Die Hockeyweb Jahres-Vorschau für 2005

Eishockey in Namibia startbereitEishockey in Namibia startbereit
Lesedauer: ca. 9 Minuten

Liebe Leser,



wenn Sie an dieser Stelle und zu dieser Zeit erneut hellseherische Fähigkeiten bei uns voraussetzen,

können wir Sie beruhigen. Es gibt sie auch heuer wieder, die nur manchmal ernstzunehmende Vorschau 2005

Januar:

Die endgültige Aussetzung der NHL-Saison hat auch Folgen für die DEL. Um die Liga noch

attraktiver zu gestalten, erwogen die Gesellschafter zunächst in angeheiterter Stimmung in der

Neujahrsnacht die Aufhebung einer Kontigentierung der Ausländer und damit die Rückkehr zu alten,

längst vergangenen und lächerlichen Zeiten. Sogar zwischen den einzelnen Dritteln hätten die Spieler

noch den Arbeitsplatz wechseln können. Voraussetzung wäre nur ein frisch gewaschenes Trikot und

eine Anmeldung in Englisch oder einer anderen gängigen Sprache beim Schiedsrichter gewesen.

Nach erfolgter Ernüchterung siegt dann doch noch die Vernunft, indem die Gesellschafter die alte

Regelung wieder in Kraft setzen. Dumm lief die Sache allerdings für Schiedsrichter-Obmann Bernd

Schnieder, der diesmal zu schnell den Trend zu erkennen glaubte und in vorauseilendem Gehorsam

die ursprüngliche, peinliche Entscheidung in einer überregionalen Zeitung als “weise und

wohldurchdacht” bezeichnete.



Februar:

Die Krefeld Pinguine fühlen sich wieder einmal verschaukelt. Grund ist diesmal eine merkwürdige

und für die aufgebrachten Krefelder Fans kaum vollziehbare Entscheidung nach Videobeweis.

Schiedsrichter Gerhard Lichtnecker schaut sich erstaunlicherweise nach einem für alle Zuschauer

unstrittig ungültig erzielten Tor sicherheitshalber noch einmal das Band an. Zum Entsetzen der

meisten Besucher entscheidet der Unparteiische schon nach wenigen Sekunden Videobeschau auf

“Tor”. Nach dem Match gibt der Floßmeister bereitwillig Auskunft. “Auf dem Video waren Spieler

im Trikot des VfL Bad Nauheim zu sehen. Von den Krefeldern lasse ich mich nicht noch einmal

veralbern”, knurrt der knorrige Mann aus den Voralpen.



März:

Die Eisbären Berlin werden erneut Erster der Punktrunde, während Düsseldorf mit letzter Kraft den

achten Platz und damit die Play-offs schafft. Beide Vereinsführungen entschließen sich zu einem

spektakulären Trainertausch. Peter John Lee kommt mit Cheftrainer Pierre Pagé im Schlepptau an

seine alte Wirkungsstätte und wird von den älteren Fans mit Sprechchören gefeiert, während Butch

Goring, eingedenk seines Erfolgs in Krefeld zwei Jahre zuvor, die Truppe aus der Hauptstadt auf

Meisterkurs trimmen soll. “Meine Damen und Härrän: Iiisch bin aain Börlinör”, verkündet Goring

auf der ersten Pressekonferenz bei den Eisbären und erntet frenetischen Beifall. Auch für Freundin

Paula ist gesorgt: Sie erhält einen Job beim öffentlich-rechtlichen Sender RBB und startet gegen

Ende des Monats die Serie “Butch ist noch lange nicht futsch” mit deutschen Untertiteln.



April:

Champions werden weder die Berliner noch die “Alt”-Meister aus Düsseldorf, sondern die Kölner

Haie. Im entscheidenden fünften Spiel siegen die Schützlinge von Cheftrainer Hans Zach gegen

seinen Bundestrainer-Nachfolger Greg Poss und dessen Nürnberg Ice Tigers. Schade, dass das Spiel

mit einem Eklat endet: Der japanische Austausch-Schiedsrichter Yuki Yukakawa verpasst den

Nürnbergern eine Zweiminutenstrafe, weil der US-Amerikaner Yan Stastny die Scheibe über das

gegnerische Tor, aber auch über die Bande schoss. “Scheibe ibel Bande, das ist klale Schtlafe”,

radebrecht der Mann aus dem Fernen Osten. Leise legt er nach: “Späte Lache für Peall Halboul.”.

Greg Poss ist drauf und dran, wieder in alte Fehler zu verfallen und handgreiflich mitzumischen,

stürmt die Eisfläche und will dem kleingewachsenen Sohn Nippons offensichtlich an die Wäsche. Als

in dieser Überzahl auch noch der entscheidende Treffer zum 1:0 und damit zum Endstand fällt, ist es

um den Mann aus den Südstaaten geschehen. Letztendlich kann der Unparteiische dem

wutschnaubenden Poss entkommen, weil dieser mit Straßenschuhen nicht schnell genug ist.



Mai:

Bei der WM in Österreich spielt die deutsche Nationalmannschaft eine eher dezente Rolle. Im ersten

Spiel gegen Kasachstan haben die Schützlinge von Greg Poss Glück, dass die Kasachen, die aus

Geldmangel auf ihr historisches Transportmittel Pferd zurückgreifen mussten, erst einen Tag vor dem

Spiel eintreffen und somit völlig übermüdet sind. Ex-Kasache und “Premiere-Experte” Andrej Fuchs

vom NRW-Ligisten Herne bedauerte seine ehemaligen Teamkameraden: “Die Jungens konnten in

den Drittelpausen nicht einmal sitzen, so stark waren hinten die Schmerzen.” Mit 7:6 behalten die

Adlerträger die Oberhand und verhindern somit den Abstieg, kassieren aber sowohl gegen die

Tschechen als auch gegen die Schweizer deftige Packungen. Auch DEB-Präsident Hans Ulrich

Esken braucht nicht mehr mit einer Deutschland-Fahne in der Brusttasche zwecks Steigerung seines

Bekanntheitsgrades herumzulaufen. “Mich haben fünf Leute erkannt”, strahlte der wackere Westfale.

Aufsehen erregender allerdings die Darbietung seines Stellvertreters Uwe Harnoß. Der Mann aus

Augsburg, trotz der Gluthitze angetan mit einem wärmenden Schal, “frisst” sich im wahrsten Sinne

des Wortes durch sämtliche Empfänge, Ehrungen und andere “Sitzungen”. Erst später erklären

Insider den wahren Grund für das ungewöhnliche Benehmen des hungrigen Schwaben. Harnoß ist

nicht nur Verkäufer für Kaschmir-Schals, sondern auch Testesser für die Stiftung Warentest.



Juni:

Da hat Bob Leslie aber noch einmal mächtig Glück gehabt. Denn vier Spieltage vor den Play-offs

folgte er dem Ruf von Team Canada bei der WM und schmiss in Krefeld die Brocken hin.

Interimstrainer Franz Fritzmeier gewinnt mit der Truppe alle Partien und führt sie auf den 7. Platz,

wo sie erst im Halbfinale den Kölnern unterliegt. Nach der WM folgt die Ernüchterung für Leslie,

denn für ihn war bei den Kanadiern nur der Posten eines Videoscouts für Belgien auf Honorarbasis

vorgesehen. Reumütig spricht er in der Seidenstadt noch einmal vor. Dort erkennen die

Verantwortlichen des KönigPALASTes sowie der Pinguine ihre Chance und stellen ihn unter einer

Bedingungen ein. Da bisher nur ganz wenige Künstler für den PALAST verpflichtet wurden, muss

Leslie als Howard Carpendale zwei Wochenenden lang umsonst auftreten. Die Lieder kommen als

Playback, der Leidgeprüfte muss nur die Moderation übernehmen. Nur ein kleiner Lapsus unterläuft

den Verantwortlichen. Wegen anhaltender Kritik bezüglich der in der Vergangenheit zu häufig

gebrauchter englischer Ausdrücke prangt jetzt auf den Plakaten “HUBERT CARPENDALE”. Ein

einziger Wermutstropfen fällt in den Freudenbecher: Das koreanische Fernsehen, das ursprünglich

die Premiere übertragen wollte, blendet sich nach wenigen Sekunden aus und sendet dafür Bilder aus

der letzten Saison von diversen Aufwärmphasen der Pinguine mit Martin Hyun, der seit wenigen

Wochen die Beitragsverhandlungen Südkoreas in die EU leitet..



Juli:

Nach langem Hin und Her wegen Stadionprobleme wird Zweitligameister EV Duisburg endlich in die

DEL aufgenommen, während die Hannover Scorpions den bitteren Weg in die unteren Gefilde der

Rangordnung antreten müssen. Die Scorpions lösen sich auf und ziehen unter dem neuen Namen

Wedemark Potato Beetles (Kartoffelkäfer) wieder aufs Land. Freude bei den NRW-Nachbarn

Düsseldorf, Köln, Krefeld und Iserlohn. Ein großer hiesiger Baulöwe, der eine Riesenarena für

18.501 Zuschauer (einer mehr als in Köln) bauen will, verspricht vollmundig: “In drei Jahren sind wir

Meister.” Den vakanten Posten eines sportlichen Leiters übernimmt Oldtimer Fritz Hesselmann und

präsentiert zur ersten Pressekonferenz sofort 20 Deutsch-Kanadier, ebenso viele Deutsch-Russen

und Deutsch-Tschechen, die stolz ihre nagelneuen deutschen Pässe vorzeigen. “Jetzt brauchen wir

nur noch die Ausländer”, schmunzelt der “Kugelblitz”.



August:

Bei den Iserlohn Roosters ist Verunsicherung eingetreten. Die Sauerländer Truppe muss während

der gesamten Vorbereitung auf ihren Cheftrainer Doug Mason verzichten. Dieser nahm ein lukratives

Angebot aus Hollywood an, wo der Klassiker “Don Camillo und Peppone” neu verfilmt wird. Der

Holland-Kanadier spielt die Rolle des Pfarrers Don Camillo, Schiedsrichter-Legende Jupp Kompalla

die des kommunistischen Bürgermeisters Peppone. Bernd Schnieder tritt Gerüchten entgegen, nach

welchen er die Titelrolle in einer weiteren Neuverfilmung namens “Einer kam durch” übernehmen

soll. Auch sonst tut sich noch einiges auf dem Transfermarkt: Duanne Moeser erhält von den

Augsburger Panthern einen Sechs-Jahres-Vertrag, der sich bei jeweiliger Nichtteilnahme an den

Play-offs automatisch um ein Jahr verlängert. Die Frankfurt Lions sind auf der Suche nach einem

neuen Trainer fündig geworden. Nachdem sie sich vom Duo Nethery/Chernomaz Ende der Saison

getrennt hatten, feiert Bernie Johnson bei den Lions ein Comeback. Seine erste Tat: Pat Lebeau wird

nach Crimmitschau transferiert, wofür die Sachsen 50 Euro als “Aufbauhilfe Main” überweisen

müssen. Johnson: “Ein Superdeal!” Bill Stewart dagegen findet keinen Job mehr in der Branche.

Dafür übernimmt der Nothelfer einen Posten bei Carglass getreu nach dem Motto: “Denn Carglass

repariert”.



September:

Für die neue Saison haben sich einige Änderungen in der DEL ergeben. Die gravierendste betrifft die

Länge der Drittelpausen. Da als General-Sponsor eine bekannte Schnellimbiss-Kette gewonnen

wurde, wird sowohl das zweite als auch das dritte Drittel erst begonnen, wenn jeder Stadionbesucher

vom Angebot dieser Kette Gebrauch gemacht hat und nachweislich eine Portion nach freier Wahl

verzehrte. In Ingolstadt kommt es bereits in der ersten Drittelpause zu überfüllten Toiletten, die von

Zuschauern mit zum Teil grünen Gesichtern aufgesucht werden. “I moan, mi z´rreißt´s!” so ein

kerniger, guat´n Leberkas gewöhnter Oberbayer. In anderen Spielstätten muss sogar der Notarzt

eingreifen. Schweren Herzens kündigt die Ligenleitung den Vertrag nach dem zweiten Spieltag, der

einen erschreckenden Zuschauerrückgang zu verzeichnen hatte.



Oktober:

Gut kommt die neue Strafenregelung, der sogenannte Dezibelparagraph, beim Publikum an. Die

Schiedsrichter sind seit Beginn der neuen Saison angehalten, immer dann das Spiel zu unterbrechen

und eine Strafe auszusprechen, wenn die Mehrzahl der Zuschauer durch Pfeifen oder andere

Geräusche ihrem Unmut Luft macht. Schiedsrichter-Obmann Bernd Schnieder: “Diese Regelung ist

weise, denn die Zuschauer zahlen viel Geld und wollen ihr Team siegen sehen. Mitbestimmung muss

es auch im Sport geben. Außerdem hört die leidige Schiedsrichterschelte in den Medien auf. Das

beste Beispiel: Der unvergessene Hans Rosenthal bezog auch die Zuschauer ein und verzeichnete bei

´Dalli, Dalli´ mit dem vielzitierten ´das war Spitze!´ einen Riesenerfolg.”

November:

Das Anschutz-Imperium hat endgültig die Nase von Manager Borko Capla und seinen finanziellen

Eskapaden voll. “Der Bursche hat in Chemnitz, Weißwasser, Berlin und München stets eine

Riesenfinanzlücke hinterlassen. Hier schmeißt er auch mit dem Geld nur so herum und bringt

sportlich nichts zu Stande”, wird ein Sprecher aus der Chefetage zitiert. Die mittlerweile von Capla

umgetauften “Millionaires” dümpeln in der Tabelle auf Rang zehn herum, während das zahlreiche

Publikum immer noch klaglos seinen Obolus entrichtet. Bei Nacht und Nebel verschwindet Capla aus

der Hansestadt, wo er ohnehin wegen seiner geringen Körpergröße von den blonden, großen

Norddeutschen ein bisschen unter der Schulter angesehen wurde.

Dezember:

Alles hat sich rechtzeitig zur Weihnachtszeit wunderbar eingerenkt. In Hamburg hat mittlerweile

wieder Max Fedra das Sagen. Sprachprobleme gibt es nicht, denn Fedra kann sich ausgezeichnet mit

der hiesigen Bevölkerung in Englisch unterhalten. Nirgendwo gibt es Querelen, alles sitzt friedlich

unter dem Tannenbaum. Die Mannschaften der Liga sind gleichwertig wie nie zuvor, was die

Spielklasse ungeheuer attraktiv macht. Lächerliche vier Punkte trennen Tabellenführer Kassel von

Schlusslicht Köln. Zum Monatsende wird erneut eine Vorschau geschrieben, die genauso zum

Lachen, Schmunzeln und manchmal auch zum Nachdenken ermuntern soll.

MagentaSport Cup

Freitag 04.12.2020
Fischtown Pinguins Bremerhaven
3 : 1
Grizzlys Wolfsburg Wolfsburg
Samstag 05.12.2020
Eisbären Berlin Berlin
- : -
EHC Red Bull München München
Sonntag 06.12.2020
Schwenninger Wild Wings Schwenningen
- : -
Adler Mannheim Mannheim
Montag 07.12.2020
Krefeld Pinguine Krefeld
- : -
Düsseldorfer EG Düsseldorf
Dienstag 08.12.2020
Eisbären Berlin Berlin
- : -
Adler Mannheim Mannheim