Eisbären gegen Lions - Ein Spitzenspiel, das diesen Namen auch verdiente

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Ein Eishockeyfest wurde am Freitagabend im ausverkauften Wellblechpalast von beiden Kontrahenten in allerbester Playoff-Qualität zelebriert. Der EHC Eisbären verließ, unter den Augen seines Eigners Phillip F. Anschutz, als verdienter 4:1-Sieger (1:0; 2:0; 1:1) das Eis und gewann somit auch das dritte DEL-Gipfeltreffen gegen die Frankfurter. Zudem kehrten die Hohenschönhauser mit diesem Erfolg an die Tabellenspitze zurück.

Die immer noch stark ersatzgeschwächten Berliner (Fairchild, Keller, Roberts und Draxinger fehlten) gingen über das gesamte Spiel hinweg mit zuletzt selten gesehenem Biss zu Werke und ließen keinen Zweifel daran, wer im Sportforum der Herr im Hause ist. Auch die 4695 Zuschauer im Wellblechpalast wussten zu überzeugen und unterstützten ihr Team leidenschaftlich in mitunter ohrenbetäubender Lautstärke.


Schon in der ersten Spielminute testete EHC-Stürmer Denis Pederson Ian Gordon im Lions-Gehäuse, wenig später versuchte es Alex Barta, doch beide scheiterten am Gäste-Goalie. In Überzahl, Etz brummte für die Hessen eine kleine Strafe ab, traf Eisbären-Käpt´n Ricard Persson den Pfosten - auch Aldridge und Pederson blieb zählbarer Erfolg vorerst verwährt. Die Angriffsbemühungen des bisherigen Tabellenführers aus der Bankenstadt waren bis hierhin als eher zaghaft zu bezeichnen. Erst in der 8. Minute wurde Nationalgoalie Oliver Jonas durch Gosselin einer ersten ernsthaften Prüfung unterzogen - aber Jonas hatte einen Sahnetag erwischt, wie sich im Verlaufe der Begegnung heraus stellen sollte.

Nach etwas mehr als zwölf Minuten verbannte Schiedsrichter Willi Schimm erneut Etz auf die Strafbank. Das Powerplay der Eisbären war durch Verteidiger Ricard Persson einmal mehr erfolgreich - 1:0 (14. Spielminute - Assists: DuPont/ Shearer). Anschließend bemühten sich die Gäste um mehr konstruktives Angriffspiel und in der 19. Spielminute jubelten sie auch, doch Schiri Schimm entschied nach Videobeweis auf kein Tor. So blieb es zur Pause bei der 1:0 Führung der Gastgeber.


Im zweiten Abschnitt zeigten sich die Schützlinge von Lions-Coach Rich Chernomaz weit engagierter. Vor allem am Mann agierten die Hessen jetzt recht aggressiv. Den erhofften Erfolg brachte das allerdings nicht, sondern das Gegenteil trat ein: Keith Aldridge erhöhte in der 26. Spielminute auf 2:0 für die Eisbären (Corriveau/ DuPont). Eine 3 gegen 5 Unterzahlsituation überstanden die Bären aufgrund einer Vielzahl von Jonas-Paraden schadlos. Ein gellendes Pfeifkonzert der EHC-Fans begleitete die Offensivbemühungen der Frankfurter und hinterließ womöglich auch eine gewisse Wirkung. Dennoch häuften sich die Chancen für die Gäste und Oliver Jonas rückte mehr und mehr in den Blickpunkt des Geschehens. Unter anderem hatte DEL-Topscorer Pat Lebeau im Alleingang die Chance für seine Farben auf 1:2 zu verkürzen, aber Jonas kaufte ihm den Puck ab. Als die Lions offensichtlich schon dabei waren sich auf ein heißes Schlussdrittel vorzubereiten, erinnerte sie Steve Walker zehn Sekunden vor der zweiten Pausensirene mit seinem Treffer zum 3:0 (Corriveau/ Busch) daran, dass ein Drittel volle zwanzig Minuten dauert.


Dass die Hessen die Liga in dieser Saison gemeinsam mit den Eisbären nicht zu Unrecht beherrschen, bewiesen sie trotz 0:3 Rückstandes auch im Schlussabschnitt. Schon Stöpfgeshoff hatte nach dreiundvierzig Spielminuten die Chance den Anschluss herzustellen, doch wieder stellte sich Jonas erfolgreich in den Weg. Die Gäste zeigten sich zunehmend frustriert und versuchten nun öfter mit unfairen Mitteln ans Ziel zu kommen, aber auch die Eisbären präsentieren sich nicht als Kinder von Traurigkeit und ließen sich in dieser Phase des Spiels nicht die Butter vom Brot nehmen. Erwähnt sei an dieser Stelle ein krachender aber fairer Check von Darryl Shannon gegen einen Spieler der Lions, der bei eben diesem einige Wirkung hinterließ. Gäste-Coach Chernomaz, der sich in dieser Disziplin als „die Axt von Manitoba“ bestens auskennt, trieb es die Zornesröte ins Gesicht. Dennoch - nichts zu tun für Schimm. Darüber hinaus hatte Schiri Schimm genug Gelegenheit Strafen zu verteilen, allerdings verlor er hin und wieder die Übersicht.


Nicht von ungefähr fiel die Vorentscheidung dann auch bei Überzahl für die Eisbären: Mark Beaufait traf knapp vier Minuten vor Schluss zum 4:0 für die Berliner, die Assists bekamen Shearer und Walker gutgeschrieben. Von da an hieß es den Shut-Out für Oliver Jonas zu sichern. Bis 34 Sekunden vor Ende der Partie schien das auch zu klappen, dann aber traf Young doch noch zum 1:4 Ehrentreffer für den entthronten Tabellenführer. Schade für den überragend und fehlerlos haltenden Jonas - die starke Gesamtleistung der Eisbären schmälert dieses Gegentor aber nur wenig. Die Fans feierten „ihren“ Olli schmerzlindernd als ersten Spieler nach der Schlusssirene. Zudem dürfte der junge Nationalspieler mit dieser Leistung einige Punkte in Richtung Nr.1 für die Playoffs bei seinem Trainer Pierre Pagé gesammelt haben.


So war es auch kein Zufall, dass Rich Chernomaz bei seinem Fazit die Glanzleistung von Jonas vornan stellte: „Jonas war ganz stark! Uns hat heute der notwendige Biss gefehlt, der aber ist der Schlüssel für die Playoffs. Die Eisbären haben gezeigt, warum sie eines der besten Teams der Liga sind. Vielleicht hatten wir doch etwas zu viel Respekt.“ Pierre Pagé beschäftigten noch mehr die Probleme der letzten Wochen: „Meine Spieler befinden sich aufgrund der vielen Verletzungen auf unterschiedlichen Levels. Es ist derzeit nicht einfach ein bestimmtes Programm zu absolvieren. Das Spiel heute war ein Fortschritt, es hatte Playoff-Niveau. Wir brauchten so ein Spiel.“ Am Sonntag reisen die Eisbären zu den DEG Metro Stars, die um einen Playoff-Platz kämpfen. Ein Sieg in Düsseldorf würde die drei Punkte gegen Frankfurt noch wertvoller machen, obwohl Pagé weiß: „Der erste Tabellenplatz ist jetzt nicht so wichtig, das wissen wir seit letzter Saison.“ (mac/ ovk/ REK)


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