der Schweizer Nationalliga könnte demzufolge auch ein Klub der Russischen Super Liga ein aussichtsreicher Anwärter auf eine Anstellung des slowakischen Nationalspielers sein.



Nichts desto trotz, die, wenn auch als Gerüchte, kursierenden Spielernamen lassen den Eisbären-Anhang gelassen auf die kommende Saison schauen. Immerhin gelang es ja auch den von der Konkurrenz heiß umworbenen Denis Pederson für zwei weitere Jahre an die Eisbären zu binden. Eine Personalie, die in der Enttäuschung um die erneut verpasste Titelchance fast untergegangen ist. Im Gegensatz dazu war die Verkündung des perfekt gemachten Zweijahresvertrages für Nationalmannschafts-Kapitän Stefan Ustorf überhaupt keine große Überraschung mehr, höchstens noch eine Formalie. Aber damit, und das sei hier ausdrücklich erwähnt, gelang es dem Duo Lee/ Pagé erstmals einen renommierten deutschen Spieler für die Eisbären unter Vertrag zu nehmen. Eine Sogwirkung wäre dahingehend sicherlich wünschenswert. Im Testspiel von Team Germany gegen die USA im Vorfeld der WM bildete das Duo Ustorf/ Felski einen der wenigen Lichtblicke. Aus welchen Gründen auch immer sprengte Nationaltrainer Hans Zach dieses Pärchen, indem er Felski zumindest bis zur Zwischenrunde aus dem Kader nahm.

Insgesamt gesehen kann man in Hohenschönhausen relativ gelassen den Markt beobachten, um dann gezielt zuzuschlagen – hat man doch bereits 18 Spieler von ansprechender Qualität in seinen Reihen.

Wie der Berliner Tagespresse zu entnehmen war, könnte der osteuropäische Markt für die Eisbären erstmals nach Jahren der Abstinenz wieder von Bedeutung sein. Das Gastspiel des kongenialen Duos Zemlicka/ Dopita ist vielen langjährigen Fans der Eisbären noch in guter Erinnerung, ohne dabei jedoch zu vergessen, dass damit eine eher betrübliche sportliche Gesamtsituation einher ging. Letzteres will man damit sicher nicht herauf beschwören, aber vielleicht dem in den vergangenen drei Jahren anerkannt attraktiven Eishockey á la Eisbären eine weitere interessante Komponente hinzufügen. Und nein, damit wollen wir nicht gesagt haben, dass Jiri Dopita auf der Liste Lees und Pagés eine ernsthafte Rolle spielt!

Noch ist das Interesse der Fans durch die Weltmeisterschaft gebunden, doch womöglich streift dann bald einer der Protagonisten dieser WM das Trikot mit dem böse drein blickenden Eisbären über. Wie jeden Sommer werden die Spekulationen wieder ins Kraut schießen und es wird vortrefflich darüber zu diskutieren sein. Frei nach dem Motto: The same procedure as every year! (mac/ ovk/ Radio Eiskalt)