Derby bei den Straubing Tigers geht an Red Bull MünchenGefühlseskalation: „Ohne Schiri habt ihr keine Chance“

(Foto: GEPA pictures/Marcel Engelbrecht)(Foto: GEPA pictures/Marcel Engelbrecht)
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Bis zu dem Check nach 32 Sekunden im Mitteldrittel von Münchens Patrick Hager an Straubings Topverteidiger Freddy Eriksson hatten die Hausherren die Partie eigentlich gut im Griff, waren mindestens auf Augenhöhe. München hatte im ersten Abschnitt zwar mehr Schüsse, doch wirklich gefährlich wurden sie nur in der 17. Minute, als gleich mehrere Red Bulls im Slot zum Abschluss kamen. Den Oberbayern merkte man die vielen Spiele der letzten Wochen deutlich an. So verwundert die Aussage von Münchens Coach Don Jackson nach dem Spiel nicht: „Ich bin stolz, was unsere Mannschaft in den letzten Tagen und Wochen geleistet hat.“ Zuvor legten die Tigers, wie schon in Düsseldorf, einen Blitzstart aufs Eis. Diesmal benötigte Stefan Loibl 54 Sekunden. Mit der knappen, aber durchaus verdienten Führung, ging es erstmals in die Kabinen. Doch auch schon hier stand Andre Schrader erstmals in der Kritik, denn nach einem Foul von Sena Acolatse verpasste Schiedsrichter Schrader dem Straubinger einen überraschend heftigen Anpfiff.

Aus dem Spiel gecheckt

Es folgte nach 32 Sekunden im Mitteldrittel der rücksichtslose Kniecheck von Patrick Hager gegen Freddy Eriksson. Der Schwede lag vor Schmerzen gekrümmt minutenlang auf dem Eis und konnte nicht weiterspielen. Auf der Pressekonferenz meinte Straubings Coach Pokel noch: „Die Röntgenaufnahmen waren negativ“, also ohne Auffälligkeiten. Das heißt aber nicht, dass Eriksson bald wieder spielen wird, vielmehr sollte sich Straubings Anhang auf das Saisonende des 35-Jährigen einstellen. Nach Mitch Heard wäre das der zweite herbe Verlust für die Niederbayern. Für die Tigers wäre das Saisonaus des Schweden eine Katastrophe, denn er ist das Hirn der Abwehr und nahm bisher im Schnitt über 23 Minuten Eiszeit pro Spiel – die zweitmeisten der DEL. Patrick Hager kam mit einer Spieldauerstrafe noch gut weg, doch größere Strafen werden auf dem Eis ohnehin kaum noch gegeben und alles was darüber hinaus geht, wird dem Disziplinarausschuss überlassen. Doch wenn es die Gruppe um Tino Boos diesmal wieder bei der Bestrafung auf dem Eis belässt, dann sollte man entweder ernsthaft über die Besetzung nachdenken oder gleich den Spielbetrieb einstellen.

Geschockte Tigers

Der Verlust des Topverteidigers schockte die Hausherren durch und durch. Die komplette Mannschaft war für den Rest des Drittels völlig von der Rolle. Tom Pokel musste gestehen: „Ich denke, das ist das Ergebnis vom Check gegen Freddy Eriksson. Unsere Gedanken waren woanders und nicht unbedingt beim Spiel.“ Ein katastrophaler Wechsel eröffnete Münchens Franky Mauer dann auch prompt einen Unterzahlkonter, den sich dieser nicht nehmen ließ. Auch wenn München auf dem Zahnfleisch spielte, solche Chancen lässt sich die Spitzentruppe nur selten entgehen. Inzwischen ging das Privatduell Schrader – Acolatse in die nächste Runde. Freunde werden die beiden wohl nicht mehr. Diesmal sah sich der Schiedsrichter sogar dazu veranlasst, eine Ansage an Coach Pokel zu machen. Spöttische Fans meinten unüberhörbar: „Der Schrader hat doch drei Regelbücher. Eins für die Großen, eins für die Kleinen und eins für Sena Acolatse.“ Mit einem Doppelschlag von Yasin Ehliz und Mark Voakes stellten die Red Bulls dann die Weichen und als Matt Stajan auf 4:1 für München erhöhte, war der Deckel schon fast auf der Partie. Doch in der letzten Minute des Drittels arbeitete Antoine Laganière die Scheibe zum Anschluss über die Linie.

Drama Baby

Die Ansprache von Tom Pokel in der zweiten Pause muss gesessen haben. War man gerade fast schon auf dem Heimweg, spielten plötzlich die Tigers wieder voll mit. Pokel kommentierte: „Im dritten Drittel haben wir alles gegeben und alles auf dem Eis gelassen.“ Doch es dauerte bis zur Mitte des Schlussabschnittes, bis Jeremy Williams seinen Treffer nach Videobeweis anerkannt bekam. Die Frage war ohnehin, was die Schiedsrichter hier überprüft haben. Die Kontrolle gab es wohl auch nur aufgrund eines nicht mal sonderlich vehementen Hinweises von Danny aus den Birken. Nachdem die Unparteiischen schon in die zweite Pause mit einem deftigen Pfeifkonzert vom Eis begleitet wurden, verstand Straubings Anhang die Welt nun endgültig nicht mehr. Die streitbaren Szenen wurden nun fast im Minutentakt mehr. Andrew Bodnarchuk lässt Bein und Schläger stehen, Jeremy Williams fällt darüber in die Bande und so kam München zu einem 3:1-Konter. Kapitän Michi Wolf vollendete zum 5:3 für München. Doch auch das war noch längst nicht der Schlusspunkt, denn in den letzten zweieinhalb Minuten fielen drei weitere Tore. Zunächst traf Stefan Loibl für Straubing, dann Trevor Parks für München ins leere Straubinger Tor. Ein blitzsauberes Tor von Kael Mouillierat wurde noch mal überprüft und erneut nachdem sich aus den Birken beschwerte. Im Stadion am Pulverturm wusste man inzwischen nicht mehr, sollte man jubeln oder die Schiris auspfeifen. Drei Sekunden vor der Sirene hätte Laganière um ein Haar sogar noch den Ausgleich gemacht, doch nun war wirklich Schluss. Trotz Niederlage meinte Pokel: „Ich bin eigentlich glücklich und zufrieden. Die Jungs haben nicht aufgegeben und haben sich zurück gekämpft.“

Wenn die Emotionen kochen

Es war alles andere als ein einfach zu leitendes Derby, mit vielen engen Situationen. Vielleicht hatten die vier Schiedsrichter auch nicht ihren besten Tag, und da gefühlt jede enge Entscheidung gegen Straubing ging, kann man so manchen Pfiff und auch die Pfeifkonzerte von den Rängen nachvollziehen. Es würde auch nicht wundern, wenn Jason Dunham und die Straubing Tigers wegen der Spielleitung bei den entsprechenden Stellen vorstellig würden. Auch Coach Tom Pokel konnte mancher Entscheidung nicht folgen: „Es gab drei Gegentore, bei denen ich dachte, wir würden in Überzahl spielen.“ So gingen aus seiner Sicht bei drei Münchner Toren, drei ungeahndete Münchner Fouls voraus. Doch was gar nicht geht, ist das Werfen von Gegenständen, vorzugsweise Bierbecher, egal ob in Straubing oder sonst wo. Leider haben diese Stadionbesucher immer noch nicht verstanden, dass sie damit weder eine Schiedsrichterentscheidung drehen, noch dem eigenen Club damit helfen. Im Gegenteil, den so etwas zieht in der Regel Geldstrafen nach sie. Schreit, schimpft und pfeift – aber gebt das Becherpfand in die Nachwuchssammelbox.

Tore: 1:0 (0:54) Stefan Loibl (Steven Seigo, Marco Pfleger), 1:1 (22:57/SH) Frank Mauer, 1:2 (28:38) Yasin Ehliz, 1:3 (28:55) Mark Voakes (Ryan Button, Andrew Bodnarchuk), 1:4 (37:06) Matt Stajan (Jakob Mayenschein), 2:4 (39:04/PP) Antoine Laganière (Steven Seigo, Stefan Loibl), 3:4 (51:05) Jeremy Williams (Max Renner, Stephan Daschner), 3:5 (56:55) Michael Wolf (Konrad Abeltshauser, Andreas Eder), 4:5 (58:31/EA) Stefan Loibl (Max Renner, Jared Aulin), 4:6 (59:07/EN) Trevor Parkes, 5:6 (59:36/EA) Kael Mouillierat (Jared Aulin, Stephan Daschner).

Schiedsrichter: Michael Klein, Andre Schrader; Linienrichter: Marcus Höfer, Tobias Schwenk.

Strafminuten: 6:7 (2:0, 4:7, 0:0) + SPD Hager.

Zuschauer: 4324.

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