Ein Big Bang zum Saisonende als ChanceEisbären haben nun mehr Zeit zu einer Neubesinnung

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Solch eine Generalinspektion oder Generalinventur hätte sich wohl nicht aufgedrängt, wenn die Eisbärenformation sich wieder zumindest bis ins Halbfinale durchgemogelt hätte.

Peter John Lee, Manager und Konstrukteur der Erfolgsmarke Eisbären – sieben Titel in den letzten neun Jahren – hat bereits angekündigt, dass er sich Zeit lassen werde mit der Analyse. Und dass Trainer Jeff Tomlinson nicht allein Schuld am missratenen Saisonverlauf trage. Auch hat er die Akteure drauf hingewiesen, wer früher seinen Job beende, könne die Vorbereitung auf das nächste Spieljahr auch früher beginnen.

Eine Schlussfolgerung aus dem eher laxen Einstieg im Vorjahr. Da vermittelten die Spiele im Sommer vor dem DEL-Start in der European Trophy – für die Endrunde im Dezember waren die Berliner als Gastgeber ja gesetzt – möglicherweise die Illusion, dass es in der DEL so entspannt weitergehen würde. Doch in der nationalen Liga gehen die Konkurrenten gegen die Eisbären stets mit besonderem Ehrgeiz und Siegeswillen zu Werke. Dennoch standen zum Auftakt zwei Erfolge zu Buche. Dann aber häuften sich die Niederlagen. Der EHC Eisbären irrlichterte in der 14er-Tabelle herum und stürzte – auch bedingt durch Spiele-Rückstand – zwischenzeitlich ganz ans Ende ab.

Mitverursacht durch Verletzungs- und Krankheitsausfälle wie bislang kaum erlebt in zurückliegenden Erfolgsjahren. Der Trainer versuchte, der Misere mit dem Einbau von Nachwuchsleuten, mit Neuformierungen der Reihen und taktischen Umstellungen zu begegnen. In engen Matches mussten die Stammspieler mit höheren Einsatzzeiten Belastungen verkraften, die dann wegen fehlender Erholung vermutlich zu Verletzungen führten. Ein Kreislauf, der Pleiten mit sich brachte. Sowie Unzufriedenheit und fehlendes Selbstvertrauen auslöste.

Für solch eine Konstellation und die Zusatzbelastung mit der Euro Trophy, das dürfte der Manager wohl ähnlich sehen, war der Kader von der Breite und Qualität einfach nicht tief und gut genug besetzt. Daher dürfte es wohl stärkere Personalumbesetzungen als in der Vergangenheit geben. Allerdings hat die Mehrzahl der Profis noch laufende Verträge, da wird Geschick bei Verhandlungen in dem einen oder anderen Falle vonnöten sein.

Lee hatte unmittelbar vor den drei Begegnungen in den Pre-Playoffs mit Ingolstadt von der Mannschaft öffentlich gefordert, nur die Verteidigung der Meisterschaft könne nun das Ziel sein. Und Kapitän Andre Rankel erklärte im Eisbären-Magazin, dass er sehr optimistisch für die kommenden Herausforderungen in der entscheidenden Saisonphase sei.

Im letzten Viertel der 52er-Hauptrunde hatte die Mannschaft nach Rückkehr etlicher Stammspieler mit Elan und Kampfgeist eine Erfolgsserie hingelegt und dabei auch spielerische Defizite überspielen können. So breitete sich mit Rang acht und einem 4:1 in der letzten Vorrundenpartie auf Ingolstädter Eis allgemeine Zuversicht auf einen vielleicht versöhnlichen Ausgang einer verkorksten Saison aus. Doch die Aufholjagd hatte zuviel an körperlicher und mentaler Substanz gekostet. Nach dem mühevollen 1:0 daheim und einem 1:4 in Ingolstadt, waren die Akkus der Hauptstädter beim dritten Vergleich in der o2 World leer. Trotz 1:0- und 2:1-Führung ging das Alles-oder-Nichts-Duell in der Verlängerung 2:3 verloren.

Tomlinson erweis sich als fairer Verlierer: „Wir waren von Anfang zu nervös und gehemmt. Ingolstadt hat heute verdient gewonnen.“ Spielführer Rankel war „sehr enttäuscht. Ich weiß auch nicht, warum wir heute nicht das zeigen konnten, was wir können. Im letzten Drittel waren wir einfach zu passiv und sind nicht mehr genug gelaufen.“

Als das Spiel in der 68. Minute mit einem Schlagschuss von Benedikt Schopper zugunsten der Gäste entschieden war, jubelte die kleine Schar der Bayern-Fans mit entblößtem Oberkörper im Oberrang. Das Echo kam vom Stehrang der Eisbären in Form von Pfiffen. Oder galten die etwa dem Abgang der Schiedsrichter, mit denen die heimischen Anhänger nicht zufrieden schienen? Gleichwohl gab es nach Abpfiff vom harten Kern der Eisbärenszene trotzige „Dynamo – Dynamo“-Rufe und „Wir woll‘n die Eisbärn sehn...“

Das aber wird dauern. Denn bis zum Finale der Play-offs Ende April sind die Eisbären nach dem großen Knall des Ausscheidens nicht dabei. Und voraussichtlich erst wieder im August bei den ersten Begegnungen in der Champions League zu erleben.

Die Alternative: Eisbären im Zoo oder im Tierpark besuchen!

Ob ein Remake für „Auferstanden aus Ruinen“ wie nach dem letzten Verfehlen der Play-offs 2007 und der sofortigen Rückkehr danach auf den Meisterthron gelingt, wird man wohl erst in einem Jahr und paar Wochen sagen können.


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