Eisbären: DEG entführt volle Punktzahl aus dem Sportforum

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Der Matchwinner beim 0:2-Auswärtssieg der DEG Metro Stars war am Freitagabend im ausverkauften Berliner Wellblechpalast zweifellos Torwartroutinier Andrej Trefilov. Sage und schreibe 41 Schüsse parierte der inzwischen 35-jährige Keeper der Gäste oftmals schon am Boden liegend, Arme und Beine in alle Richtungen werfend, um nur irgendwie einen Torerfolg des Vizemeisters zu verhindern. Das gelang ihm ein ums andere Mal in beeindruckender Weise. Dabei füllten die Eisbärenfans eigentlich weniger die Ränge des Wellblechpalastes um eine tolle Leistung des Gästegoalies zu bewundern, sondern eher das DEL-Debüt „ihres“ NHL-Stars Erik Cole zu bewundern. Dessen Einstand konnte trotz der Niederlage für sein Eisbärenteam durchaus als gelungen bezeichnet werden, wie auch EHC-Coach Pierre Pagé nach dem Match einschätzte: „Er hat gezeigt, was man im Moment von ihm erwarten konnte. Erik war im ersten Abschnitt noch etwas müde, im zweiten und letzten schon besser. Im Moment steht er vielleicht bei 70 Prozent dessen, was er zu leisten im Stande ist. In zwei bis drei Wochen werden wir verdammt viel Spaß an ihm haben“, so Pagé. Und in der Tat ließ Cole zwei-, dreimal die Gegenspieler seine körperliche Präsenz spüren und auch schon seine Gefährlichkeit vor dem Tor aufblitzen. Doch wie auch seine Kollegen scheiterte Cole an den Fang- und Abwehrkünsten Trefilovs. Trotz einer Vielzahl an Einschussmöglichkeiten für die Eisbären waren es dann völlig überraschend die Rheinländer, die im ersten Drittel nach 19 Spielminuten durch Matt Herr nach Vorarbeit von Klaus Kathan und Trond Magnussen mit 0:1 in Führung gingen. Wie aus heiterem Himmel schlug der Puck hinter Jonas im rechten oberen Eck ein. Die EHC-Fans quittierten den Gästetreffer gelassen, denn noch war ja eine Menge Eishockey zu spielen, zumal ihre Mannschaft auch unablässig Chancen produzierte, von denen irgendwann schon einmal eine genützt werden würde, so jedenfalls die trügerische Hoffnung des Anhangs nach Drittelende.

Doch auch im Mittelabschnitt blieb das Bild dasselbe: Die Eisbären berannten die Angriffszone und bissen sich fortwährend an Trefilov die Zähne aus. Pech hatte zudem Rob Shearer in der 25. Spielminute mit einem Lattentreffer - das Glück des Tüchtigen hatte sich der russische Torsteher aber bis dahin längst verdient. Pierre Pagé sah das Geschehen im Nachhinein noch weit differenzierter als wohl die meisten Zuschauer auf den Rängen, indem er kritisch wie treffend analysierte: „Meine Spieler konzentrieren sich nach wie vor zu sehr auf den ersten Versuch und wollen da einfach zuviel, anstatt bei einem Angriff für die zweite und dritte Möglichkeit bereit zu sein. Zu oft sind wir in diesen Situationen zu weit weg vom Tor und nicht bereit den Preis im Slot zu zahlen.“ Tatsächlich hatte Trefilov immer wieder Zeit genug den Puck auch im zweiten oder gar dritten Nachfassen zu sichern. Mehrfach fanden durchaus gut gemeinte Pässe von hinter dem Gehäuse keinen Abnehmer, da sich schlichtweg kein EHC-Crack in der wichtigsten Zone des Angriffsdrittels in Position brachte. Und wie das nun mal so ist, folgt in Fällen von grober Fahrlässigkeit im Umgang mit den eigenen Möglichkeiten meist die Strafe auf dem Fuße: Kurz nach Ablauf einer Strafzeit gegen EHC-Defender Derrick Walser in der 29. Spielminute bekamen die Gastgeber den Puck nicht aus dem eigenen Drittel, woraufhin Nationalstürmer Daniel Kreutzer auf Vorlage von Oldie und Ex-Cap Christian Brittig und dem Norweger Trond Magnussen das 0:2 für die DEG gelang. Nun war die Ernüchterung auf den Rängen schon weit größer, aber dennoch ließen sich die EHC-Fans in ihrer Unterstützung für ihr Team nicht beirren. Allerdings waren die Diskussionen vor dem Schlussdrittel schon weit angeregter als in der ersten Pause.

Wer nun gehofft hatte, dass in den letzten zwanzig Minuten das Schussglück den Berlinern etwas mehr zugetan sei sah sich getäuscht, die Symptomatik blieb unverändert. Die Eisbären griffen an, verzettelten sich Mal um Mal und die DEG lauerte auf weitere Kontermöglichkeiten. Schlussendlich skandierten die Fans „Schiessen, einfach Schiessen!“, um ihrer Mannschaft aus der gedanklichen Klemme zu helfen, in der DEG-Keeper Trefilov wohl schon Godzilla-Größe angenommen hatte. Aber egal was der Russe tat, egal wohin die Walkers, Faichilds oder Pedersons zielten, der Puck fand immer wieder den Weg in dessen Fanghand oder traf sonst irgendein Körperteil des manchmal schon arg durchpustenden Goalies. Vermutlich hätte das Spiel noch weitere sechzig Minuten andauern können, die Berliner hätten auch dann nichts Zählbares zustande gebracht. Und so blieb es bis zum Ertönen der Schlusssirene beim Zweitore-Vorsprung für die Gäste vom Rhein. Einerseits könnte man zwar von einer bestechenden Effizienz der DEG-Cracks sprechen, die für die siegbringenden Treffer lediglich 18 Torschüsse benötigten, sich aber andererseits spielerisch bei weitem nicht mit Ruhm bekleckerten und sich einzig und allein bei Trefilov für den fünften Sieg in Folge in der kürzlich begonnenen Ära unter Trainer Butch Goring zu bedanken haben. Goring sprach dann zwar von einen guten Spiel seiner Mannschaft, bekannte aber richtigerweise, dass sein Torhüter den entscheidenden Unterschied ausgemacht hat. Pierre Pagé zeigte hernach auch Verständnis dafür, dass die Fans nach der bereits dritten Heimniederlage enttäuscht sein werden, ließ jedoch keinen Zweifel daran, dass er weiß woran er mit seiner Mannschaft zu arbeiten hat. Ganz sicher hat die im Schnitt nur wenig mehr als 23 Jahre junge Eisbärentruppe noch etwas Geduld verdient, doch schon gibt es Stimmen, die die „Rückkehr der Wundertüte“ proklamieren, was nichts anderes bedeuten soll, als dass die längst überwunden geglaubte Unbeständigkeit vergangener Tage wieder Einzug im Sportforum hält. Die letzten zwei Spielzeiten haben trotz jeweils verpasstem Titelgewinn Maßstäbe gesetzt, an denen die Mannschaft und Pierre Pagé gemessen werden. Und keiner sollte besser wissen als Pagé selbst, dass Stillstand Rückschritt bedeutet, da gerade er von seinem spielenden Personal fortwährend die Bereitschaft und den Willen zur steten Verbesserung einfordert.

Schon am Sonntag ist im Auswärtsspiel beim Meister in Frankfurt die Möglichkeit gegeben ein Nullpunkte-Wochenende zu vermeiden und weiter Kontakt zur Spitze zu halten. Und am kommenden Dienstag finden die „Hessen-Tage“ eine Fortsetzung, wenn die Kassel Huskies im Wellblechpalast gastieren. (mac/ ovk)

EHC Eisbären Berlin - DEG Metro Stars 0:2 (0:1; 0:1; 0:0)

Zuschauer: 4695 (ausverkauft)

Torfolge:

0:1- 18:30 Herr (Kathan, Magnussen) EQ;

0:2- 28:45 Kreutzer (Brittig, Young) EQ


Schiedsrichter: Hellwig/ Giera, Westrich

Strafen: 8/ 10

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