DEG im Viertelfinale

Aufholjagd mit Happy-EndAufholjagd mit Happy-End
Lesedauer: ca. 3 Minuten

Welch eine Spannung! Welch eine Dramatik! Im längsten Play-off-Spiel seit

Einführung der Deutschen Eishockey Liga (DEL) 1995 gewann die Düsseldorfer

EG gestern Nachmittag bei den Hannover Scorpions in der zweiten Verlängerung

mit 2:1 (0:0, 1:1, 0:0, 0:0, 1:0) und steht damit doch noch im Viertelfinale

zur Deutschen Meisterschaft. Dort kommt es ab Dienstag zur Revanche gegen

Vorrundensieger Nürnberg Ice Tigers, an dem die DEG im Vorjahr im Halbfinale

gescheitert war. Der entscheidende Treffer in der Arena Hannover gelang vor

4187 Zuschauern Brandon Reid in der 92. Minute oder nach exakt 5504

Sekunden. "Das war bestimmt nicht mein schönstes Tor, aber sicher eines

meiner wichtigsten."

Von Anfang an entwickelte sich ein typisches

Play-off-Spiel. Hohes Tempo, große Intensität und Chancen hüben wie drüben,

auch durch nervositätsbedingte Fehler auf beiden Seiten. Hannover besaß

dabei zwar mehr Möglichkeiten, die beste aber hatte die DEG, als Jamie

Wright in der 14. Minute alleine auf Alex Jung im Tor der Scorpions

zusteuerte, jedoch am Ex-Düsseldorfer scheiterte. Das rächte sich im zweiten

Drittel. Als eine Strafe gegen die DEG angezeigt war und Hannover den

Torwart gegen einen sechsten Feldspieler getauscht hatte, gingen die

Niedersachsen in Führung. Rainer Köttstorfer staubte in der 31. Minute nach

einem von Storr parierten Hlinka-Schuss zum 1:0 ab. Allerdings mussten die

Schiedsrichter zur Anerkennung des Treffers den Videobeweis bemühen, da die

DEG-Spieler den früheren Krefelder im Torraumabseits wähnten. Doch die DEG

bäumte sich auf.

Nur 128 Sekunden später gab es bei eigener Überzahl eine

Kombination wie früher. Kreutzer auf Vikingstad, der auf Kathan und der

hinein ins Vergnügen. Das war der wichtige, weil schnelle Ausgleich durch

den KVK-Sturm. "Wenn sie die Führung länger verteigt hätten, dann wäre es

sicherlich schwerer für uns geworden", japste Kathan völlig entkräftet nach dem Marathon-Match.

Während in der Kabine wie immer nach Siegen die

deutsche Fraktion die Musik bestimmte und "Ein Stern" bis auf den Flur

hinaus dröhnte, beschrieb Trainer Nethery die Schlüsselszene. "Als Jamie

Storr in der 88. Minute sensationell gegen Tino Boos rettete, da habe ich

gewusst, dass das Glück heute auf unserer Seite sein würde." Er sollte Recht

behalten. Rund vier Minuten später hatte der kleine Brandon Reid seinen

großen Auftritt.

Thomas Schulz




Hannover - DEG n.2.V. 1:2 (0:0, 1:1, 0:0,

0:0, 0:1)

Aufstellung Hannover

Tor: Jung (Martin

Morczinietz)

Abwehr: Sascha Goc, Stephane Robitaille - Brimanis, Lambert

- Köppchen,
Reiß - Nikolai Goc, Bright

Angriff: Green, Dzieduszycki

(Matt D.), Eric Schneider - Mitchell, Boos,
Dolak - Nickulas, Hlinka,

Köttstorfer - Röthke, Mondt, Sachar Blank

Aufstellung DEG

Tor:

Storr (Jochen Reimer)

Abwehr: Holzer, Bazany - Ratchuk, Van Impe -

Dietrich, Hedlund - Bader,
Werner

Angriff: Wright, Collins, Patrick

Reimer - Pinizzotto, Reid, Panzer -
Kreutzer, Vikingstad, Kathan -

Schietzold, Carciola, Boon

Schiedsrichter: Georg Jablukov (Berlin) und

Roland Aumüller (Planegg)

Zuschauer: 4187

Tore: 1:0 (30.11)

Köttstorfer (Nickulas, Hlinka/6-5), 1:1 (32.19) Kathan
(Kreutzer,

Vikingstad/5-4); 1:2 (91.44) Reid (Pinizzotto, Panzer)

Strafzeiten:

Hannover 24 - DEG 20 + 10 (Storr)




Stimmen zum

Spiel:
"Es war klar, dass das entscheidende Tor kein schönes

werden würde." (Lance
Nethery)

"Keiner hatte es verdient

zu verlieren, aber einer musste ja." (Hans Zach)


"Bei so

einem Spiel darf man nicht mehr denken, sondern muss einfach nur
noch alles

aus dem Körper rausholen." (Daniel Kreutzer)

"Das war eine

unglaubliche Willensleistung. Wir waren stehend k.o.!" (Jamie


Storr)

"Das Tempo war am Ende überschaubar. Mein Gott,

bin ich fertig. Ich habe
seit halb zehn nichts mehr gegessen." (Klaus

Kathan)

"Die Charakterfrage stellt sich jetzt nicht mehr. Wer

92 Minuten so kämpft,
der hat Charakter." (Walter Köberle)