DEL-Playoffs: Hockeyweb Halbfinalvorschau

DEL: Eisbären bleiben spitze - Ingolstadt gewinnt in MannheimDEL: Eisbären bleiben spitze - Ingolstadt gewinnt in Mannheim
Lesedauer: ca. 8 Minuten

Drei der vier Vorjahres-Halbfinalisten stehen auch in dieser Saison unter den

letzten vier Teams, die ab Freitag um den Meistertitel der DEL spielen. Meister

Frankfurt, die Eisbären Berlin und der ERC Ingolstadt zählten ebenso wie die

Mannheimer Adler schon vor der Saison zu den Topfavoriten. Kein Wunder,

schließlich gehören sie neben Hamburg und Köln auch zu den Teams mit dem

höchsten Jahresetat in der Deutschen Eishockey Liga.


Dass sie dieses viele Geld sinnvoll angelegt haben, beweist der Erfolg. Keine

andere Spielzeit war bisher so sehr von der NHL geprägt wie die Saison 2004/05.

Aufgrund des Lockouts in Übersee galt es die schwierige Entscheidung zu

treffen, ob überhaupt und wieviele ausgesperrte NHL-Spieler man verpflichten

solle. Angesichts der unklaren Situation in Nordamerika glich die

Transferpolitik diesmal mehr einem Pokerspiel.


Richtig gepokert haben alle vier Halbfinalteilnehmer, denn sie setzten auf die

Karte NHL. Zwar musste Anfang Februar kurz vor dem Transferschluss in der DEL

noch einmal kräftig gezittert werden, aber es kam zu keiner Einigung mehr.

Hätte die NHL noch gespielt, sähe das Teilnehmerfeld im diesjährigen

Halbfinale wohl anders aus.


Wie nicht anders zu erwarten stehen sich also jetzt die "Lockout-Sieger"

im Halbfinale gegenüber, während Köln, Nürnberg, Augsburg und Hamburg

vorzeitig in den Urlaub fahren durften. Wer sich aber durchsetzen wird und die

Meisterschaft 2005 feiern darf, ist nur schwer vorauszusehen. Es gibt keinen

echten Favoriten bzw. kein Team, dem man den Meistertitel nicht zutrauen würde.


Meister Frankfurt hat sicherlich eine beeindruckende Vorrunde gespielt, aber wie

im Vierteilfinale zu sehen, läuft derzeit nicht alles rund bei den Hessen. Zwar

hat man mit Doug Weight und Pat Lebeau die wohl besten Stürmer der Liga unter

Vertrag, aber der Ausfall der verletzten Hackert und Pronger wiegt ebenso

schwer, wie die Ungewissheit um Verteidiger-Star Stephane Robidas.


Aus dem vollen schöpfen können die Mannheimer Adler, denen lediglich der

übergewichtige Greilinger verletzungsbedingt fehlt. Den Frankfurter

Topstürmern stehen die Adler kaum nach. Sie können mit Edgerton, Hecht und

Corbet die effektivste Reihe des gesamten Viertelfinales aufs Eis schicken.


Bei den Eisbären gilt es vor allem die reduzierte Sperre von Erik Cole zu

verkraften. Der NHL-Stürmer wird nach einem unfairen Check im Viertelfinale

noch die nächsten drei Partien fehlen. Fraglich war auch der Einsatz von Olaf

Kölzig, aber der NHL-Keeper meldete sich wieder zurück und soll am Freitag im

Tor stehen.


Für den ERC Ingolstadt wäre ein Aus gegen Köln aufgrund des namhaften Kaders

äußerst peinlich gewesen. Mit Aaron Ward, Jamie Langenbrunner, Marco Sturm und

Andy McDonald haben die Oberbayern am kräftigsten auf dem NHL-Markt

zugeschlagen.


Alle vier Mannschaften haben das Zeug zum Meister, die bessere Tagesform und das

notwendige Quäntchen Glück werden den Ausschlag geben.


Hier die Hockeyweb-Halbfinalvorschau:


Vorschau Frankfurt (1.) – Mannheim

(6.)

Der Meister hatte im Viertelfinale mehr Probleme mit den Hamburg Freezers

als erwartet. Zwar setzten sich die Lions mit 4:2-Siegen gegen die Schmidt-Schützlinge

durch, doch entschied bei drei der vier Erfolgen der Hessen ein Treffer in

letzter Sekunde bzw. in der Overtime.

Die Adler feierten

einen am Ende recht souveränen Sieg gegen die hoch eingeschätzten und höher

gesetzten Nürnberg Ice Tigers. Zwar schossen die Franken in sämtlichen sechs

Spielen öfter auf das von Frankreichs Auswahl-Torhüter Huet gehütete Gehäuse,

doch waren die Mannheimer dank ihrer Paradereihe um NHL-Crack Jochen Hecht

wesentlich kaltschnäuziger.

Torhüter:

Wie schon letzte Saison bewies Frankfurts Ian Gordon, ein echter Playoff-Goalie

zu sein. Den überragenden Leistungen seiner gegenüber Giguere und Rousson

stand der Ex-Schwenninger in nichts nach. Mit sensationellen drei Shutouts in

sechs Spielen war Gordon ein Hauptgarant für den erneuten Halbfinaleinzug.


Lockout-Spieler Cristobal Huet

zeigte gegen die Mannschaft von Bundestrainer Greg Poss stets konstant gute

Vorstellungen seines Könnens. Da die Ice Tigers den Franzosen über die gesamte

Serie unter starker Beschäftigung hielten, war so mancher Gegentreffer

unvermeidbar. Zudem war die Verteidigung häufig bei Abprallern des 29-Jährigen

aufmerksam zur Stelle.

Verteidigung:

Im Viertelfinale war die

Defensive das Prunkstück der Hessen – nicht etwa der beste Angriff der DEL

der Vorrunde, den die Frankfurter stellten. Vor einem sehr starken Gordon räumten

die Verteidiger sehr gut auf.


Die Mannheimer verstanden es in der Abwehr hervorragend, das temporeiche und

technische versierte Spiel der Nürnberger einzudämmen. Meist mit drei Mann vor

dem eigenen Tor, ermöglichten die Adler dem Gegner von der Noris nur selten

Chancen aus der Nahdistanz. Dennoch zeigte sich die Defensive der Richer-Truppe

manches Mal zu unbeweglich.

Angriff:

DEL-Topscorer Patrick Lebeau, Dwayne Norris und NHL-Star Doug Weight waren auch

von den Freezers nicht zu stoppen. Davon abgesehen, überzeugte der Angriff der

„Löwen“ nicht in der aus der Vorrunde gewohnten Form. 


Die Paradereihe mit Center Devin

Edgerton und den Außenstürmern Jochen Hecht und René Corbet, dem in sechs

Spielen acht Treffer gelangen, war das Herz und die Seele des

Viertelfinalerfolgs gegen die Ice Tigers. Dahinter konnten mit Abstrichen

lediglich Marcus Kink und Jason Podollan mehrfach aufmerken lassen.

Verletzungen:

Schon im Viertelfinale hatten die Lions in der Offensive im Vergleich zur

Vorrunde ungekannte Probleme. Auch weil neben dem besten deutschen Torjäger

Michael Hackert (Schien- und Wadenbeinbruch) Topverteidiger Stéphane Robidas

(wegen Komplikationen bei der Schwangerschaft seiner Frau evtl. auch weiterhin

in der kanadischen Heimat) sowie Sean Pronger (Innenbandriss) ausfielen.


Die Adler dagegen können bis auf Stürmer Thomas Greilinger (Knorpelschaden)

aus dem Vollen schöpfen.

Tipp:


Auch wenn der Titelverteidiger über ein in der Endrunde erprobtes und

starkes Kollektiv verfügt, das die Ausfälle kompensieren kann, sind die

Mannheimer keinesfalls chancenlos. Erhält die Paradereihe um Hecht von anderen

potentiellen Leistungsträgern ausreichend Unterstützung, ist eine Überraschung

möglich.


Vorschau Berlin (2.) - Ingolstadt (5.)

Wie erwartet weitgehend mühelos setzten sich die

favorisierten Eisbären mit 4:1 Siegen im Viertelfinale gegen Augsburg durch.

Vor allem offensiv hoch überlegen ließen die Hauptstädter dem bayerischen

Konkurrenten wenig Chancen. Dass die beiden ersten Heimspiele knapp waren, lag

vor allem an Augsburgs Jean-Francois Labbé.


Die mit ihren ganzen Lockout-Spielern hoch gehandelten Ingolstädter taten sich

in der ersten Playoff-Runde gegen die gänzlich auf NHL-Stars verzichtenden

Kölner Haie überraschend schwer. Erst im siebten Spiel setzte sich die

vermeintliche Qualität und Erfahrung der Kennedy-Truppe durch. Auf jeden Fall

will der ERC es in diesem Jahr besser machen als in der Vorsaison als man mit

drei Niederlagen gegen die Eisbären chancenlos ausschied.


Torhüter:

Olaf Kölzig konnte in der Serie gegen Augsburg nur zwei

Spiele bestreiten, meisterte seine Einsätze aber mit Bravour. Zwei Siege mit

jeweils nur einem Gegentor stehen für ihn zu Buche, bis er verletzungsbedingt

passen musste. Was ihm genau fehlt, wurde playoffüblich von den Eisbären

verschwiegen, jedoch scheint er die kurze Pause genutzt zu haben, um wieder

spielen zu können. Wie lange allerdings, wird sich zeigen müssen. Sein

Vertreter Oliver Jonas machte vor allem in Spiel 4 in Augsburg eine schlechte

Figur und wurde nach 27 Minuten ausgewechselt.

Rechtzeitig zu den Playoffs scheint Jimmy Waite, der Zerberus im Ingolstädter

Tor, wieder von seiner Meniskusverletzung genesen zu sein. Nicht wenige Stimmen

rieten dem ERC, die letzte Lizenz an einen weiteren starken Keeper zu vergeben,

aber zumindest bis jetzt scheint Waite's Knie stabil zu sein.


Verteidigung:

Micki DuPont heißt der Eisbären-Topscorer nach den bisherigen fünf

Playoff-Partien. Mit 7 Punkten (2 Toren und 5 Assists) rangiert er vor all den

gefährlichen Eisbären-Stürmern. Aber auch der in der Vorrunde oft gescholtene

Derrick Walser kam gegen Augsburg mit drei Treffern in Schwung. Mit Heins,

Dempsey und Persson hat Pierre Pagé weitere erfahrene Defensivspieler zur

Verfügung.

Trotz einer Handverletzung kurz vor den Playoffs konnte Jakub Ficenec mit

starken Leistungen (2 Tore, 3 Assists) in der langen und harten Serie gegen

Köln auf sich aufmerksam machen. Aber auch Chris Armstrong war mit 5 Punkten (1

Tor, 4 Assists) präsent. Sutton und Ward spielten ihre Rolle als Abräumer

konsequent.


Angriff:

In fünf Vierteilfinalspielen kamen die Eisbären zu 18 Treffern aber zu

weit mehr Torchancen. Zu oft scheiterte man an Augsburgs Keeper Labbé oder war

einfach im Abschluss zu unkonzentriert. Diese Vielzahl an Torschüssen und

Chancen wird es gegen Ingolstadt nicht mehr geben, wollen die Eisbären

erfolgreich sein, müssen sie vor dem Tor effektiver arbeiten.

Beim ERC Ingolstadt spielte vor allem der ansonsten eher unauffällige Craig

Ferguson bisher tolle Playoffs. Vier Tore gelangen dem Defensivstürmer in den

Spielen gegen Köln. Auch Andy McDonald konnte an seine guten Leistungen aus der

Vorrunde anknüpfen. Mit Sturm, Mann, Ast und Langenbrunner hat der ERC eine

ganze Reihe weiterer hochkarätiger Offensivspieler in seinen Reihen.


Verletzungen:

Wie schon angesprochen ist bei beiden Teams nicht ganz sicher, wie

angeschlagen die Torhüter sind. Kölzig und Waite sind ganz wichtige Garanten

auf dem Weg zum Finale, wobei die Eisbären wohl eher einen Ausfall ihrer Nummer

eins verkraften könnten als Ingolstadt. Während bei den Eisbären Verteidiger

Rob Leask verletzungsbedingt verzichten musste, konnte Ingolstadt bisher Justin

Harney noch nicht einsetzen. Schmerzlich ist für die Hauptstädter zudem die

Sperre von Erik Cole, der noch drei Spiele pausieren muss.


Tipp:

Bei den oftmals entscheidenden "special teams" konnten die Eisbären

sowohl in der Vorrunde als auch in der ersten Playoffrunde bessere Statistiken

vorweisen. Allerdings war Augsburg sicherlich der einfachere Gegner als Köln.

Vorteilhaft für die Hauptstädter könnte auch die etwas längere Pause sein,

da Gegner Ingolstadt noch am letzten Mittwoch im Einsatz war. Dennoch könnte es

eine ganz enge Serie werden, in der viel von den Torhütern abhängen

wird. 


Jetzt die Hockeyweb-App laden!