Die Nervenschlacht geht weiterHannover - Nürnberg 2:1

Freude bei den Scorpions. (Foto: Andreas Dick)Freude bei den Scorpions. (Foto: Andreas Dick)
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Die 4.052 Fans, darunter 500 mit dem Sonderzug aus Nürnberg gekommen, werden ihr Kommen nach dem ersten Drittel nicht bereut haben. Von Anfang an war Pfeffer in den Aktionen, wobei die schnelle Fünf-Minuten-Strafe plus Spieldauerdiszi für Stastny plus zwei weitere Strafen für Leask und Pollock die Gäste zunächst nicht in Spiel kommen ließen. Die Scorpions, denen man den Siegdruck ansah, waren zwar optisch überlegen, aber die, äußerst geschickt in Unterzahl agierenden Ice Tigers, ließen kaum Chancen für die Hausherren zu. Lediglich Fauser und Goc hatten das 1:0 vor Augen, aber kaum hatten die Nürnberger, die 35 Sekunden sogar mit zwei Mann weniger auskommen mussten, wieder vier Spieler auf dem Eis, waren sie brandgefährlich. Reimer hätte aus unmöglichem Winkel fast getroffen. Allerdings zeigten sich auch die Scorpions in ihrem Penaltykilling den Gästen gewachsen, waren gleichstark und hätten ihrerseits durch King und Sulkovsky treffen können. Warum die Scorpions in den letzten acht Minuten schlagartig ihre Konzentration verloren, wird ihr Trainer Igor Pavlov sicherlich in der Kabine analysiert haben, denn auf einmal hatte Patrick Reimer (17.) eine Konterchance, wurde nicht angegriffen und zog die Scheibe in den rechte untere Ecke. Pätzold war chancenlos. Wenige Sekunden später stand ein Nürnberger zum Glück für die Scorpions beim (fast) 0:2 im Torraum und wenige Sekunden vor Schluss der ersten zwanzig Minuten traf James, wieder bei einem schnellen Konter, nur den rechten Außenpfosten. War nach 16 Spielminuten das 0:1 glücklich, so konnte man vier Minuten später konstatieren, dass die Scorpions von Glück reden konnten, dass es „nur“ 0:1 stand.

Die Analyse von Igor Pavlov muss korrekt gewesen sein, denn im zweiten Drittel spielten eigentlich nur die Scorpions. Optisch überlegen, bissig in den Zweikämpfen drückten sie, spielten stellenweise mit 5-5 Powerplay, nur der Ausgleich, er wollte einfach nicht fallen. Zwar hatten die Ice Tigers durch Kaufman die erste große Möglichkeit und später noch einmal durch Reimer, der knapp am sensationell haltenden Pätzold (28.) scheiterte, aber dann ging es nur noch in Richtung Weiman, der nicht nur, zusammen mit Reimer, der beste Mann der Ice Tigers war sondern mehrfach glänzend reagierte. Die stellenweise jetzt lethargisch auftretenden Ice Tigers verließen sich einfach auf ihre defensive Stärke, die Harmlosigkeit der Scorpions und die Power ihres Torwarts und dies ging dann auch bis zur 40. Minute gut. Goc sah Stephan Wilhelm frei im Slot, dieser stoppte die Scheibe und überwand Weiman mit einem Schuss über die Fanghand aus nächster Nähe. Der Ausgleich war hochverdient, aber jetzt stand die Frage im Raum, ob dieser immense Aufwand der Scorpions nicht zu viel Kraft gekostet hat.

Diese Frage durfte im Nachhinein als „Jein“ beantwortet werden. Zunächst zeigten die Scorpions jedoch die Krallen. Reimer musste auf die Strafbank, die Hannoveraner wie üblich ein engagiertes aber ineffektives Powerplay und dann kam  der Auftritt vom Kapitän. Sascha Goc (41.) suchte einen Mitstreiter, fand keinen, zog ab und Weiman machte seinen einzigen Fehler im Spiel, als er daneben griff. Spätestens jetzt mussten die Ice Tigers ihr Spiel umstellen und das klappte nicht so, wie sie es sich gedacht hatten. Die Hausherren stellten sich nicht wie erhofft hinten rein, sondern erzwangen ein offenes Spiel, auch geschuldet dem immer wieder unpräzisen Spiel der Nürnberger. Diese versuchten zwar die nun müde wirkenden Scorpions mit schnellem Spiel auszuhebeln, aber dies funktionierte nicht. Im Gegenteil: Hlinka und Sulkovsky hatten eher die Möglichkeit zum 3:1. Lediglich Aab hätte den Ausgleich im Powerplay erzielen müssen, aber da zeigte Nationalkeeper Dmitrij Pätzold, wie gutes Stellungsspiel aussieht. Da half dann auch nicht die Herausnahme von Weiman 43 Sekunden vor Schluss. Die Scorpions hatten sich letztendlich den Sieg verdient, denn bis auf die letzten acht Minuten im ersten Drittel hatten sie das Spiel optisch dominiert.

Ice-Tigers-Coach Benkt Ake Gustafsson: „War haben nicht schlecht gespielt. Hannover war sehr gut defensiv, hat kaum Chancen zugelassen und verdient gewonnen.“

Sportdirektor Marco Stichnoth: „Man hat gesehen, dass alle Spieler bis in die Haarspitzen motiviert sind und dann schnell verkrampfen. Im zweiten Drittel waren wir sehr konzentriert, wenig Chancen zugelassen und durch das glückliche zweite Tor von Sascha Goc haben wir verdient gewonnen.“