Eisbären: Gelungener Saisoneinstand mit Sieg über Meister Frankfurt

Lesedauer: ca. 4 Minuten

„Endlich wieder Eishockey“, klang es am späten Freitagabend fröhlich von den Rängen des gleich am ersten DEL-Spieltag ausverkauften Berliner Wellblechpalastes. Über fünf Monate mussten die Eishockeyfans ausharren, bevor sie ihre Lieblinge wieder in einem Punktspiel anfeuern durften - der Spielplan wollte es so, dass ausgerechnet der amtierende Meister, die Frankfurt Lions, zuerst seine Visitenkarte in Hohenschönhausen abgibt. Am Ende durften die Eisbärenfans ihr Team erstmals in der neuen Spielzeit 2004/ 05 nach einem knappen 3:2-Sieg (2:0; 1:1; 0:1) feiern.

Dabei wussten die Hohenschönhausener nach einer eher durchwachsenen Vorbereitungsphase gar nicht so recht wo sie leistungsmäßig stehen, wie auch EHC-Coach Pierre Pagé nach der Wiederauflage des Finals der Vorsaison treffend anmerkte. So gab es vor dem Match für die Berliner nach nur vier Test- und dem gewonnen Pokalspiel in München noch zahlreiche Unbekannte. Erschwerend kam hinzu, dass mit Denis Pederson, Kelly Fairchild und Rob Leask drei Leistungsträger erst kurz vor ihrem ersten Pflichteinsatz nach Erkrankungen bzw. Verletzungen wieder fit wurden. Neu-Assistenz-Kapitän Pederson hatte binnen weniger Tage fünf Kilo Gewicht verloren, was sich bekanntlich selten förderlich auf einen Organismus auswirkt, wenn dies so schnell geschieht. Sowohl Pederson als auch Fairchild machten dann ihren Job aber wider Erwarten sehr gut. Leask agierte in der Defense der Hauptstädter gewohnt solide.

Die Spieler beider Mannschaften hielten sich nicht lange mit Vorgeplänkel auf, gleich von Beginn an ging es hüben wie drüben zügig Richtung gegnerisches Tor. Ian Gordon im Tor der Hessen und Oliver Jonas im Eisbären-Gehäuse hatten schnell Gelegenheit sich auszuzeichnen. Sowohl der deutsche Nationalgoalie wie auch der routinierte Gordon machten ihre Sache ordentlich. Unter anderem prüften die Eisbären-Cracks Barta, Shearer, DuPont und Walker den Frankfurter Puckfänger - bei einem Schuss von Pederson in der 16. Spielminute hatte Gordon dann allerdings das Glück des Tüchtigen und die Hilfe des Torgestänges auf seiner Seite. Die Löwen Ratchuk, Beaucage und Pronger scheiterten in aussichtsreichen Schusspositionen auf der Gegenseite am gut aufgelegten Jonas. In der 18. Spielminute jedoch musste sich Ian Gordon erstmals an diesem Abend geschlagen geben, als Kelly Fairchild einen harten Schuss Pedersons unhaltbar zum 1:0 für den Gastgeber abfälschte. Die Stadionuhr zeigte noch 21 Sekunden bis zum Ende des ersten Spielabschnitts an, da fing sich der Frankfurter Dwayne Norris eine dumme Strafe wegen Haltens ein. Zum Leidwesen der Lions blieb das nicht folgenlos: Norris hatte gerade erst Platz genommen, als Scharfschütze Shawn Heins erstmals im Spiel von der blauen Linie so richtig Maß nahm und Denis Pederson über die Zwischenstation Micki DuPont zum 2:0 für die Eisbären einnetzte.

Für das Mitteldrittel hatten sich die Gäste aus Mainhattan offensichtlich etwas vorgenommen. Schiedsrichter Willi Schimm waltete in der 22. Spielminute seines Amtes und verbannte Eisbär Denis Pederson wegen Ellenbogenchecks für zwei Minuten auf die Strafbank. Pederson kam jedoch nicht in den „Genuss“ die Strafe gänzlich abzusitzen, denn Lions-Defender Bouchard überwand Jonas zum 2:1-Anschluss für die Gäste. Danach überboten sich beide Kontrahenten im Auslassen guter Möglichkeiten, denn beide Abwehrformationen wirkten nicht sonderlich sattelfest - die Angreifer dafür nicht sehr treffsicher. Dennoch gelang Florian Keller in der 38. Spielminute seines 250. DEL-Spieles der Treffer zum 3:1 (Assists: Heins/ Beaufait).

Die letzen zwanzig Minuten des Matches standen dann doch eher im Zeichen des Meisters. Zwölf Torschüsse der Frankfurter standen nur sechs Versuche der Eisbären gegenüber. Für die Berliner hatte Kapitän Steve Walker in der 45. Minute noch die beste Chance nach einer schönen Kombination über Busch, Keller und Fairchild, doch sein Schuss zischte knapp am Tor vorbei. Drei Minuten später jubelten die Gäste - allerdings zu Unrecht, denn Jonas hatte einen guten Versuch von Hackert zwar mit Mühe aber doch abgewehrt. Der von Schiri Schimm hinzugezogene Videobeweis belegte das. Stürmer-Star Pat Lebeau machte es in der 53. Spielminute besser als sein junger Teamkollege und versenkte die Hartgummischeibe auf Vorlage von Norris zum erneuten Anschlusstreffer für die Gäste im Netz - 3:2.

Mit Glück und Geschick retteten die Eisbären den knappen Vorsprung über die Zeit und feierten so ihren ersten Saisonsieg. Nach dem Spiel zeigten sich beide Trainer nicht unzufrieden. Meistertrainer Rich Chernomaz lobte vor allem EHC-Goalie Oliver Jonas, der seinen Angreifern nicht mehr als die beiden erzielten Treffer gestattete. Pierre Pagé konnte aus dieser Partie endlich greifbare Schlüsse ziehen und gab zu, dass zukünftig mehr Vorbereitungsspiele notwendig seien, da doch noch einige Abstimmungsprobleme vor allem in der Eisbären-Verteidigung zu verzeichnen waren. Das Positivste des Abends waren so für die Hohenschönhausener einerseits die hinzugewonnenen Erkenntnisse und andererseits natürlich das Ergebnis. Das Erfolgserlebnis lässt sie weit entspannter am kommenden Sonntag zu den mit NHL- und Nationalstürmer Marco Sturm erheblich verstärkten Panther aus Ingolstadt reisen.

Apropos NHL-Stars: In diesem Punkt hielten sich sowohl Pierre Pagé als auch Manager Peter John Lee weiter bedeckt. Durch die Aussperrung der NHL-Spieler sei das Angebot riesig und man werde sich geduldig mit allen Möglichkeiten befassen, war zu hören. Auch das Thema Dany Heatley sei durchaus noch akut, bestätigte Lee und warb noch um Geduld. „Alles ist möglich“, lautete die vielsagende Botschaft der EHC-Verantwortlichen und die lässt nun wirklich allen Raum für Spekulationen. Die Lions dagegen haben durch die Verpflichtung von Stephane Robidas von den Chicago Blackhawks bereits zugeschlagen. Er verdiente sich trotz der Reisestrapazen im übrigen gute Noten. (mac/ovk)


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