Die Hockeyweb-Saisonvorschau 2009/10

Lesedauer: ca. 7 Minuten

Morgen geht es endlich wieder los, das Rennen um Punkte und Plätze

in unserer höchsten Liga. Die 16. DEL-Saison beginnt am Donnerstag um 19.30 Uhr

mit dem Spiel der Adler Mannheim gegen die Nürnberg Ice Tigers. In der

Vorsaison warfen die Badener die Franken mit einer 4:1-Siegesserie aus den

Viertelfinals.

 

Als heißer Kandidat für die (erneute) Meisterschaft gelten die Eisbären

Berlin. Die Hauptstädter werden von nahezu allen Experten auf den

Favoritenthron gehoben. Gleichen die Eisbären gegen die Adler Mannheim im

Titelrennen mit fünf DEL-Triumphen aus, oder holen die Badener mal wieder die

Trophäe an Rhein und Neckar? Neuerungen halten sich in dieser Saison in

Grenzen. Die wichtigsten: Es wird vor den Play-offs, die bis auf die Qualifikation

(zwei Gewinnspiele) auf drei Gewinnspiele ausgelegt sind, eine Doppelrunde

ausgetragen. Beim unerlaubten Weitschuss darf die verursachende Mannschaft

nicht vor dem erneuten Anspiel wechseln.

 

Neue Gesichter sind bei den Chefcoaches mehr oder minder Fehlanzeige. Mit

Doug Mason in Mannheim, Igor Pawlow (Köln), Jürgen

Rumrich (Straubing), Bob Manno (Ingolstadt) und Martin Jiranek traten nur fünf

Übungsleiter einen neuen Job an. Dazu wurden Jiranek (Nürnberg, jetzt Krefeld)

und Rumrich von Assistenztrainern zu „Chefs“ befördert.

Hier erscheint nun eine kleine Übersicht zu den einzelnen Mannschaften. Einen ausführlichen Teamcheck gibt es später auf Hockeyweb.

 

Eisbären Berlin

Auch für uns sind die Eisbären der Favorit auf die Meisterschaft,

wenngleich Oldtimer Mark Beaufait seine Karriere beendete. Wie es der guten Tradition

bei den Berlinern und ihrem Manager Peter John Lee entspricht, halten sich die

Wechsel in Grenzen. Tyson Mulocks Bruder Travis stieß vom Zweitligisten Bad

Tölz an die Spree, Verteidiger Derrick Walser feiert ein Comeback bei seinem

alten Verein. Dazu kommt neben den bekannten alten Kämpen eine Menge junger Leute,

die noch längst nicht den Zenit ihrer Laufbahn erreicht haben.

Adler Mannheim

Wie wird sich der sensible Doug Mason seiner Aufgabe als neuer Coach

entledigen? Nachdem er gute Arbeit bei den Außenseitern Iserlohn und Krefeld

geleistet hatte, war ihm in Köln nur mäßiger Erfolg beschieden. Bei den Adlern

erwartet ihn der zweite Verein aus der „Bel étage“ unserer höchsten

Klasse. Vor allen Dingen haben die Mannheimer mit Andy Hedlund (Düsseldorf),

Jame Pollock (Balaschicha/Russland) und Chris Schmidt (Iserlohn) in der

Defensive zugelegt. Vorn trauen viele Experten Scott King eine großartige

Saison zu. 

Frankfurt Lions

Die Mainstädter mit ihrem Chefcoach Rich Chernomaz, der aus dem

Trainerstuhl bei den Lions ein solides Möbelstück gemacht hat (der kleine Kanadier

geht in seine siebte[!] Saison), werden von nicht wenigen Experten als

Geheimfavorit gehandelt. Stellt man den Weggängen die „Neuen“

gegenüber, so scheint das Team vor Schlussmann Ian Gordon an Stärke und

Kampfkraft zugenommen zu haben. Ein ganz heißer Tip ist der 26-jährige Kanadier

Joey Tenute, der seine Eingewöhnungsphase auf europäische Eisflächen bei

Jokerit Helsinki absolvierte.

DEG Metro Stars

Der Vizemeister quälte sich recht mühsam durch die Testphase. Am

Wochenende langte es noch zu zwei knappen Ergebnissen gegen die

Ligakonkurrenten Frankfurt (Sieg) und Wolfsburg (Sieg nach Verlängerung). Mit dem Team ist

aber zu rechnen, denn es hat keinen einzigen Leistungsträger in der Offensive

verloren, sondern mit dem Augsburger Mark Murphy und dem Kanadier Craig

MacDonald noch zugelegt. Wie schwer die Weggänge von Torwart Jamie Storr sowie

den Verteidigern Andy Hedlund und Peter Ratchuk wiegen, wird sich zeigen.

ERC Ingolstadt

Kaum vorstellbar, dass die Oberbayern erneut die Play-offs verpassen.

Giacinto Boni als neuer Manager und Bob Manno haben personell einen Umbruch

vollzogen. Zwischen den Pfosten soll es unser Nationalkeeper Dimitri Pätzold

richten. Elf „Neue“ sind für die Abteilung Attacke auf dem Eis,

darunter Rückkehrer Vince Bellissimo und der nicht immer pflegleichte

Ex-Frankfurter Pat Kavanagh. Viel erwartet die Führung auch von Thomas

Greilinger und Talent Patrick Buzas, der eine enttäuschende Saison in Augsburg

durchmachte. 

Kölner Haie

Schon bevor es losgeht, haben die Domstädter einen Rekord aufgestellt.

15-mal traten die Pawlow-Schützlinge an, neunmal kassierten sie eine

Niederlage. Doch wer den gebürtigen Russen kennt, weiß, dass diese Resultate

nur zweitrangig sind. Ein kleiner Fingerzeig: Die beiden letzten Partien

Iserlohn und Nürnberg wurden gewonnen. Die Domstädter werden sicherlich auf die

Minute topfit sein. Erstaunlich, dass die Verteidigung keine Veränderung

erfuhr. Wie werden die Weggänge von Dave McLlwain und Philip Gogulla verkraftet

werden?

Hamburg Freezers

Jedes Jahr erhebt sich besonders in den (kleiner werdenden) Fankreisen

die gleiche Frage: Wann stimmen Etat und Erfolg überein? In der anstehenden

Spielzeit stehen die Hanseaten mit 6,8 Millionen Euro auf Rang vier hinter

Mannheim (8,0), Berlin und Düsseldorf (jeweils 7,5). Doch sportlich lief es

bisher mehr als mager für die Schützlinge von Cheftrainer Paul Gardner, dem von

der Führung erst nach längerem Hin und Her das Vertrauen (und damit ein neuer

Vertrag) ausgesprochen wurde. Getan hat sich bisher nicht viel auf dem Transfermarkt.

Krefeld Pinguine

Nach der erfolgreichen Saison unter Igor Pawlow setzen die Rheinländer

zum vierten Mal hintereinander auf einen Debütanten an der Bande. Jetzt soll es

nach Teal Fowler, Jiri Ehrenberger und eben diesem Pawlow Nürnbergs ehemaliger Kultakteur

Martin Jiranek richten. Ähnlich wie bei den Eisbären ist auch Manager

Ehrenberger nicht vom Wechselfieber befallen. Ein paar junge Burschen sowie die

„gestandenen“ Allan Rourke und Rob Globke sollen die Weggänge von

Shay Stephenson und Jean-Francois Fortin vergessen machen.

Grizzly Adams Wolfsburg

Nur wenige Leistungsträger gaben die Niedersachsen ab. Mit Justin

Papineau (Mannheim) verließ lediglich einer der sechs erfolgreichsten Scorer

den Verein. Für positive Schlagzeilen sorgten Neuzugang John Laliberte sowie

Kai Hospelt, wobei es in Hospelts Leistungskurve sicherlich weiterhin Luft nach

oben gibt. Wie sich die Abteilung Defensive mit fünf Neulingen schlagen wird,

muss abgewartet werden. Interessant wird der Zweikampf der deutschen Torwarte Daniar

Dshunussow (23) und dem Ex-Düsseldorfer Jochen Reimer (24).

Hannover Scorpions

Zusammen mit den Iserlohn Roosters und dem Meister kommen die krisengeschüttelten

Schützlinge von Alt-Bundestrainer Hans Zach auf lediglich sieben Testspiele.

Das Erfreuliche aus Sicht der Leinestädter: Bis auf eine (gegen den

tschechischen Extraligisten Wittkowitz 

2:6) wurden alle Testpartien siegreich gestaltet. Gespannt sein darf man

auf das neue Torhütergespann Levente Szuper (Alba Volán/Ungarn) und Youri

Ziffzer (Eisbären). Ob am Ende der Saison wieder eine Halbfinal-Teilnahme

winkt, darf mehr als bezweifelt werden.

Nürnberg Ice Tigers

Klappt es mit den Cousins Lorenz Funk jr. als neuem Manager und

Chefcoach Andreas Brockmann? Bisher rissen die fränkischen Fabeltiere, die

ihren offiziellen Vereinsnamen einmal mehr änderten, keine Bäume aus. Man darf

vor allen Dingen gespannt sein, wie sich Rückkehrer Adam Svoboda zwischen den

Pfosten schlägt und inwieweit die Weggänge von Scott King, Brian Swanson und

Shawn Carter weggesteckt wurden. Die Testphase verhieß nichts Gutes, denn

lediglich zweimal in acht Spielen verließen die Nürnberger als Sieger das Eis.

Augsburger Panther

Es ist die Krux der sogenannten Kleinen. Kaum werden gute Cracks an

Land gezogen und haben sich in der neuen Umgebung bewiesen, folgen sie dem Ruf

eines Vereins, der mehr „auf der Tasche“ hat. So ergeht es auch den

Fuggerstädtern, die mit Strafbank- und Scorerkönig Mark Murphy (DEG) sowie dem

Drittplatzierten Mathis Olimb (Göteborg/SWE) gleich zwei Topstürmer abgeben

mussten. Es bleibt abzuwarten, ob Tyler Beechey (Iserlohn) und Colin Murphy

(AHL) vorgenanntes Duo ersetzen werden. Die Defensive scheint dagegen

gefestigter.

Iserlohn Roosters

Ist es ein besonderes Risiko, wenn zwei junge Torwarte den Großteil der

Verantwortung auf ihren Schultern tragen müssen? Man ist geneigt, diese Frage

zu bejahen. Die Sauerländer gehen jedenfalls mit dem 24-jährigen Danny Aus den

Birken und dem zwei Jahre jüngeren Sebastian Stefaniszin ins Rennen. Auch sonst

hat sich viel am Seilersee getan. Eine Handvoll Routiniers verließ den Verein.

Viel erwartet man von Quinn Hancock (32), der vorwiegend in den Nordländern

Tore schoss und bisher am erfolgreichsten war, sowie Brian Swanson (33).  

Kassel Huskies

Zwar hat sich einiges in puncto Spielerwechsel bei den Nordhessen

getan, doch Spektakuläres blieb aus. Lediglich der 28-jährige US-Boy Derek

Damon sorgte mit seinen sechs Toren bei den Verantwortlichen um Chefcoach

Stéphane Richer für kollektives Anheben der Augenbrauen. Immerhin tragen fünf

der sechs erfolgreichsten Scorer weiterhin das Hundefell. Aus deutscher Sicht

bleibt zu hoffen, dass Angreifer Manuel Klinge (wird am Samstag 25 Jahre jung)

nach Auskurieren seiner Verletzungen einen erneuten Schritt nach vorn machen

wird.

Straubing Tigers

Achtbar schlugen sich die Gäubodenstädter in der Testphase unter ihrem

neuen Trainer Jürgen Rumrich. Sogar

gegen Frankfurt wurde ein 4:3 eingefahren. Den sympathischen Ex-Kapitän unserer

Nationalmannschaft begleiten sicherlich nicht wenige gute Wünsche für eine

erfolgreiche Saison. Zwei Fragen dürften bezüglich Erfolg oder Misserfolg im

Vordergrund stehen: Knüpft der 38-jährige Goalie Mike Bales wieder an seine

alte Form an, und kann Rumrich in seinem ersten Jahr als Bandenchef dem Team

seinen Stempel aufdrücken?