Eisbären drehen Spieß gegen Ingolstadt um

Lesedauer: ca. 4 Minuten

Ein

schweres Stück Arbeit hatten die Hauptstädter am Donnerstag hinter sich

gebracht und am Ende stand nicht nur ein verdienter Heimsieg 

- 4:2 (2:0; 1:2; 1:0) - sondern, viel wichtiger noch, die 2:1-Führung in

der Halbfinalserie gegen den ERC Ingolstadt zu Buche. Die 4695 Zuschauer im

ausverkauften Wellblechpalast dürften die Investition des Eintrittsgeldes nicht

bereut haben, denn offensichtlich hatte ein Play off-Kenner das Drehbuch zu

diesem Spiel geschrieben; beide Teams boten intensives, spannendes und mitreißendes

Play off-Eishockey! Sogar der sonst häufig kritisierte Hauptschiedsrichter

Roland Aumüller passte sich dem hohen Niveau der Partie an und lieferte

gleichwohl eine gute Leistung ab. Sollten die heiß geführten Diskussionen der

letzten Tage und Wochen um die pfeifende Zunft etwa positive Ergebnisse

zeitigen? Den um die Deutsche Meisterschaft kämpfenden DEL-Teams und auch deren

Fans wäre es zu wünschen!

Die ersten zehn Minuten des Spiels gehörten ziemlich klar den Gastgebern. Schon

nach vier Spielminuten hätten Denis Pederson, Frank Hördler und Alexander

Barta die Eisbären in Führung bringen können, doch Jimmy Waite im Tor der

Panther vereitelte diese frühen Möglichkeiten mit sehenswerten Paraden. Nur

knapp drei Minuten später stand er allerdings gegen Denis Pederson auf

verlorenem Posten: Der EHC-Stürmer verwandelte einen Nachschuss aus Nahdistanz

zum 1:0 für die Hauptstädter, als gerade eine Strafzeit gegen die Gäste

abgelaufen war (Polaczek). Die Berliner drückten weiter vehement aufs Tempo.

Bei einem Kräfteverhältnis von Vier gegen Vier, Keller saß für die Eisbären

und von Stefenelli für Ingolstadt auf der Strafbank, war es EHC-Defender Shawn

Heins, der nach einem überlegten Zuspiel von Stefan Ustorf nur noch wenig Mühe

hatte zum 2:0 für seine Farben einzunetzen. Dennoch besaßen auch die Schützlinge

von ERC-Coach Ron Kennedy gute Möglichkeiten wieder heran zu kommen. Doch

sowohl NHL-Star Jamie Langenbrunner, als auch der sehr auffällige Doug Ast und

Oldie Martin Jiranek scheiterten noch im ersten Abschnitt am sehr gut

aufgelegten EHC-Keeper Oliver Jonas.

Schon ab Mitte des ersten Drittels drosselten die Hohenschönhausener im

Angesicht der scheinbar sicheren Führung das Tempo. Die Quittung für diese

Nachlässigkeit präsentierte ihnen NHL- und Nationalstürmer Marco Sturm in der

23. Spielminute: Eine glänzende Vorarbeit von Ast nutzte Sturm zum

2:1-Anschlusstreffer. Die Eisbären dagegen ließen gute Chancen den alten

Abstand wieder herzustellen durch Beaufait, Shearer, Heins und Rankel aus. 

So kam es wie es kommen musste: Als Sven Felski wegen Hohen Stocks auf

dem Sünderbänkchen brummte, schlug Doug Ast zu und erzielte den zu diesem

Zeitpunkt wohlverdienten 2:2-Ausgleich für die Ingolstädter. Allerdings war

dieser Treffer von dem unglücklichen Umstand begleitet, dass den beiden

EHC-Cracks Frank Hördler und Alexander Barta kurz hintereinander der Stock

brach. Etwas kurios zwar, jedoch sagt es auch einiges über die Qualität des

Panther-Teams aus, dass es in der Lage war diese Situation auch zu seinen

Gunsten zu nutzen. Die Waage schien sich nun in Richtung Ingolstadt zu neigen,

was auch anhand des steigenden Stimmungspegels im Gästeblock deutlich wurde. In

dieser vorentscheidenden Situation fing sich Panther von Stefenelli allerdings

eine dumme Strafzeit wegen übertriebener Härte ein, mit dem Ergebnis, dass

Shawn Heins nur 26 Sekunden vor Ertönen der Pausensirene zum eminent wichtigen

3:2 für die Berliner einschoss. Zu keinem günstigeren Zeitpunkt hätte dieses

Tor für die Gastgeber fallen können!

Im Schlussabschnitt belauerten sich beide Teams und warteten auf den Fehler des

jeweils anderen. Eisbären-Coach Pierre Pagé hatte aber wohl in der zweiten

Drittelpause passende Worte gefunden, denn seine Mannen gingen nun wieder weit

zielstrebiger zu Werke. Nach vergebenen Möglichkeiten hüben wie drüben

avancierte der junge Florian Busch auf Seiten der Eisbären in der 56.

Spielminute zum Helden des Abends. In der laufenden Saison war „Buschi“

trotz überwiegend guter Leistungen nicht ein einziges Tor gelungen, doch nach

dem Motto „Das Beste kommt zum Schluss“ 

sorgte er für den spielentscheidenden Treffer zum 4:2. Akustisch umrahmt

vom legendären „Uffta“ ihrer Fans ließen die Eisbären nichts mehr

anbrennen und brachten die Führung über die Zeit. Busch gehörte so durchaus

zu Recht, neben dem doppelten Torschützen Shawn Heins und dem erneut sehr gut

haltenden Oliver Jonas, zu den meistumjubelten Spielern im EHC-Trikot. (mac/ ovk - Foto: City-Press)

Stimmen

zum Spiel:

Ron Kennedy (Coach ERC Ingolstadt): „Ich bin stolz und zufrieden mit

dem Kampfgeist meiner Mannschaft. Wir hatten zurück ins Spiel gefunden und

sogar die Möglichkeit zu gewinnen. Wir werden am Sonntag zu hause alles geben

und versuchen zurück in die Serie zu kommen.“

Pierre Pagé (Coach Eisbären Berlin): „Man merkte, dass Ingolstadt

vier Tage frei hatte und sich dadurch verbesserte. Im Mitteldrittel schauten wir

nur zu und Ingolstadt spielte. Wir müssen zum nächsten Spiel noch besser

werden! Die gute Nachricht heute ist, dass wir gewonnen haben. Gute Nachricht

ist auch, dass wir noch besser sein können.“

Florian Busch: „Mein erstes Tor hat mich sehr befreit. Ich habe

gesehen, dass Waite immer schnell unten ist und da habe ich aus hohem Tempo

heraus einfach hoch geschossen und getroffen. Das war heute ein sehr wichtiger

Sieg für uns. Wir sind alle in sehr guter Verfassung und heiß auf Sonntag.“

Eisbären Berlin – ERC Ingolstadt 4:2

(2:0,1:2,1:0)

Tore:

1:0 Pederson 6:47 (Ustorf) PP

2:0 Heins 9:36 (Ustorf,Pederson) 4-4

2:1 Sturm 22:56 (Ast,Langenbrunner)

2:2 Ast 35:00 (Sutton) PP

3:2 Heins 39:34 (Dempsey) PP

4:2 Busch 55:25 (Beaufait)

Schiedsrichter: Roland Aumüller

Strafminuten: Berlin – 8 (2,2,4) - Ingolstadt – 12 (4,6,2)

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