Der Frosch im heißen Wasser: Warum der Auf- und Abstieg her mussKommentar zu den Verhandlungen von DEL und DEL2

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Es handelt sich um den dritten und finalen Anlauf, der in der ursprünglichen Vereinbarung  der beiden Ligen zur Wiedereinführung von Auf- und Abstieg vorgesehen war. Geht das schief, war’s das erst einmal! Geht das schief, dann rennt die DEL sehenden Auges in einen – verdienten – Shitstorm. Man muss wohl davon ausgehen, dass sie die negativen Reaktionen bereits einkalkuliert hat.

Aber eines vorweg, liebe Fans! Ihr seid sauer auf die DEL, wenn es keine Einigung geben sollte? Zu Recht! Aber das Ziel des Ärgers sollte nicht reflexartig Gernot Tripcke sein. Der DEL-Geschäftsführer muss letztlich das vertreten, was die Gesellschafter der Liga entscheiden. Und wer sind die Gesellschafter? Die 14 Clubs! Also seid in diesem Fall sauer auf Eure Clubs! Fragt die dortigen Verantwortlichen, was sie sich dabei denken. Dort trifft der Ärger auch die wirklichen Entscheidungsträger.

Es ist keinesfalls falsch, wenn die DEL gewisse wirtschaftliche Grundbedingungen erfüllt sehen will. Doch was die Öffentlichkeit derart gegen die Liga aufbringt, ist der Umstand, dass es nach außen hin so wirkt, als würde sich die „DEL1“ in keinem Maße positiv und aktiv an der Wiedereinführung beteiligen, keinen positiven Diskurs über die Zukunft der deutschen Eishockey-Ligen führen wollen. Es wirkt so, als hätte sie damals zwar ja zu Auf- und Abstieg gesagt – dann aber derart hohe Barrikaden aufgetürmt, dass es den Zweitligisten nicht möglich war, diese zu überspringen. Erst jetzt gibt es Vermittlungsgespräche – den DEB, der die Aufstiegsfrage positiv unterstützt, hätte man auch früher einschalten können.

Und mal ganz ehrlich, liebe DEL: Wolltet Ihr den Auf- und Abstieg, wäre es egal, dass die DEL2 vielleicht nur knapp die im Vertragswerk vorgesehenen Hürden gerissen hätte, dass vielleicht 80 oder 85 Prozent der Bedingungen erfüllt wären. Was würde die Gesellschafter, was würde die Clubs daran hindern zu sagen: Okay, wir wagen es. Dazu gehört Mut. Und Mut gehört zum Sport. Vielleicht bringt der DEB die DEL nun zu dieser Einsicht.

Was es in jedem Fall – wie in jeder anderen Sportart – geben muss, ist ein Lizenzierungsverfahren für den sportlichen Aufsteiger. So etwas kann scheitern – oder mit Auflagen für das erste Jahr verbunden werden. Sollte Holstein Kiel in die 1. Fußball-Bundesliga aufsteigen, gäbe es für das dortige Stadion wohl nur eine Ausnahmegenehmigung. Der Unterschied zum Eishockey ist aber: Es würde sie geben. Dem Club würde die Chance eingeräumt, den sportlichen Erfolg auch wirtschaftlich zu untermauern. Dem Club werden Perspektiven aufgezeigt. Und wer weiß, wie sich ein solcher Club entwickeln würde.

Denn dieser Möglichkeit – für den Club, für die Liga, für die gesamte Sportart – beraubt sich die DEL selbst, indem sie den Auf- und Abstieg blockiert.

Und zu behaupten, Auf- und Abstieg gäbe es auch in anderen Ligen nur auf dem Papier, ist eine Farce. Natürlich werden die Vorgaben im Profisport immer größer. Aber es gibt den Auf- und Abstieg. Das kann man sich nicht „schönreden“. Ebenso wenig wie sinkende Zuschauerzahlen. Auch nach einem erneuten Scheitern würden die Zuschauerzahlen nicht abrupt massiv einbrechen. Aber es ist wie der Frosch im heißen Wasser: Vielleicht merkt man nach einigen Jahren erst viel zu spät, dass das Wasser bereits kocht – dass man Menschen, dass man Kunden, dass man Fans verloren hat.

Aber was ist nun die Perspektive, sehr geehrte Nein-Sager aus der DEL?

Natürlich ist es ein eishockey-typisch verqueres Konstrukt, dass es zwei Ligagesellschaften gibt. Im Fußball ist die DFL für die 1. und die 2. Bundesliga zuständig. Eine einheitliche Struktur würde vielleicht helfen, auch die Unverständnisse der beiden Eishockey-Ligen zueinander auszuräumen. Nur die Quintessenz darf kein Weiter-so sein. Kein: Wir bleiben bei der geschlossenen DEL1. Kein: Wir verschieben die „Aufstiegssperre“ einfach von der 2. zur 3. Liga. Denn der Auf- und Abstieg zwischen der DEL2 und der Oberliga funktioniert. Und das nicht nur auf dem Papier.

Was von der DEL nun gefordert werden muss, ist die Antwort auf die Frage: Was wollt Ihr positiv – nachdem Ihr negativ den aktuellen Vorschlag abgelehnt habt? Und das Ziel der Frage muss der durchgängige Auf- und Abstieg von den Landesverbänden bis in die DEL sein. Wie wollt Ihr es bewerkstelligen? Was muss dafür geleistet werden?

Und Ihr Fans: Fragt das die Verantwortlichen! Und vergesst dabei nicht, dass die letztlich Verantwortlichen nicht in der Ligazentrale in Neuss sitzen. Sondern in München, Berlin, Nürnberg, Mannheim, Ingolstadt, Köln, Wolfsburg, Iserlohn, Bremerhaven, Schwenningen, Düsseldorf, Augsburg, Straubing und Krefeld.

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