Der völlig losgelöste SpitzenreiterStraubing besiegt auch München

Lesedauer: ca. 4 Minuten

Als Tabellenführer empfingen die Straubing Tigers den EHC Red Bull München zum Derby. Damit war für allerbeste Stimmung schon vor dem Spiel gesorgt und nach dem Spiel wollte wieder keiner nach Hause gehen. Das bestens besuchte Stadion am Pulverturm kochte beim 5:2 (1:0, 1:1, 3:1)-Sieg der Niederbayern, die somit immer noch vom Platz an der Sonne grüßen.

„Effektivität bestimmt das Handeln – man verlässt sich blind auf den ander‘n – jeder weiß genau, was von ihm abhängt“, so sang Peter Schilling 1982 in seinem Nummer-1-Hit „Major Tom“.  Viel davon fand man heute auch auf dem Eis. Bei einem Schussverhältnis von 40:15 für die Oberbayern legten die Niederbayern eine beeindruckende Trefferquote von 30 Prozent an den Tag. Jeder dritte Versuch landete also im Netz. Mehr Effektivität geht kaum. In der Regel sind Trainer zufrieden, wenn jeder zehnte Schuss zum Erfolg führt. „Die waren gut eingestellt“, sagt der enttäuschte Münchner Kapitän Michi Wolf und meint weiter: „Wir haben 40 Mal aufs Tor geschossen und die haben bestimmt noch 20 bis 30 Mal geblockt. Wir haben das Spiel gemacht, haben es nicht geschafft, die Tore zu schießen, und die haben uns dann ausgekontert und die Tore gemacht.“ Besonders im Schlussdrittel, nachdem Straubing das 4:1 machte, fuhren die roten Bullen zum Teil wütende Angriffe und feuerten aus jeder Position. Auch Straubings Coach Larry Mitchell findet viele lobende Worte für die Gäste: „München war sicherlich die spielbestimmende Mannschaft, die haben gezeigt, warum sie ein Topfavorit sind. Sehr lauffreudig, sehr schnell und gut an der Scheibe.“

Peter Schilling singt weiter: „Jeder ist im Stress, doch Major Tom macht einen Scherz.“ Ob es jetzt stressig war, sei dahingestellt, doch Straubings Abwehr hatte ordentlich zu tun. Zum Scherzen war jedoch keiner aufgelegt. Im Gegenteil – jeder wusste was von ihm abhängt und jeder konnte sich auf den anderen verlassen. Dazu kommt, dass man hinten einen sehr souveränen Matt Climie im Tor hatte. Er strahlte große Ruhe aus, geriet auch unter höchsten Druck nie in Hektik  und ließ nichts anbrennen. Mannschaftsintern wurde er zum „Man of the Match“ gewählt. Mitspieler Connor James sagt zu Climies Leistung: „Im ersten Drittel haben die mächtig Druck gemacht, aber Matt hat uns im Spiel gehalten und uns eine Chance gegeben. Aber da müssen wir besser werden. Wir können nicht jedes Spiel 40 Schüsse zulassen. Ich denke, jedes Spiel, in dem ein Goalie 40 Schüsse bekommt, und du gewinnst, ist er definitiv der beste Spieler.“ Der viel Gelobte meinte: „Es ist immer gut zu gewinnen. Ich hatte schon eine Menge zu tun, aber die Jungs haben sicher noch 30 Schüsse geblockt.“ Zu seiner teaminternen Auszeichnung sagt der 1,91-Meter-Torwarthüne: „Es ist immer eine Ehre, vom Team ausgezeichnet zu werden. Ich hatte eine solide Leistung, aber es ist nicht wichtig, wer am Ende die Weste bekommt oder wer die Tore macht. Wir haben als Team gewonnen.“

 „Die Erdanziehungskraft ist überwunden – alles läuft perfekt, schon seit Stunden.“ Man könnte meinen, Peter Schilling dachte bei jeder Zeile an die Straubing Tigers zu Beginn der aktuellen Saison. Straubing nutzte zwei von fünf Überzahlspielen, fuhren einen Konter, der in jedes Lehrbuch aufgenommen werden muss zum Unterzahltreffer durch Mirko Höfflin und hörten nie auf. Eishockey zu spielen. Mit der gezeigten Leistung handelten sich die Spezialisten für Über- und Unterzahlspiel ein Extralob von Larry Mitchell ein: „Sie haben das Spiel zu unseren Gunsten entschieden.“

Bei München funktionierte vor allem die Zeile: „Man verlässt sich blind auf den ander‘n“ nicht. Keine Frage, die roten Bullen haben schier unglaubliche individuelle Klasse. Das bestätigt auch Larry Mitchell: „In Erinnerung bleibt, wieviel Qualität München in ihrer Mannschaft hat.“ Doch am Miteinander hapert es noch. Sinnbild dafür war heute Abend Steve Pinizzotto, der über 60 Minuten keine Bindung zur eigenen Reihe und zum Spiel fand. Michi Wolf sagt dazu: „Ich denke, das Problem haben die anderen Mannschaften auch noch. Wir haben viele neue Spieler, wie andere auch. Ich denke, es läuft bei keinem noch perfekt.“

Münchens Cheftrainer Don Jackson stellte fest: „Straubing hat ein sehr schlaues Spiel gespielt. Sie haben vor unserem Tor die richtigen Dinge gemacht. Wir haben defensiv nicht gut genug gespielt.“ Larry Mitchell sagt: „Das war eine große Herausforderung für uns. Das macht mich noch mehr stolz und gleichzeitig glücklich, dass wir in der Lage waren, gegen so eine starke Mannschaft die drei Punkte zu holen. Wie Don sagt, wir haben schlau und clever gespielt. Um das Spiel zu gewinnen, braucht man auch Tore. Unsere Chancenverwertung war heute sehr, sehr gut.“

„Völlig losgelöst – von der Erde – schwebt das Raumschiff – völlig schwerelos.“ Nach der schlimmen letzten Saison sind zurzeit vor allem Straubings Fans völlig losgelöst und verwandeln das „Raumschiff“ am Pulverturm in ein wahres Tollhaus.

Tore: 1:0 (12.) Dylan Yeo (Ryan Bayda, Mirko Höfflin), 2:0 (22.) Mirko Höfflin (Sebastian Osterloh, Mike Connolly), 2:1 (32.EA) Jason Jaffray (Dominik Kahun, Mads Christensen), 3:1 (42.PP) Ryan Bayda (Maury Edwards, Sean O`Connor), 4:1 (49.SH) Mirko Höfflin (Connor James, Maury Edwards), 4:2 (50.) Joachim Ramoser (Dominik Kahun), 5:2 (59.PP) Ryan Bayda (Sean O`Connor, Mike Connolly).

Schiedsrichter: Marcus Brill, Markus Krawinkel; Linienrichter: Lukas Kohlmüller, Pascal Kretschmer.

Strafen: Straubing 10, München 10.

Zuschauer: 5.140.

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