Der ERC Ingolstadt vor dem Umbruch?Nach vorzeitigem Saisonende der DEL

Ob sie nochmal so jubeln können? Derzeit sind aus dieser Jubeltraube nur Simon Schütz und Wayne Simpson (1. v. l. und 4. v. l.) als Panther-Spieler für die neue Saison bestätigt. (Verwendung weltweit ! Bitte Mindestpreis beachten.)Ob sie nochmal so jubeln können? Derzeit sind aus dieser Jubeltraube nur Simon Schütz und Wayne Simpson (1. v. l. und 4. v. l.) als Panther-Spieler für die neue Saison bestätigt. (Verwendung weltweit ! Bitte Mindestpreis beachten.)
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„Frag Larry“, antwortete ERCI-Coach Doug Shedden nach dem letzten Hauptrunden- und Saisonspiel gegen Wolfsburg ungewohnt knapp auf die Frage nach seinem Verbleib in Ingolstadt in der kommenden Saison. Und auf die Nachfrage, ob er denn bleiben wolle, sagte er ebenso kurz angebunden: „Sicher, warum nicht?!“ Natürlich wird man zu diesen Fragen kaum verlässliche Antworten bekommen, solange nichts definitiv entschieden ist. Erfahrungsgemäß deuten „Kein Kommentar“-Antworten eher auf Abschied hin. Es ist aber zu hören, dass Shedden Headcoach der Panther bleiben soll.

Sheddens Bilanz liest sich gut: Die Saison 2017/2018 rettete er nach der Trennung von Tommy Samuelsson, indem er die Mannschaft ins Viertelfinale gegen Mannheim führte. Im Vorjahr unterlagen die Panther knapp in sieben Spielen gegen die Kölner Haie. Dieses Jahr wären es „nur“ die Pre-Play Offs gewesen, und bei einem Erfolg gegen Augsburg hätte es wieder das Duell mit den Kurpfälzern gegeben. Wenn man ein Haar in der Suppe finden wollte, sind es vielleicht die Schwächephasen, die sich das Team - etwa nach grandiosem Beginn der Saison 2018/2019, aber auch in der Spätphase der abgelaufenen Hauptrunde - immer wieder gegönnt hat. Insbesondere in der Vorsaison war es ein durchaus tiefes Tal, das die Mannschaft durchqueren musste, ehe sie sich wieder fing.

Zwei wichtige Spieler auf dem Weg nach Köln?

Ein echtes Tal der Tränen durchwanderten in der ohne Titelträger vorzeitig beendeten Saison die Kölner Haie mit ihren 17 Niederlagen in Folge. Das möchten sie in der kommenden Spielzeit offenbar in jedem Fall verhindern – und sich dafür mit einem, vielleicht sogar zwei Schlüsselspielern der Panther verstärken. Der Abschied von der Donau an den Rhein von Top-Verteidiger Maury Edwards ist bereits beschlossene Sache („wechselt zu einem anderen Club“), auch Stürmer Mike Collins sollen die Haie als mögliche Beute für die kommende Saison ausgemacht haben. Seine Zukunft ist laut der offiziellen Meldung der Panther noch offen.

Keine Zukunft in Ingolstadt hat indes Petr Taticek, der seinen laufenden Vertrag „aussaß“, aber stets bereitstand, wenn er gebraucht wurde, und solide als Verteidiger agierte. Auch bei Darin Olver wurde nun bestätigt, dass dies seine letzte Saison auf der Schanz war. Matt Bailey konnte in seinem ersten Jahr wenig Akzente setzen, ebenso wie die nachverpflichteten Brett Findlay – beide werden den Club verlassen – und Steven Seigo. Für einen Verbleib Seigos spricht, dass er derzeit der einzige Rechtsschütze in der Panther-Defensive wäre. Als junger, pfeilschneller Spieler hat der ebenfalls erst im Laufe der Saison gekommene Wojcech Stachowiak einen durchaus positiven Eindruck hinterlassen – ein Wiedersehen im Sommer ist Dank einer Option des ERC Ingolstadt durchaus möglich.

Was wird aus der „Olson-Bande“?

Auch Brandon Mashinter wusste zu überzeugen, nicht nur als Tough Guy, sondern immer wieder auch mit wichtigen Toren in der Zone des Eises, wo es bisweilen schmerzhaft wird für den Angreifer. Dennoch wollte auch er sich auf Nachfrage nicht äußern zu seiner Zukunft – es sieht wohl so aus, als würde „Mash“ nächste Saison woanders für Ordnung sorgen.

Ebenfalls noch nicht fixiert ist die Zukunft von Kris Foucault. Der Stürmer überzeugte als starker Schütze und enorm trickreicher Angreifer. Gut möglich also, dass er auch im nächsten Jahr wieder für die Oberbayern wirbelt.

Interessant könnte die Personalie Sean Sullivan werden. Er besitzt noch einen laufenden Vertrag, aber vielleicht kommt hier noch Bewegung rein: Seine Rolle war zuletzt trotz seiner ersten beiden Saisontore am letzten DEL-Wochenende etwas defensiver ausgerichtet, aber eine Bilanz von -19 liest sich bei 16 Scorerpunkten nicht wirklich gut für einen "Stay at Home"-Verteidiger.

Die „Olson-Bande“ – die Reihe mit DEL-Topscorer Wayne Simpson, dem womöglich wechselnden Mike Collins und Brett Olson – wird wahrscheinlich im nächsten Jahr so nicht mehr auflaufen. Bislang ist nur Wayne Simpson für die neue Saison bestätigt. Brett Olson als Arbeitsbiene und effektiver Bullyspieler hat seinen Wert für das Team gezeigt und könnte gute Chancen auf ein weiteres Jahr in Oberbayern haben – die Verlängerung seines Vertrages ist aber noch nicht vermeldet.

Der Kapitän geht von Bord – mit „Joker“ wird noch verhandelt

Spannend ist auch die Personalie Jochen Reimer: Sein Wert für das Team – immerhin hat er bis zu seiner Verletzung am letzten DEL-Wochenende als Nummer 1 im Panther-Tor für die Play Offs festgespielt – steht außer Frage, dennoch scheint sich die Verlängerung seines Vertrages hinzuziehen. Einigt man sich nicht mit „Joker“, wäre auch in der Torwartfrage Handlungsbedarf geboten: DNL-Goalie Jonas Stettmer hat zwar seine Feuerprobe gegen Wolfsburg bestanden, wird aber noch ein bisschen brauchen, um den Sprung in die DEL zu schaffen.

Bei Stürmer Jerry d’Amigo wird man wohl abwarten müssen, wie seine Verletzung verheilt. Sein erstes Jahr war vielversprechend auch diese Saison lief gut für den US-Amerikaner, bis er sich in seinem 100. DEL-Spiel Ende Januar verletzte. Nicht mehr zum Panther-Kader wird dagegen Dustin Friesen zählen. Acht Punkte und ein Wert von -11 stehen für den 37jährigen Deutsch-Kanadier zu Buche, der nach der Meisterschaft 2014 nach Ingolstadt wechselte. Ebenfalls nicht so richtig überzeugend – insofern muss der Kapitän von Bord gehen.

Mögliche Neuzugänge: Mitchell und Mitchell – Spink und Spink

Mindestens so interessant ist die Suche nach möglichen Neuverpflichtungen der Schanzer. Wie zu hören ist, soll es Sportdirektor Larry Mitchell gelungen sein, Mitchell Heard aus Straubing nach Ingolstadt zu locken. Der rege Austausch von Spielern zwischen beiden Mannschaften geht also weiter – und wer weiß, vielleicht schließt sich ja noch ein Spieler aus dem Panther-Kader den Niederbayern an.

Zudem sollen die Oberbayern an drei Kanadiern dran sein, die derzeit in Finnland aktiv sind: Das ist zum einen Tyler Morley vom Tabellenzweiten der finnischen Top-Liga, Tappara Tampere. Der 29jährige Kanadier, der wie Noch-Panther Darin Olver und Entertainer Michael Bublé aus Burnaby im Großraum Vancouver stammt, produzierte in dieser Spielzeit einen Punkt pro Spiel und steht bei einem Wert von +19. Zudem heißt es, dass der Meister von 2014 um die Dienste zweier Zwillingsbrüder buhlt: Tyler und Tyson Spink, die für Ässat Pori wirbeln und die beiden Spitzenplätze in der teaminternen Scorerliste einnehmen. Während Tyson auf beiden Flügeln agieren kann, spielt Tyler auf der Center-Position. Die beiden Stürmer Samuel Soramies (Mannheim) und Justin Feser (Bremerhaven) sind bereits als Neuzugänge für die kommende Spielzeit bestätigt.

Der Kader des ERC Ingolstadt nach heutigem Stand:

Tor: Timo Pielmeier

Abwehr: Colton Jobke, Garrett Pruden, Simon Schütz, Sean Sullivan, Fabio Wagner

Sturm: Hans Detsch, David Elsner, Mirko Höfflin, Wayne Simpson, Tim Wohlgemuth – Justin Feser, Samuel Soramies