Düsseldorf schlägt Berlin

Lesedauer: ca. 2 Minuten

Fast scheint es so, als seien die Holzmichl vom Erzgebirge ins Rheinland

gezogen. Denn sie leben immer noch. Jedenfalls hat die Düsseldorfer EG

gestern Abend in einem fantastischen Eishockeyspiel die
Eisbären aus Berlin

im zweiten Play-off-Halbfinalspiel mit 4:3 (2:0/1:2/1:1) besiegt und damit

nach einer Grusel-Vorrunde nun sogar den 1:1-Ausgleich in der

Best-of-five-Serie der Vorschlussrunde geschafft. Damit fällt die

Entscheidung über die beiden Endspielteilnehmer frühestens am Dienstag, da

auch das andere Halbfinale zwischen Köln und Frankfurt unentschieden

steht.

Der Eisbär gilt in der Fauna als äußerst antrittsschnelles Tier,

das mit einer enormen Geschwindigkeit auf den ersten Hundert Metern seine

Beute reisst. Was er auch muss, denn der König der Arktis verfügt wegen der

großen Körpererhitzung bei einem Sprint über keine hohe Ausdauer. Insofern

wussten die 10688 Zuschauer im seit langer Zeit einmal wieder gut besuchten

Rather Dome zu Beginn der Begegnung überhaupt nicht, wer eigentlich wer ist.

Denn es waren die Löwen der Düsseldorfer EG, die ein enormes Tempo vorlegte

und dafür auch bereits in der 7. Minute mit dem 1:0 belohnt wurde. Patrick

Reimer beförderte die Scheibe von außen vor das Tor und traf den verdutzten

Berliner Torwart Rob Zepp, von dem der Puck ins Tor prallte. Die DEG blieb

spielbestimmend und nachdem Tore Vikingstad bei einem Sololauf von Denis

Pederson nur unfair gestoppt werden konnte, verwandelte Rob Collins den

verhängten Penalty zum 2:0 (18.).

Die Eisbären waren beeindruckt. Es

schlichen sich selten gesehene Fehler ein. Ein Puckverlust in der neutralen

Zone ließ plötzlich Jamie Wright und Rob Collins alleine auf das Gehäuse von

Rob Zepp zufahren und nach einem Doppelpass markierte Wright in der 23.

Minute das dem Spielverlauf absolut entsprechende 3:0. Die Sache schien

gelaufen und wäre es wohl auch gewesen, wenn nicht das Schiedsrichtergespann

Roland Aumüller und Daniel Piechaczek in der Folge einige höchst

zweifelhafte Entscheidungen getroffen hätte, welche die DEG benachteiligten

und die Eisbären nach Treffern von Beaufait (27.) und Pederson (40.) zurück

ins Spiel brachten.

Die Unparteiischen ließen sich auch von den

lautstarken Unmutsbekundungen des Publikums nicht von ihrer Linie abbringen

und als ein böser Check des an diesem Abend ebenso wie Sven Felski und

Florian Busch übermotivierten André Rankel gegen Korbinian Holzer in der 47.

Minute nicht geahndet wurde, verlor die DEG völlig den Faden. Nur zwei

Minuten nach dieser Szene erzielte Stefan Ustorf das 3:3. Nun schien die

Partie vollends zu kippen. Doch ein Löwe ist kein Eisbär. Die DEG bewies

unglaubliches Stehvermögen, eisernen Willen und viel Leidenschaft. 99

Sekunden vor der drohenden Verlängerung nahm sich der
21-jährige Verteidiger

Robert Dietrich ein Herz und hämmerte die vulkanisierte Hartgummischeibe in

die Maschen. 4:3. Der Sieg.

(Thomas Schulz - Foto by City-Press)

DEG - Berlin 4:3

(2:0/1:2/1:1)

Aufstellung DEG

Tor: Storr (Jochen

Reimer)

Abwehr: Ratchuk, Van Impe - Holzer, Bazany - Dietrich, Hedlund -

Werner

Angriff: Wright, Collins, Patrick Reimer - Kreutzer, Vikingstad,

Kathan -
Pinizzotto, Reid, Panzer - Schietzold, Carciola, Boon

(Stephens)

Aufstellung Berlin

Tor: Zepp (Renkewitz)

Abwehr:

Braun, Smith - Quint, Hördler - Roach, Baxmann - Draxinger

Angriff:

Busch, Weiß, Felski - Robinson, Pederson, Walker - Rankel,
Beaufait, Mulock

- Mueller, Ustorf, Ostwald

Schiedsrichter: Roland Aumüller (Planegg) und

Daniel Piechaczek (Ottobrunn)

Zuschauer: 10 688

Tore: 1:0 (6.38)

P. Reimer (Collins), 2:0 (17.34) Collins (Penalty); 3:0
(22.37) Wright

(Collins), 3:1 (26.02) Beaufait (Mulock, Felski), 3:2 (39.44)
Pederson

(Walker, Roach/5-4); 3:3 (48.27) Ustorf, 4:3 (58.21) Dietrich
(Kathan,

Vikingstad/5-4)

Strafzeiten: DEG 26 - Berlin 18