Derbysieg nicht Fisch nicht FleischMannheim - Schwenningen 4:1

Zwischen Mannheim und Schwenningen ging es zur Sache. (Foto: Imago)Zwischen Mannheim und Schwenningen ging es zur Sache. (Foto: Imago)
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Verschiedene Fragen stellten sich vor dem Spiel: Ist der Effekt des Trainerwechsels in Schwenningen nach deren prompt folgenden Auswärtssieg in Nürnberg auch in Mannheim wirkungsvoll? Welche Antwort gibt Mannheim auf die Niederlage im letzten Heimspiel gegen Ingolstadt? Wie verkraften die Adler den Ausfall von Top Spieler Jamie Tardif, der verletzungsbedingt nach dem ersten Drittel im letzten Heimspiel gegen Ingolstadt ausschied?

Die Wirkung des Trainerwechsels ist zumindest beim Auswärtsspiel in Mannheim erst mal verpufft. Die Schwenninger kamen in Mannheim bis auf wenige Ausnahmen das gesamte Spiel über nicht zurecht. Kampf, wie man es von den Wild Wings kennt, boten sie, Willen war ebenso zu spüren, aber allein durch wildes, manchmal unkoordiniert wirkendes Anrennen konnten sie die Adler nicht gefährden. Den wenigen Chancen, die sich ihnen boten, gingen jeweils ungewohnte Konzentrationsfehler der Adler voraus, zudem hatten sie in diesen Situationen manchmal Schusspech oder in den meisten Fällen einen ausgezeichneten Youri Ziffzer im Adlertor vor sich, der nichts zuließ. Besser standen die Schwenninger im Defensivverband, allerdings teilweise auch mit gütiger Hilfe der Adler Offensive.

Durch die Verletzung von Jamie Tardif musste Adler-Trainer Geoff Ward seine Reihen umstellen, so spielte Jochen Hecht mit Glen Metropolit und dem wiedergenesenen Frank Mauer, Matthias Plachta hatte Christoph Ullmann und Mirko Höfflin als Partner, Jonathan Rheault rutschte zu Kai Hospelt und Ronny Arendt, nur die Reihe um Andrew Joudrey, Martin Buchwieser und Marcus Kink blieb unverändert. Diese Umstellungen bedeuteten Sand im Getriebe, ungewöhnliche Fehlpässe, einige Fehler in der räumlichen Abstimmung, die die sonst gezeigte Passgeschwindigkeit ab und an verringerte, was zur Folge hatte, dass die Schwenninger die Adleroffensive in einige unnötige Zweikämpfe zwangen, was sich auf den Spielfluss auswirkte. Letztlich ist das aber Jammern auf hohem Niveau, die Adler gewannen diese Zweikämpfe meist, der technischen und spielerischen Klasse der Mannheimer hatten die Wild Wings nichts entgegen zu setzen. Das Spiel fand demzufolge zu gefühlt 80 Prozent im jeweiligen Schwenninger Drittel statt, Passstaffetten zum Zunge schnalzen, Stocktechnik vom Feinsten, aber die Adler „starben“ auch in Schönheit vor dem zugegeben gut haltenden Dimitri Pätzold. Ein Schnörkelchen hier, eine Drehung da, dort ein Pass zu viel. Ergebnis Drittel eins: 0:0.

Klar war nach dem ersten Drittel, die Adler können sich nur selbst schlagen. Weiter uneffektiv vor dem Tor, ein oder zwei „Glückstreffer“ für den Gegner bei Kontern und schon war das Bild der Heimniederlage gegen Ingolstadt präsent. Dazu kam es diesmal aber nicht. Die Reihe um Andrew Joudrey, Martin Buchwieser und Marcus Kink zeigten Eishockey, wie man es bis zur Niederlage gegen Ingolstadt in der SAP-Arena zelebrierte. Schnelles Umschalten, schnelle Puckbewegung in die Tiefe, dazu perfekte Laufwege, das Ergebnis: diese Reihe machte gestern Abend den Unterschied. In der 28. Minute erlöste Andrew Joudrey die Adler nach sehenswertem Spielzug mit dem 1:0, in der 35. Minute erhöhte Martin Buchwieser mit unbedingtem Willen und Zug zum Tor auf 2:0 und krönte seine Leistung drei Minuten später mit einem fulminanten Schlagschuss aus der Halbdistanz zum 3:0.

Danach war das Spiel gelaufen. Im letzten Drittel setzte es noch ein gerüttelt Maß an Frust auf Schwenninger Seite, resultierend daraus einige Nickligkeiten von beiden Seiten, wie das so üblich ist, bei Begegnungen dieser beiden Mannschaften. In der 59. Minute fiel es dann doch noch, das Tor aus dem Nichts, wie oben beschrieben. Simon Danner erzielte es, MacGregor Sharp und Ashton Rome waren die Assistenten. Die Antwort der Adler erfolgte prompt. Kai Hospelt beförderte zwei Sekunden vor Schluss den Puck in das leere Tor der Schwenninger, das Dimitri Pätzold zu Gunsten eines sechsten Feldspielers verlassen hatte, letztendlich alles nur Ergebniskosmetik.

Die Effektivität vor dem gegnerischen Tor ist das Problem der Adler, 49:25 Schüsse, das sollte eigentlich reichen, um sich das Siegen nicht allzu schwer zu machen, auch wenn zusätzlich die ordnende Hand eines Jamie Tardif fehlt. Glücklicherweise haben die Adler diesmal ihre Tore erzielt, und zwar durch oben beschriebene Spielweise der Reihe um Andrew Joudrey, und darauf sollten sich alle Mannschaftsteile wieder besinnen.

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