DEL: Fördern kommt von fordern

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Die DEL-Punkterunde der Saison 2005/ 06 hat dieser Tage ihre Mitte überschritten.

Erfreulich, dass bis hierhin schon einige junge deutsche Spieler wie die beiden Iserlohner Michael Wolf und Dimitrij Kotschnew, die Kölner Philip Gogulla und Thomas Greiss sowie die Berliner Florian Busch und Frank Hördler, um nur einige Beispiele zu nennen, für positive Schlagzeilen sorgten. Doch trotz der hohen Belastung durch den eng gestaffelten Spielplan und zahlreicher verletzungsbedingter Personalengpässe, erhalten deutsche Talente längst nicht überall kontinuierlich die Chance sich zu beweisen.

Die Hannover Scorpions, zuletzt von Ausfällen arg gebeutelt und zwischenzeitlich sogar außerhalb der Playoff-Ränge platziert, gingen mit der Verpflichtung des verdienstvollen, aber bereits 43-jährigen Wally Schreiber einen sehr konservativen Weg. Auf hoffnungsvolle Nachrücker aus einem eigenen DNL-Team kann man in der Landeshauptstadt Niedersachsens nicht zurückgreifen. Um die Zuschauer in die TUI Arena zu locken, setzt man bei den zugezogenen Wedemärkern auf einen prominent besetzten DEL-Kader. Funktioniert hat das bisher allerdings nur in Ansätzen. Das Manko, kein DNL-Team zu stellen, teilen sich die Scorpions jedoch mit weiteren neun von vierzehn DEL-Klubs. Lediglich Köln, Mannheim, Krefeld und Berlin leisten sich den scheinbaren Luxus eines eigenen DNL-Teams. Erstaunlich dagegen, dass Zweit- und gar Drittligisten in der Lage sind, die mit der Unterhaltung eines DNL-Teams einhergehenden finanziellen Belastungen zu stemmen.

In Hamburg dürfte dieser Tage die Erkenntnis den Status der Gewissheit erlangen, dass Investitionen in den Eishockey-Nachwuchs segensreich sein können. Das wohl durch einen „bösen Fluch“ hervorgerufene Verletzungspech auf der Torhüterposition, ließ die Freezers notgedrungen recht mutig reagieren. Die von den Berliner Eisbären ausgeliehenen Goalie-Talente Youri Ziffzer und Sebastian Stefaniszin entpuppten sich als weit mehr denn nur bloßen Ersatz für die namhaften Stammkräfte Rousson und Cechmanek. Die Youngster versetzten mit ihren im Freezers-Trikot gezeigten Leistungen Verantwortliche und Fans gleichermaßen in Verzückung. Diese Leistungen fallen allerdings nicht einfach so vom Himmel, sondern sind nicht zuletzt Ergebnis des Engagements von Goalie-Trainer Gilles Lefebvre, dessen kompetente Mitarbeit sich die Eisbären nun schon seit längerem mehrmals in der Saison etwas kosten lassen. Der ausgewiesene Butterfly-Spezialist zeichnet so wesentlich für die guten Leistungen der jungen Berliner Torhüter-Gilde verantwortlich, die seit wenigen Wochen vom erst 21-jährigen Tschechen Tomas Pöpperle erfolgreich angeführt wird.

Nur zu verständlich, dass in der Hansestadt inzwischen Stimmen laut werden, die in einer engeren Zusammenarbeit mit den Eisbären Juniors eine Sache von beiderseitigem Nutzen erkennen. So schicken die Freezers von Zeit zu Zeit ihre Förderlizenzspieler Max Lingemann und Martin Hinterstocker zum Eisbären-Farmteam, auf dass sie unter Coach Jeff Tomlinson Spielpraxis und Erfahrung in der Oberliga sammeln. Goalie Stefaniszin, der im Gegensatz zu fünf anderen seiner Berliner Kollegen (Ziffzer, Kramer, Tepper, Martens, Gawlik) vom DEB für die B-WM der Altersstufe U20 noch nicht berücksichtigt wurde, kann also noch einige Wochen für die Freezers Pucks fangen und somit auch die spielfreie Zeit der Juniors nutzbringend überbrücken.

Die Eisbären profitieren bekanntlich von Saisonbeginn an von ihrem „Jugendstil“.

Florian Busch, André Rankel, Frank Hördler und Christoph Gawlik sind als Förderlizenz-Inhaber längst feste Größen im DEL-Kader der Berliner, bekommen selbst in Über- und Unterzahl Eiszeit. Vom Dasein als Bankdrücker oder Lückenbüßer sind sie also weit entfernt. Als solcher würde man auch nicht zum Jung-Nationalspieler avancieren, wie jüngst die drei Erstgenannten beim TUI Nations Cup. Wochenlange Ausfälle, wie aktuell die der Leistungsträger Sven Felski, Kelly Fairchild und Rob Leask, gleichen die Hauptstädter aus dem reichhaltigen Pool ihrer Nachwuchsabteilung aus. Zwar schmerzt auch in der Hauptstadt das Fehlen bewährter Kräfte - davon abhalten, sich dennoch unter den Top-Vier der Liga festzusetzen konnte das den Meister allerdings nicht. Auch deshalb, weil man fortlaufend junge Cracks unabhängig von der jeweiligen Personalsituation in der DEL zum Einsatz bringt und nicht erst wenn die Spielerbank nur noch schütter besetzt ist.

(Matthias Eckart)