Doug Shedden: „Endlich haben wir die nötige Emotion und Intensität gezeigt“ Vor dem entscheidenden Spiel 7 in Köln

Doug Shedden hatte eine lange Serie vorhergesehen - und behielt recht: Das Viertelfinale seiner Panther gegen die Haie geht über die volle Distanz.  (picture alliance / ZUMA Press / Wolfgang Fehrmann)Doug Shedden hatte eine lange Serie vorhergesehen - und behielt recht: Das Viertelfinale seiner Panther gegen die Haie geht über die volle Distanz. (picture alliance / ZUMA Press / Wolfgang Fehrmann)
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ERCI-Coach Doug Shedden hat mit seiner Prognose zur Viertelfinalserie gegen die Kölner Haie recht behalten: „Ich habe schon vorher gesagt, dass es eine lange Serie werden würde – nun habe ich leider recht behalten.“ Leider deswegen, weil die Panther zweimal die Chance hatten, den Halbfinaleinzug perfekt zu machen. Spiel 5 in Köln war sehr eng, die Rheinländer siegten knapp – aber Schwamm drüber, es gab ja noch Spiel 6. Ausverkauftes Haus, beste Stimmung da sollte es doch klappen mit dem Halbfinale – allerdings kamen die Panther „nicht gut aus der Kabine“, wie Fabio Wagner und Timo Pielmeier nach dem Spiel übereinstimmend sagten. Timo Pielmeier? Richtig, der Deggendorfer kam nach 20 Minuten für den zuletzt so bärenstarken Jochen Reimer ins Spiel: „Joker war heute von Anfang ein bisschen wackelig, beim ersten Tor hat er nicht gut ausgesehen, und auch davor hat er paar Scheiben durchgelassen.“ Bei Oblingers Tor – nicht der einzige Ex-Panther, der am Freitag Abend für Furore sorgen sollte - war der Matchplan der Schanzer bereits nach gut vier Minuten über den Haufen geschmissen.

Und es wurde nicht besser aus Sicht der Ingolstädter: „Nach der Führung hat Köln mit zwei schönen Powerplay-Toren nachgelegt.“ Torschütze war jeweils Ex-Panther Felix Schütz, der bei beiden Treffern fast nur noch die Kelle hinhalten musste, weil die Haie der Box der Schanzer mit einigen schnellen und präzisen Pässen ausgehebelt hatten.

Es war letztlich eine zu hohe Hypothek für die Ingolstädter, die im zweiten Drittel sehr viel mehr Druck machten, besser Schlittschuh liefen – einfach im Spiel waren. Benedikt Kohl besann sich nach sechseinhalb Minuten im Mittelabschnitt der alten „Scheiben zum Tor“-Weisheit und traf durch den Verkehr vor Gustaf Wesslau zum 1:3. Dann zeigten die Panther, dass sie auch Überzahl können – wieder war es eine schöne Kombination über Kelleher und Greilinger, an deren Ende Brett Olson freie Schussbahn hatte. Bis zur zweiten Sirene machten die Panther eine Menge Druck, konnte aber den Ausgleich nicht mehr erzwingen.

Im Schlussabschnitt zeigte Köln dann extrem cleveres Play Off-Hockey: Sie ließen Ingolstadt kommen, verteidigten diszipliniert und ließen kaum echte Chancen zu und überstanden auch ein Überzahlspiel unbeschadet. Dann machte Felix Schütz nach einem lehrbuchmäßigen Konter der Haie mit seinem dritten Tor an diesem Abend alles klar.

Der Frust saß tief bei den Schanzern - und entlud sich viereinhalb Minuten vor dem Ende: Kölns Colby Genoway checkte Sean Sullivan in den Rücken, daraufhin rangelten die beiden ein wenig griech-römisch. Als KEC-Verteidiger Simon Despres mitmachen wollte, zog er sich den Zorn des „grimmigen Verteidigers“ (Larry Mitchell) Colton Jobke auf sich – und bekam eine ordentliche Tracht Prügel von Ingolstadts Deutsch-Kanadier verpasst. Die Linienrichter hatten Mühe, Jobke von der Fortsetzung seiner Strafaktion abzuhalten. Die beiden lieferten sich auch nach der Schlusssirene noch ein kleines Wortgefecht. Da scheint das letzte Wort noch nicht gesprochen, zumal sich beide wieder am heutigen Sonntag Nachmittag gegenüberstehen werden.

Reizfigur Mo Müller

Dann werden sich auch Haie-Capitano Moritz Müller und Brandon Mashinter wiedertreffen. Letzter forderte den Silbermedaillengewinner von Olympia 2018 kurz vor dem Ende nochmal zu einem Tänzchen auf. Müller wollte aber offenbar seine Kräfte für Sonntag schonen – und ließ Mashinter sich abreagieren, der daraufhin ebenfalls Kräfte sparen konnte und vorzeitig duschen durfte. Aus Kölner Sicht eine clevere Aktion: Müller ließ sich nicht provozieren, vermied eine eigene Strafe – er ist ja quasi vorbestraft nach dem Fight gegen Panther-Stürmer Joachim Ramoser – und schickte sogar noch den Gegner zum Duschen. Doug Shedden sah die Szene naturgemäß etwas anders: „Ich kenne Moritz Müller nicht, aber wir wissen jetzt, was er für ein Typ ist: Wenn ich gegen Ramoser kämpfe, der wahrlich kein Fighter ist, dann muss ich manns genug sein, es mit Mashinter aufzunehmen, wenn er mich herausfordert. Müller hat es nicht gemacht, das sagt einiges über den Spieler aus.“ Nein, Ehrenvorsitzender des ersten Ingolstädter Mo Müller-Fanclubs wird er wohl nicht werden.

Dass die Play Offs ihre eigenen Gesetze haben, zeigte Sheddens – eigentlich ein Verfechter von Disziplin – Einschätzung zu den Fights am Ende des Spiels: „Endlich haben wir die Emotionen und die Intensität gezeigt, die wir in den Play Offs brauchen“, da könne es eben schon mal ein bisschen heiß her gehen.

Nun also Spiel 7 – der ultimative Showdown. Dazu Doug Shedden: „Für diese Spiele lebt man als Eishockey-Profi, diese Spiele bleiben in Erinnerung. Es ist die Chance, Großes zu vollbringen, manchmal vielleicht auch von den Spielern, von denen man es nicht unbedingt erwartet. Wichtig ist für uns, dass wir das Momentum, die Intensität und das Tempo aus den letzten vierzig Minuten mitnehmen.“ Und schließlich spricht auch die Statistik für Ingolstädter: Zweimal gab es ein Spiel gegen die Haie, beide Male triumphierten die Oberbayern in der Domstadt.

Ab 14 Uhr geht es in der Kölner Arena um den Einzug ins Halbfinale. Einer dieser entschiedenden Spieler könnte Mike Collins sein, der zwar Topscorer der Schanzer in der Hauptrunde war, gegen Köln aber bisher lediglich einen Punkt produziert hat.

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DEL Hauptrunde Gruppe

Mittwoch 24.02.2021
Nürnberg Ice Tigers Nürnberg
3 : 4
Adler Mannheim Mannheim
Kölner Haie Köln
5 : 4
Krefeld Pinguine Krefeld
Donnerstag 25.02.2021
ERC Ingolstadt Ingolstadt
3 : 2
EHC Red Bull München München
Düsseldorfer EG Düsseldorf
2 : 3
Iserlohn Roosters Iserlohn
Freitag 26.02.2021
Fischtown Pinguins Bremerhaven
- : -
Eisbären Berlin Berlin
Augsburger Panther Augsburg
- : -
Straubing Tigers Straubing
Samstag 27.02.2021
Schwenninger Wild Wings Schwenningen
- : -
ERC Ingolstadt Ingolstadt
Sonntag 28.02.2021
EHC Red Bull München München
- : -
Straubing Tigers Straubing
Iserlohn Roosters Iserlohn
- : -
Düsseldorfer EG Düsseldorf
Krefeld Pinguine Krefeld
- : -
Kölner Haie Köln
Montag 01.03.2021
Adler Mannheim Mannheim
- : -
Nürnberg Ice Tigers Nürnberg
Eisbären Berlin Berlin
- : -
Grizzlys Wolfsburg Wolfsburg