Eisbären Berlin: Meisterbanner trifft „Rote Laterne“Berlin - Straubing 2:4

In Berlin besteht reichlich Gesprächsbedarf. (Foto: jay)In Berlin besteht reichlich Gesprächsbedarf. (Foto: jay)
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Vor Spielbeginn übergaben Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit und Eigner-Gattin Nancy Anschutz die Meisterringe und das obligatorische Meisterbanner erhielt seinen Platz unter dem Dach der Arena am Berliner Ostbahnhof. Ein emotionaler Moment – auf dem Videowürfel liefen Bilder vom Triumph der Eisbären im letzten April. „Wir wurden dafür geehrt, was wir im letzten Jahr geleistet haben“, erklärte Kapitän André Rankel nach dem verlorenen Match doch sichtlich geknickt. „Wir wollten das als Motivation mit ins Spiel nehmen, was uns anfangs auch gut gelungen ist“, so der Nationalstürmer weiter, „dann haben wir aber einfach zu wenig unsere Beine bewegt. So gewinnst du keine Spiele. Das hat nichts mit dem System oder irgendwas zu tun.“

Effizientere Tigers überreichen „Rote Laterne“ an den Meister

In der Tat hinterließen die Eisbären im ersten Abschnitt noch einen besseren Eindruck als in den Spielen zuvor, wirkten in ihren Aktionen bis vor das gegnerische Tor weniger verkrampft. Dort aber lief es weiter wie zuletzt. Trotz bester Möglichkeiten und der 1:0-Führung durch Julian Talbot (6.) wollte einfach keine Sicherheit im Abschluss aufkommen. Die Pausenführung der Gäste, die in Überzahl Tobias Wörle (9.) sowie Blaine Down (20.) herausgeschossen hatten, durfte zu diesem Zeitpunkt noch als einigermaßen schmeichelhaft angesehen werden. Doch wenn es nicht läuft, läuft es nicht und man kassiert trotz aller Bemühungen unglückliche Gegentore, wie das von Ex-Eisbär René Röthke (26.), bei dem Puck eher zufällig den Weg über die Torlinie fand. Die Unsicherheit kehrt zurück und die Dinge gehen wieder schwer von der Hand. Beinahe bezeichnend, dass es mit dem 20-jährigen Italiener Alexander Trivellato ein junger, unbelasteter Spieler war, der mit seinem sehenswerten Handgelenkschuss die Eisbären noch vor der zweiten Pause auf 2:3 (35.) heranbrachte. Zwar suchten die Eisbären weiter nach Möglichkeiten, brachten aber nur noch selten Brauchbares zustande. Laurent Meunier (60.) versetzte mit seinem Treffer ins leere Eisbärentor allem Hoffen auf den Ausgleich in letzter Sekunde ein Ende. Unüberhörbare Pfiffe begleiteten die erneut geschlagenen Eisbären, die jetzt Träger der berühmten „Roten Laterne“ sind, in die Kabine.

Eisbären-Anhang fürchtet um seine Fankultur

Dennoch waren viele Eisbärenfans weniger wegen der Niederlage mies drauf. In der Fankurve, dort wo die Treuesten der Treuen stehen, die wenigstens zum Teil noch Niederlagenserien und auch das Verweilen auf dem letzten Tabellenplatz aus einer inzwischen weit zurückliegenden Vergangenheit kennen, fürchten um den Erhalt ihrer Fankultur. So nutzten sie die Gelegenheit der Anwesenheit Philip F. Anschutz’, via Spruchbänder mit ihren Anliegen „ganz oben“ vorstellig zu werden. Zudem übergaben Fanvertreter dem Eisbären-Eigner einen Offenen Brief (nachzulesen auf der Facebookseite des Fanbeirats) entsprechenden Inhalts und warben darin um Verständnis und Unterstützung für ihre Belange. Unter anderem stellt die rege fortschreitende Bautätigkeit auf dem Areal rund um die o2 World den Fortbestand des in den S-Bahnbögen hinter der Arena befindlichen Fantreffs infrage. In zahllosen Arbeitsstunden schuf sich die aktive Fanszene dort ein Refugium nach eigener Fasson, das fernab kommerzieller Interessen in Eigenverwaltung betrieben wird. Zwar wurde den Fans ein Alternativobjekt nur wenige Meter weiter angeboten, doch schon im selben Atemzug auf dessen provisorischen Charakter und wiederum kurze Lebensdauer hingewiesen. Als Stimmungsstaffage für das Event Eishockey willkommen, ansonsten aber als unbequeme, störende Last fühlen sich große Teile der Fangemeinde.

Ausblick: Die Köpfe freibekommen und endlich wieder gewinnen

Wie bald es zu tragfähigen Lösungen mit Zukunft zum Beispiel in Sachen Fantreff kommt, bleibt abzuwarten. Schließlich muss dazu der Spagat zwischen knallharten kommerziellen Interessen, unter die zweifelsohne auch der möglichst erfolgreiche Betrieb eines Eishockey-Proficlubs fällt, und der Gestaltungsmöglichkeit eines lebendigen, authentischen Fanlebens gelingen, wollen die Eisbären Berlin auf Sicht nicht zu einem sterilen Kunstprodukt verkommen. Es wird hierbei ein weiteres Mal auf gegenseitiges Verständnis und auf Kompromissfähigkeit ankommen.

Was die sportliche Seite angeht, ist Hektik vermutlich kein guter Berater. Was Verteidiger Jens Baxmann mit seiner Aussage wohl auch ausdrücken wollte: „Alle müssen jetzt erstmal die Köpfe freibekommen.“ Auch wenn die Hauptstadtpresse teilweise schon begonnen hat die Messer zu wetzen, Cheftrainer Jeff Tomlinson immer mehr in den Fokus der öffentlichen Kritik gerät und darüber spekuliert wird, ob bei den Eisbären erstmals seit 2002 (Entlassung von Trainer Uli Egen) wieder die berüchtigten Gesetze des Profigeschäfts greifen. „Es ist kein gutes Gefühl, Letzter zu sein“, gibt Kapitän André Rankel zu, fordert aber, „jetzt nicht die Köpfe hängen zu lassen und uns da wieder rausarbeiten. Wir müssen uns an den kleinen Erfolgen aufrichten, an einem guten Pass oder einer gut heraus gespielten Chance. Wir müssen Schritt für Schritt gehen, im Training hart arbeiten und mal wieder gewinnen.“ Da sowohl Tomlinson als auch Manager Peter John Lee unisono meinen erkannt zu haben, dass in den Köpfen einiger Spieler die letzte Saison noch immer nicht abgehakt ist, bietet hoffentlich die gestrige Zeremonie des Hissens des siebten Meisterbanners den Anlass, in mehrerlei Hinsicht einen Schlussstrich zu ziehen. Am kommenden Freitag kommt der Tabellenvorletzte in die o2 World, der Anschutz-Bruderclub, die Hamburg Freezers. 


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