DEL-Finale Spiel 3: Ein Sieg für das gute GefühlEHC Red Bull München – Grizzlys Wolfsburg 1:2

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Im ersten Drittel ließ München zunächst keine Zweifel aufkommen, wer sich dieses Spiel holen würde. Die Bullen legten los wie die Feuerwehr und erarbeiteten sich Chancen im Minutentakt. Insofern war es fast verwunderlich, dass es bis zur achten Spielminute dauerte, ehe Grizzlys-Goalie Brückmann das erste Mal bezwungen war. Nach einem gelungenen Zusammenspiel mit Kettemer und Macek erzielte Keith Aucoin die Führung für die Münchner. Erst eine Minute später kamen die Wolfsburger zu ihrem ersten einigermaßen ernsthaften Abschluss. Regehr vergab in der 14. Minute die größte Chance der Bullen auf das zweite Tor, die sich wenige Augenblicke später bei ihrem Torhüter Danny aus den Birken bedanken konnten, dass die Führung weiter Bestand hatte nach einem Scheibengewinn durch Grizzly-Stürmer Mark Voakes.

In den verbleibenden fünf Minuten des Eröffnungsabschnitts konnten sich die Wolfsburger etwas befreien, auch begünstigt durch ein Überzahlspiel nach einer Strafe gegen Münchens Verteidiger Florian Kettemer, das ihnen zwar kein Tor bescherte, aber spürbar Selbstvertrauen gab. Fast mit der ersten Sirene wurde Jon Matsumoto auf Münchner Seite hinausgestellt, so dass die Niedersachsen mit einem weiteren Powerplay ins zweite Drittel starteten

Strafe statt Ausgleich – München hadert mit dem Schiedsrichter

In diesem Überzahlspiel waren die Grizzlys zwar zwingender als in Spiel 2, brachten aber zunächst nichts Zählbares zustande. Direkt im Anschluss an das Powerplay machten sie es besser: Sharrow schoss vom Bully weg auf das Tor der Münchner, den Abpraller von aus den Birken verwertete Stephen Dixon zum Ausgleich. Wolfsburg war danach wieder richtig im Spiel, bis Jeff Likens wegen Behinderung eine große Strafe erhielt, nachdem er Maxi Kastner mit einem verspäteten Hit niedergestreckt hatte. Sehr zum Unmut von Wolfsburgs Coach Pavel Gross, aber ohne unmittelbare Folge, denn die Grizzlys verteidigten sehr aggressiv und ließen München in fünf Minuten Powerplay nur wenig Chancen. Beflügelt durch das Überstehen dieser heiklen Situation wagten sich die Niedersachsen wieder in die Offensive und wurden belohnt, als Aubin die Scheibe aus dem Getümmel vor aus den Birken über die Linie arbeitete. Münchens vermeintlicher Ausgleich fast im Gegenzug brachte die Wolfsburger erneut in Überzahl: Wegen eines Fouls von Pinizzotto war das Spiel bereits unterbrochen, so dass der Treffer auch ohne Videobeweis nicht zählte. Wegen Meckerns durfte der Tough Guy der Bullen obendrein noch zehn weitere Minuten durchschnaufen. Danach wurde das ohnehin schon intensive Spiel etwas ruppiger, wobei sich die Münchner durch Christensen und Macek zwei Undiszipliniertheiten leisteten, so dass Wolfsburg mit 57 Sekunden in doppelter Überzahl ins Schlussdrittel startete.

München in der Welt des Schmerzes

Das begann schmerzhaft für die Münchner: Zunächst blockte Jaffray zwei Schüsse mit dem Schlittschuh, dann wurde Frank Mauer bei einem heftigen Check von Armin Wurm ordentlich durchgerüttelt. Wurm musste dafür auf die Strafbank gehen und in der Folge brannte es lichterloh vor dem Tor der Wolfsburger. Doch mit großem Einsatz und vereinten Kräften hielt Wolfsburg dem Ansturm der Münchner Stand, die sich danach immer wieder mit dummen Fouls selbst aus dem Tritt brachten. So blieben dem Meister am Ende nur 40 Sekunden, um aus den Birken vom Eis zu nehmen für das letzte Anrennen. Doch auch das überstanden die Wolfsburger, die sich im siebten Finalspiel gegen die Münchner den ersten Sieg erarbeiteten.

„Es war wieder ein enges Spiel, in dem Felix Brückmann sehr gut war. Es war wichtig, heute zu gewinnen, aber wir wissen, dass es nur ein Sieg war. Wir haben zwar heute im Powerplay kein Tor geschossen, waren jedoch viel zwingender, deswegen ist es nur eine Frage der Zeit, bis wir in Überzahl treffen“, sagte ein zufriedener Pavel Gross nach dem Spiel. Sein Pendant Don Jackson gab sich trotz der Niederlage entspannt, monierte aber auch die mangelnde Disziplin: „Wir haben eigentlich ein solides Spiel gezeigt, aber viel zu viele Strafzeiten genommen, insbesondere wegen Stockfouls und abseits des Spiels. So kannst Du nicht gewinnen, auch wenn ich nicht mit allen Entscheidungen einverstanden war. Wolfsburg war heute die schlauere Mannschaft – Alexander Weiß ist einer der besten Diver der Liga. Ich weiß es, ich habe ihn trainiert – und ihm immer gesagt, bleib auf den Beinen, denn nur dann kannst Du Tore schießen.“ Wolfsburgs Sebastian Furchner sah den Schlüssel zum Sieg ebenfalls in den vielen Strafen der Münchner: „Der Sieg heute gibt uns ein gutes Gefühl. Wir haben uns nichts gefallen lassen, aber haben uns halt auch nicht provozieren lassen. Das Powerplay war heute viel besser, auch wenn wir nicht getroffen haben. Wir haben nach Spiel 2 gar nicht viel darüber gesprochen. Wichtig ist, dass wir heute gewonnen haben – und am Samstag wieder gewinnen. Wie wir das machen, ist eigentlich egal.“ Realistisch blieb auch Grizzlys-Stürmer Tyson Mulock: „Es war ein wichtiger Sieg, aber wir haben nach Spiel 2 gesagt, dass ab jetzt jedes Spiel wie ein Spiel 7 ist – und das gilt auch nach dem heutigen Sieg.“

Tore:

1:0 Keith Aucoin (Florian Kettemer, Brooks Macek) 7:37
1:1 Stephen Dixon (Jimmy Sharrow) 22:12
1:2 Brent Aubin (Mark Voakes) 33:24

Strafminuten:
München 12 + 10 (Pinizzotto) + 10 (Christensen), Wolfsburg 2+ 5 + Spieldauer-Disziplinarstrafe (Jeff Likens)

Zuschauer: 6.142 (ausverkauft)