Die Saison der Augsburger Panther: Blitzstart, Absturz, FrustKommentar zur AEV-Saison 2014/15

Für Trainer Greg Thomson und die Augsburger Panther lief es nicht gut. (Foto: Imago)Für Trainer Greg Thomson und die Augsburger Panther lief es nicht gut. (Foto: Imago)
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Die Augsburger Panther stehen vor einem Neuanfang – wieder einmal: Coach Larry Mitchell, der Rehhagel-hafte sieben Jahre hinter der Bande der Panther stand, ist weg, sein zum Chef beförderter Ex-Assistent Greg Thomson wird nach dieser Saison wohl entweder wieder ins zweite Glied rücken oder sich gleich neu orientieren – vermutlich schlichtweg eine Frage der Alternativen. Die Mannschaft wird im nächsten Jahr ebenfalls ein neues Gesicht bekommen – und muss dies vielleicht auch. Zu deutlich waren die Schwächen in dieser Saison zu erkennen: Die meisten Gegentore, das schlechteste Powerplay der Liga, drittletzter im Unterzahlspiel, die Chancenverwertung oft nicht zufriedenstellend und eine schwarze Auswärtsserie, die erst mit einem Sieg gegen die Straubing Tigers – trainiert von Larry Mitchell – in einem Spiel der Marke „Not gegen Elend“ am letzten Hauptrunden-Spieltag endete.

An mangelnder spielerischer Qualität im Kader kann es kaum liegen: Im Herbst startete man optimal in die Saison, hatte sogar die Chance, an die Tabellenspitze zu springen. Dann folgte das erste Zwischentief mit klaren Niederlagen gegen die Top-Teams aus Mannheim und Hamburg – der Auftakt zu einer rasanten Talfahrt, die nur durch kurze Zwischenhochs unterbrochen wurde.

Verletzungspech und Trainer-Posse – und unter Thomson keine Besserung

Zwei Ereignisse könnten den negativen Saisonverlauf ausgelöst haben: Der erfahrene Ryan Bayda, kein Lautsprecher in der Kabine, aber eben doch ein Leader, und Teil der bis dato treffsichersten Sturmreihe der Liga, fiel aus. Später verletzte sich unter anderem auch noch Mike Connolly, ebenfalls einer der torgefährlichsten Stürmer der Schwaben.

Und als wäre es nicht genug gewesen, flammte im November das nächste Feuer auf – dieses Mal im Trainerstab: Larry Mitchell stand „bis auf Weiteres“ nicht hinter der Bande wegen nicht näher benannter gesundheitlicher Probleme. Die SZ will herausgefunden haben, dass es „nur“ die durch die Profikarriere lädierte Hüfte war. Nach ein paar Tagen war Mitchell wieder da – und gleich darauf weg: Vertragsauflösung im beiderseitigen Einvernehmen und wieder nur wenige Tage später sein Neuanfang in Straubing. Was hinter den Kulissen gelaufen ist, darüber kann man nur spekulieren: Vielleicht haben die Verantwortlichen in Augsburg gewisse Abnutzungserscheinungen ausgemacht – oder man war ganz einfach mit dem Abschneiden der letzten beiden Jahre, in denen in den Pre-Play-offs jeweils relativ schnell Schluss war, nicht zufrieden und wollte mit einem Wechsel die Chance erhalten, sich doch noch für die Endrunde zu qualifizieren.

Zumindest in Sachen Punktausbeute trat unter Thomson bis auf ein kurzes Strohfeuer zu Beginn seiner Amtszeit keine Besserung ein – zudem gab es noch die eine oder andere bittere Niederlage wie das 6:7 gegen Ingolstadt oder die 2:10-Klatsche gegen Nürnberg, jeweils vor eigenem Publikum. Spätestens bei letzterem Spiel zeigten sich erstmals deutliche Mängel bei der Einstellung mancher Spieler: Denn in einer fünfminütigen Unterzahl sich regelrecht Hütte vollschießen zu lassen, ist kaum akzeptabel. Die Fans, die dem Team zwischenzeitlich sogar ihre Unterstützung versagt hatten, haben jedenfalls ihr klares Votum zum Panther-Team 2014/2015 abgegeben: Nach dem letzten Heimspiel riefen sie Steffen Tölzer und Spencer Machacek nochmals vor die Kurve – sonst keinen.

Dem AEV steht wieder ein ereignisreicher Sommer bevor

So kurz nach der Saison hat es wenig Sinn, über einzelne Namen zu spekulieren. Fakt ist aber: Die Schnittmenge aus Spielern, die man weiter gerne in Augsburg hätte, und denen, die nach dieser unbefriedigenden Saison bleiben wollen, dürfte relativ klein sein. Zumal Straubings Trainer Larry Mitchell seine Fühler nach einigen Panther-Spielern ausgestreckt haben soll. Angesichts der finanziellen Möglichkeiten der Panther wird es wohl wieder auf eine Mischung junger Importspieler (gerne mit deutschem Pass), DEL-Spielern, die in Augsburg mehr Verantwortung übernehmen möchten und dem einen oder anderen Überraschungs-Coup herauslaufen. Dass das Management der Panther durchaus den richtigen Riecher und die nötigen Verbindungen nach Nordamerika hat, haben sie in den letzten Jahren hinreichend bewiesen – auch in vor dieser Saison, als man Spieler wie Brady Lamb oder eben den neuen Publikumsliebling Spencer Machacek verpflichtete. Auf ein Neues heißt es in Augsburg – wie (fast) jeden Sommer.