DEL: Vorschau Viertelfinale - Lockout prägt Playoffs

DEL: Eisbären bleiben spitze - Ingolstadt gewinnt in MannheimDEL: Eisbären bleiben spitze - Ingolstadt gewinnt in Mannheim
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Keine andere DEL-Spielzeit war in der

Vergangenheit dermaßen von der NHL geprägt wie die Saison 2004/05. Durch das

monatelange Hin und Her in Nordamerika hat sich die DEL rein sportlich

betrachtet in der abgelaufenen Spielzeit mehr denn je zu einer absoluten

Top-Liga entwickelt - dank der ausgefallenen NHL-Saison. Allein 14 Spieler, die

den Weg in die alte Welt ohne eine sich anbahnende Aussperrung in der NHL sicher

nicht gefunden hätten, stehen bei den verbliebenen acht Playoff-Teams unter

Vertrag. Kurioserweise greifen 13 dieser Spieler für vier Teams zum Schläger,

während die anderen vier Teams nur einen einzigen sogenannten Lockout-Spieler

in den eigenen Reihen haben.


Schon vor der Saison galt das Augenmerk einiger Klubs, den sich schon seit

einiger Zeit abzeichnenden Lockout gnadenlos auszunutzen, während andere Teams

ganz bewusst auf eine stabile Mannschaft ohne NHL-Stars setzten. Freilich war

das Zittern bei einigen Klub-Managern groß, als sich im Februar doch noch eine

Einigung zwischen der NHL und der Spielergewerkschaft anbahnte. Vor allem Teams

wie Mannheim und Ingolstadt wären plötzlich von Meisterschaftsfavoriten zu

dezimierten Außenseitern degradiert worden. Aber es kam anders, und der Lockout

bestimmt nun auch die Playoffs der Deutschen Eishockey Liga. Dass dabei einige

Experten von Wettbewerbsverzerrung und einem Schlag ins Gesicht für deutsche

Spieler sprechen, ist nachvollziehbar, ändert aber nichts an der Tatsache, dass

Frankfurt, Mannheim, Ingolstadt und Berlin nun zu den Topfavoriten

gehören.


Zwar hat in der Vergangenheit nicht immer die Mannschaft mit der größten

NHL-Erfahrung auch die Meisterschaft gewonnen, aber die insgesamt 3053

NHL-Spiele von 14 Akteuren der Mannheimer Adler sind in der DEL wohl unerreicht

und reichen aus, um die Kurpfälzer trotz einer mäßigen Vorrunde als Favorit

auf den Titel zu sehen. Aber auch die Frankfurt Lions mit den überragenden Doug

Weight und Stephane Robidas werden überall sehr hoch gehandelt. Gleiches gilt

für die Eisbären Berlin und den ERC Ingolstadt, die ebenso eine ganze Reihe

hochkarätiger NHL-Stars aufs glatte Playoff-Parkett schicken können.


Auf jeden Fall wird es interessant sein, wie sich diese vier mit NHL-Spielern

gespickten Teams im Playoff-Viertelfinale gegen die Außenseiter Hamburg,

Augsburg, Nürnberg und Köln schlagen werden. Im Sinne des Sports wäre es

sicher schön, wenn nicht allein die Lockout-Politik die Meisterschaft

entscheiden würde, aber daran glauben wir nicht.


Hockeyweb-Playoffvorschau 2005:



Frankfurt Lions (1.) – Hamburg Freezers

(8.)

Tor:

Ian Gordon hat in der

letzten Saison, als die Lions Meister wurden, bewiesen, ein bärenstarker Goalie

zu sein.


Hamburg ist mit Boris Rousson und Jean-Sebastien Giguere, dem NHL-Playoff MVP

des Jahres 2003, das wohl am besten besetzte Team der Liga auf dieser Position.

Aber: Rousson zeigte sich wenig begeistert über die späte Verpflichtung des

Ausnahmetorhüters von den Anaheim Mighty Ducks. Zudem war der Wahlkalifornier

Giguere zuletzt angeschlagen und konnte sich daher noch nicht in vergleichbare

Form wie vor knapp zwei Jahren spielen.

Abwehr:

Robidas, Bouchard und Ratchuk – diese drei Namen stehen für geballtes

Offensivvermögen von der blauen Linie. Auch defensiv stehen die Hessen

hervorragend. Nicht zuletzt dank der physisch starken Deutschen Klenner und

Bresagk sowie dem Schweden Magnusson.


Bei den Norddeutschen sind allenfalls Peacock und Van Impe gefährliche

Powerplay-Optionen. Es fehlt es in der Breite an spielstarken Verteidigern.

Angriff:

Das Team von Coach Rich Chernomaz stellt den besten Angriff der Liga. Die

Topreihe Lebeau, Norris und Young erhält durch Beaucage und vor allem

Neuverpflichtung Weight starke Unterstützung. Zwar ist der Ausfall von Hackert

(Schien- und Wadenbeinbruch) schmerzlich. Dennoch sind die Lions stark genug,

dies ohne größere Probleme zu kompensieren – auch weil Center Reichel nach

Sperre wieder mitwirken kann.


Wie in allen Mannschaftsteilen wurden die Freezers vor allem auch in der

Offensivabteilung stark vom Verletzungspech gebeutelt. Lediglich die Neuzugänge

Johnson und Reid, mit Abstrichen auch der Deutsch-Pole Plachta, konnten voll überzeugen.

Zudem gipfelte die schlechte Stimmung unter Trainer Dave King im vorzeitigen

Abschied von Center Jim Dowd, einem bekannt starken Endrundenspieler.

Lockout-Spieler:

Stephane Robidas (Chicago) war defensiv wie offensiv einer der konstantesten und

besten Verteidiger der gesamten DEL. Mit Doug Weight (St. Louis) haben die „Löwen“

nicht nur den in Insiderkreisen als vielleicht besten Vorlagengeben der Welt

angesehenen Spieler verpflichtet. Der Center ist vor allen Dingen eine zusätzliche

und mindestens gleichwertige Scoring-Gefahr zum Topscorer der DEL, Patrick

Lebeau.


Jean-Sebastien Giguere ist zusammen mit Olaf Kölzig namentlich sicher

der bekannteste Torhüter in der Deutschen Eishockey Liga. Eine Verletzung ließ

ihn jedoch bislang für die Freezers nicht zu der gewünschten entscheidenden

Verstärkung werden.

Tipp:

Die Lions werden von den Freezers nicht zu stoppen sein. Das Goalie-Gespann des

Teams von Mike Schmidt ist zweifellos ein Prunkstück, das in der DEL-Geschichte

seines Gleichen sucht. Aber nur bei absoluter Topform wären die großen

Vorteile der Frankfurter gerade in der Offensive auszugleichen. Daher wird der

Meister nicht mehr als ein Spiel an die Hanseaten abgeben und die Serie souverän

gewinnen.




Eisbären Berlin (2.) – Augsburger Panther (7.)

Tor:

Mit Olaf Kölzig steht ein Weltklasse-Torhüter im Tor der Hauptstädter, der

bei seinem Gastspiel in der DEL bislang voll überzeugen konnte. Oliver Jonas

als Edel-Backup komplettiert das „bären“starke Goalie-Duo.


Bei den Schwaben machte Jean-Francois Labbé die Formschwankungen seines

Teams in der Saison nur teilweise mit. Denn der Frankokanadier war mit starken

Leistungen mit dafür verantwortlich, dass der Rückstand auf einen

Playoff-Platz nie zu groß wurde. Am Ende war Labbé zudem ein Hauptgarant im

beeindruckenden Schlussspurt der Panther auf Tabellenrang sieben.

Abwehr:

Die Defensive ist vielleicht die einzige Achillesferse bei den Berlinern. Von

den hochgehandelten Neuzugängen Derrick Walser und Shawn Heins hatte man sich

in Hohenschönhausen mehr erwartet als nur viele Strafzeiten und ab und an mal

einen Scorerpunkt, auch wenn sich beide im Saisonverlauf steigerten. Ricard

Perssons Karriereende rückt spürbar näher und mit Nationalspieler Rob Leask fällt

ein wichtiger Spieler womöglich bis zum Saisonende aus. Zumindest die

Vorleistungen von Micki Dupont und NHL-Import Nathan Dempsey versprechen

konstant gute Leistungen in Defensive wie Offensive.


Auch beim AEV zählt die Abwehr, die mit 154 Gegentreffer die meisten

aller Playoff-Teilnehmer zuließ, zu den Schwachpunkten. Offensiv sorgen Oldie

John Miner und der während der Saison akquirierte Rich Brennan, der sofort zu

einem Schlüsselspieler avancierte, für Torgefahr im Powerplay. Im

Abwehrverhalten offenbarte die Defensivabteilung aber gerade gegen schnelle und

technisch starke Gegner, wie es sie zahlreich im Eisbären-Kader gibt,

erhebliche Probleme.

Angriff:

Der Sturm ist das Prunkstück der Pagé-Schützlinge. Ausgeglichen besetzt,

stechen nur Kapitän und Topscorer Steve Walker mit 46 Punkten sowie Denis

Pederson mit den meisten erzielten Treffern (19) aus dem starken

Angriffskollektiv hervor. Mit hohem Tempo und technisch versiertem Spiel üben

die Eisbären meist über die vollen 60 Minuten viel Druck auf ihre Gegner aus.


Die Panther haben einen ordentlich besetzten Angriff. Trotz zahlreicher

personeller Veränderungen unmittelbar vor und auch Problemen mit Verletzungen während

der Saison, gelang es Head Coach Benoit Laporte, den AEV-Sturm mit 150 erzielten

Toren zum ligaweit fünftbesten zu machen. Vor allem von Francois Methot, Shawn

Carter, Francois Fortier und Ronny Arendt geht im gegnerischen Angriffsdrittel

ständig Gefahr aus.


Lockout-Spieler:

Nationalkeeper Olaf Kölzigs Erfahrung aus 544 regulären Saison- und 39

Playoff-Spielen für Washington in der NHL spricht für sich. 1999-2000 gewann

er die Vezina Trophy für den NHL-Torhüter mit den wenigsten zugelassen

Gegentreffern. Verteidiger Dempsey vom „großen Anschütz-Bruderteam“ Los

Angeles Kings steht für solides Defensivspiel und überdurchschnittliche

Blueliner-Fähigkeiten. Erik Cole, offiziell mit Vertrag für die komplette

Saison ausgestattet, aber noch mit Kontrakt in Carolina, hatte zu Beginn der

Saison Umstellungsprobleme. Gerade in der Endrunde könnte der physisch starke

Außenstürmer aber zu einem entscheidenden Faktor werden.


Wie Köln und Nürnberg haben die Augsburger keine Lockout-Profis unter

Vertrag genommen.

Tipp:

Die Eisbären sind der klare Favorit. Drei Lockout-Spieler stehen deren Null auf

Seiten der Panther gegenüber. Das Team von Pierre Pagé wird die Lücken in der

Augsburger Hintermannschaft mit druckvollem Offensivspiel ausnutzen und in

maximal sechs Spielen ohne große Probleme ins Halbfinale einziehen. Nur wenn

die Euphorie über den Playoff-Einzug – der zum Jahreswechsel schon

abgeschrieben schien – das Team von Benoit Laporte zu außergewöhnlichen

Leistungen stimulieren kann, ist vielleicht mehr möglich.

Nürnberg Ice Tigers (3.) - Adler Mannheim (6.)


Tor:

Neben Hamburg verfügen die Mannheimer Adler wohl über das beste

Torhüter-Duo der Liga. Neben dem anfangs verletzten Steve Passmore gelang

Manager Marcus Kuhl der Geniestreich Christobal Huet von den Los Angeles Kings

zu verpflichten. Der 29-jährige Franzose avancierte sofort zu einem der besten

Goalies in der DEL und verfügt auch über ausreichend Playoff-Erfahrung durch

seine vier Jahre in Lugano. Dazu steht mit Passmore ein Mann zur Verfügung, der

ebenfalls auf reichlich Erfahrung - auch in der NHL - zurückblicken kann.

Dem können die Nürnberger nur eine Wundertüte entgegensetzen. Bei Adam

Svoboda ist alles möglich, wie der Verlauf der bisherigen gezeigt hat. Von

Weltklasse bis Durchschnitt reichte die Palette seiner Leistungen. Viel wird

davon abhängen wie konstant der Tscheche sich präsentieren wird. Dass er das

Potenzial hat, die Ice Tigers auch in den Playoffs weit zu führen, steht außer

Frage. Als zweiter Mann steht der gänzlich unerfahrene Lukas Lang -

18-jähriger Sohn der Krefelder Torwart-Legende Karel Lang - zur Verfügung. Zur

Sicherheit wird daher noch Kay Whitmore am nächsten Wochenende nach Nürnberg

kommen. Der 37-jährige ist allerdings seit drei Jahren inaktiv und fungiert

derzeit als Torwarttrainer in einer kanadischen Juniorenliga.


Abwehr:

Zu wenig kam im Verlauf der bisherigen Saison von den Verteidigern der

Adler. Insgesamt nur acht Powerplaytreffer erzielten die hochgelobten Blueliner

in den 52 Vorrundenspielern. Auch Andy Delmore konnte seinen Vorschusslorbeeren

nicht gerecht werden. Zwar ist die Defensivabteilung der Adler sehr erfahren,

aber es fehlt ein richtiger Leader, der sowohl defensiv als auch offensiv

Akzente setzen kann. Auch der nachverpflichtete Tremblay blieb diesen Beweis

bisher noch schuldig. Vor allem die NHL-erfahrenen Butenschön und Joseph

konnten die Erwartungen nicht erfüllen und standen oftmals im Mittelpunkt

der Kritik.

Einen richtigen Leader können die Ice Tigers aufbieten. Mit Pascal Trepanier

gelang Manager Otto Sykora ein wahrer Transfercoup. Der im vergangenen Jahr noch

mit einer verheerenden Plus/Minus-Bilanz ausgestattete Franko-Kanadier wurde in

seinem ersten DEL-Jahr gleich zu einem Superstar. Mit seinen 15 Toren und 39

Assists scorte er sogar mehr als jeder Stürmer der Adler. Vor allem auch im

Powerplay - zusammen mit seinem Partner Lasse Kopitz erzielte er 16

Überzahltreffer - wird seine Ruhe und Spielübersicht immer wieder deutlich.

Oldie Sekeras gilt als Mann mit starken Nerven und sollte zusammen mit Schauer

in der Lage sein, die erste Reihe zu entlasten.

Angriff:

Hier gilt es vor allem einen Namen zu nennen: Jochen Hecht führte die Adler

konstant durch die Saison. In seiner Heimatstadt ließ sich der 27-jährige

Buffalo-Stürmer nie hängen und zeigte im Gegensatz zu manch einem seiner

Kollegen stets eine vorbildliche Einstellung. Zudem wurde Hecht Topscorer der

Adler. Aber auch die "alten" Adler Edgerton und Corbet wussten wie in

der Vergangenhit zu gefallen. Problematischer sieht es dagegen mit den

undisziplinierten Neuzugängen Kelly, Healey und Tripp aus, die allesamt ihr

erhofftes Potenzial nie konstant zeigten und zu oft auf der Strafbank saßen. Ob

dieses Trio den Schalter in den Playoffs umlegen kann, wird sich zeigen müssen.

Ein wenig Pech hatten die Adler mit der Verpflichtung von Thomas Greilinger. Der

Jungstar mit großem Talent kam im Tausch gegen Tomas Martinec vor der Saison

aus Nürnberg, war aber zu oft verletzt und vor allem nie richtig fit.

Mit 188 Treffern gelangen den Ice Tigers sogar noch neun Tore mehr als im

Vorjahr. Eigentlich ohne den ganz großen Star im Angriff, erzielten die

Nürnberger durch ein starkes Kollektiv zum zweiten Mal in Folge die

zweitmeisten Tore in der Vorrunde. Überraschend zum Topscorer wurde dabei Yan

Stastny, der mit seinen 22 Jahren vor dem Sprung in die NHL steht. Aber auch

Tapper, Vasiljevs und Fical zeigten mehr als man eigentlich von ihnen erwartet

hatte. Zudem waren die Nürnberger Stürmer mit 67 Überzahltoren auch mit einem

Mann mehr sehr erfolgreich. Greg Poss kann drei ausgeglichene und

torgefährliche Reihen ins Rennen schicken, die sich in punkto Technik und

Schnelligkeit hinter niemand verstecken brauchen, aber desöfteren Probleme mit

physisch starken Gegnern hatten.

Lockout-Spieler:

Wie bereits erwähnt waren Jochen Hecht und Christobal Huet absolute

Leitfiguren in einer für den Anspruch in Mannheim bescheidenen Vorrunde.

Enttäuschend war dagegen der Auftritt von Sven Butenschön, der wohl auf der

kleinen nordamerikanischen Eisfläche besser aufgehoben ist. Yannick Tremblay -

fast 400 NHL-Spiele für Toronto und Atlanta - hat erst 14 Spiele für die Adler

bestritten. Gerade in den Playoffs sind diese Spieler aber sicher in der Lage

noch eine Schippe draufzulegen und zu beweisen, warum sie in der besten Liga der

Welt unter Vertrag sind.

Nürnberg verzichtete schon von Beginn der Saison an auf Lockout-Spieler. An der

Deadline konnte aus finanziellen Gründen nicht mehr nachgelegt werden.


Tipp:

Auch wenn in Mannheim derzeit kaum jemand daran glaubt, aber allein aufgrund

der Namen und der NHL-Erfahrung gelten die Adler als Favorit. Zwar war man in

dieser Saison im Friedrichspark nur selten zufrieden, aber der Truppe von

Stephane Richer ist eine deutliche Leistungssteigerung zuzutrauen. "Namen

machen noch keine Mannschaft", setzt Nürnbergs Trainer Greg Poss dagegen

und verweist mit Recht auf die tolle Kameradschaft in seiner Truppe, die zudem

das jüngste, aber wohl auch unerfahrenste Team der Liga stellt. Raufen sich die

Adler zusammen und zeigen ihr ganzes Potenzial, winkt das Halbfinale. Sollte

sich die Vorrundenstimmung fortsetzen und einige Spieler schon auf gepackten

Koffern sitzen, geht die Serie an die Ice Tigers, die seit 1999 nicht mehr im

Halbfinale standen. Mitentscheidend könnten in diesem Duell die

Schiedsrichterleistungen werden, da die "special teams" der Ice Tigers

bisher sehr effektiv agierten, während die Adler vor allem in Überzahl nur

durchschnittlich waren.


Kölner Haie (4.) - ERC Ingolstadt (5.)

Tor:

Wie fit ist Jimmy Waite? Die Antwort dieser Frage dürfte mitentscheidend

für das Playoff-Abschneiden der Ingolstädter sein. Zwar spielt der Topkeeper

nach seiner Knieoperation seit zwei Wochen wieder, aber niemand weiß, ob und

wann Waite wieder zu der Form findet, die im letzten Jahr vor allem die

Nürnberg Ice Tigers im Viertelfinale verzweifeln ließ. Umso überraschender

war es als Manager Stefan Wagner am Transferende keinen weiteren erfahrenen

Keeper verpflichtete. Mit Karg, Vollmer und Hipke stehen zwar talentierte junge

deutsche Back-ups zur Verfügung, die ihre Stärken schon gezeigt haben, aber

trotzdem mit einer ganzen Playoff-Runde sicher überfordert wären.

In Köln steht und fällt die Saison mit Chris Rogles. Der 36-jährige

Amerikaner erlebt derzeit seinen x-ten Frühling und zeigte während der Saison

konstant gute Leistungen. Als etwas leistungshemmend könnte sich auswirken,

dass derzeit noch nicht geklärt ist, ob er in Köln einen neuen Vertrag

erhält. Seine größte Schwäche ist das Penaltyschießen, nur selten konnte

Rogles hier gewinnen. Dabei wurde er auch einige Male durch Back-up Thomas

Greiss ersetzt.


Abwehr:

Auch hier ist die Schwere einer Verletzung derzeit das wichtigste Thema in

Ingolstadt. Topscorer und Superstar Jakub Ficenec laboriert an einer

Handverletzung, wobei niemand weiß, wie schwer diese wirklich ist. In den

letzten Saisonspielen konnte der Tscheche jedenfalls nicht eingesetzt werden.

Der Rest der Panther-Defensivabteilung agierte bisher weitaus weniger auffällig

als Ficenec. Neuzugang Chris Armstrong blieb hinter den Erwartungen zurück, die

man nach seinem letzten DEL-Gastspiel an ihn hatte. Dennoch ist vor allem

defensiv betrachtet die Abwehr - gestützt auf einen gesunden Waite - eine der

Stärken der Oberbayern. Dazu kam im Februar noch Aaron Ward, der mit der

Erfahrung aus über 500 NHL-Spielen, noch weiter zur Stabilisierung beitragen

wird und auch Ficenec ein wenig entlasten kann. Mit Sutton, Burym und v.

Stefenelli stehen außerdem weitere solide Defensivarbeiter zur

Verfügung.

In Köln heißt der Mann der Saison Stephane Julien. Der Ex-Ingolstädter

avancierte in seiner ersten Saison für die Haie zum Powerplay-Monster. 15

seiner 18 Treffer erzielte er bei personeller Überlegenheit. Vor allem nach dem

Kreuzbandriss von Brad Schlegel übernahm Julien Verantwortung und war ein

wichtiger Faktor für die Haie. Da Schlegel sich direkt nach seinem Comeback

wieder am Knie verletzte, kommt auch in den Playoffs auf Julien viel Eiszeit zu.

Trotzdem hofft man in Köln, dass Schlegel in dieser Saison noch einmal zum

Schläger greifen kann. Mit Mirko Lüdemann haben die Haie aber noch einen

Verteidiger in den eigenen Reihen, der ein Spiel entscheiden kann, was er in der

Vergangenheit schon öfter bewiesen hat. Coleman, Björnlie, Renz und Traynor

gehören mehr in die Kategorie Arbeiter. Schon fast traditionell kassierten die

Haie die wenigsten Gegentreffer der Liga, ein Verdienst des stets defensiv

ausgerichteten Spielsystems von Hans Zach.


Angriff:

Marco Sturm und Andy McDonald hießen in dieser Saison immer wieder die Garanten

für Ingolstädter Erfolge. Beide Ausnahmespieler trugen viel Last und

Verantwortung auf ihren Schultern. Dies wird in den Playoffs nicht anders sein,

obwohl mit Jamie Langenbrunner hochkarätige Unterstützung verpflichtet wurde.

Allerdings konnte der ehemalige Stanley-Cup Sieger bisher nicht überzeugen und

erst zwei Treffer erzielen. Als wichtiger Faktor ist noch Cameron Mann zu

nennen, der auch die Klasse hat, ein Playoff-Spiel alleine zu entscheiden.

Dahinter stehen mit Jiranek, Harder, Oswald, Goodall, Mondt und Ferguson zwar

durchaus brauchbare aber eine Klasse niedriger anzusiedelnde Akteure im Kader.

Abzuwarten bleibt auch was Doug Ast nach zwei langwierigen Verletzungen zu

leisten im Stande ist.

Bei den Haien hängt sehr viel von der ersten Sturmreihe, der "Oldie-Reihe

mit McLlwain, Hicks und Roy, ab. Die drei Veteranen, die zusammen 108 Jahre aufs

Eis bringen, erzielten 118 Scorerpunkte und waren somit an einem Großteil der

Haietreffer beteiligt. Aber auch das deutsche Trio Lewandowski, Furchner, Boos

braucht sich hinter den großen "Drei" nicht verstecken: 104 Punkte

war die Ausbeute dieser Formation. Insgesamt verlief die erste Saisonhälfte

wesentlich besser und erfolgreicher für die Haie, die zuletzt ein wenig aus dem

Tritt gekommen sind.


Lockout-Spieler:

Sollte Ingolstadt mit seinen NHL-Stars Sturm, McDonald, Ward und

Langenbrunner im Viertelfinale scheitern, hat Manager Wagner auf die falsche

Karte gesetzt, sprang doch im Vorjahr mit einer auf dem Papier deutlich

schwächeren Mannschaft das Halbfinale heraus.

Köln verzichtete wie Augsburg und Nürnberg gänzlich auf Verstärkungen aus

der NHL. Zum Transferschluss wurde mit Marquis Mathieu ein Spieler aus der einer

unteren Liga verpflichtet.


Tipp:

Sollten wie so oft in den Playoffs die "special teams" den

Ausschlag geben, spricht einiges für die Haie, deren Bilanzen weitaus

effektiver waren als die der Ingolstädter. Überhaupt überraschen die

schlechten Statistiken des ERCI: In Überzahl rangiert die Truppe von Ron

Kennedy nur auf Platz 12, in Unterzahl auf Platz 10. Die Haie konnten sich

dagegen in beiden Kategorien auf dem dritten Platz behaupten. Aber, mit

den Playoffs beginnt eine neue Saison und auch eine neue Statistik. Wie bei

Mannheim und Berlin gilt vor allem auch für Ingolstadt, die Qualität der

NHL-Spieler wird sich durchsetzen, wenn alles "normal" verläuft.



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