"DEB muss endlich entscheiden, was ihm ein Sportdirektor wert ist“Peter John Lee:

Peter John Lee - Foto: Oliver Schwarz - www.stock4press.dePeter John Lee - Foto: Oliver Schwarz - www.stock4press.de
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Hockeyweb: Seit dem Sommer ist die neu zu schaffende Position des Sportdirektors in aller Eishockey-Munde. Wann ist denn in dieser Angelegenheit mit einer Entscheidung zu rechnen?

Fliegauf: „Offen gestanden: keine Ahnung, warum es nicht weitergeht. Unser Gremium hat sowohl Konzeption und Anforderungen der Stelle, als auch schon lange einen Personalvorschlag abgegeben.“

Hockeyweb: Und wer entscheidet nun wann darüber?

Lee: „Das muss im Koordinationsausschuß mit Jürgen Arnold und Gernot Tripcke* auf Seiten der DEL sowie Uwe Harnos für den DEB entschieden werden. Wer zweiter DEB-Vertreter ist, wissen wir gar nicht. Unser Wunsch ist, dass ein Sportdirektor so schnell wie möglich seine Arbeit aufnimmt. Sonst stehen wir schon bald vor der neuen Saison und es ist wieder nichts passiert.“

Hockeyweb: Vom DEB hieß es, die Finanzierungsfragen dieser Position seien völlig offen.

Lee: „Das kann nicht das entscheidende Argument sein. Dann zahlt jeder DEL-Club eben ein- oder zweitausend Euro mehr dafür, wenn es notwendig ist. Der DEB muss endlich entscheiden, was ihm die Stelle wert ist und ob er darin investieren will.“

Hockeyweb: Sie haben auch einen Personalvorschlag gemacht? Wer ist denn ihr offiziell Auserwählter?

Fliegauf: „Unser Kandidat seitens des Kompetenzteams ist Bernd Truntschka. Es gibt aber wohl auch weitere Bewerbungen.“

Hockeyweb: Wie sehen denn Aufgaben und Anforderungen für den Sportdirektor aus?

Lee: „Es ist wichtig, dass endlich einmal ein sportliches Konzept erstellt wird, das wir dann alle zusammen auch langfristig umsetzen können. Das betrifft insbesondere die Nachwuchsförderung ab der U 15, eine gemeinsame Spielphilosophie, aber auch Anforderungen und Inhalte der Trainerausbildung. Mit dem A-Nationalteam, das natürlich auch zu seinem Aufgabenbereich gehört, gibt es ja zur Zeit am wenigsten Probleme.“

Hockeyweb: Zur Nachwuchsförderung gehören ja auch Fragen einer weiteren Ausländerbeschränkung in der DEL und das Thema Förderlizenzen, die es ja mit der 2.Bundesliga als Reaktion auf den neuen Kooperationsvertrag zwischen DEB und DEL nicht mehr gibt.

Fliegauf: „Die DEL reduziert ja in der kommenden Saison schon wieder eine Ausländerstelle. Aber wir müssen uns vor Augen halten, dass dies bedeutet, wir brauchen auch 14 neue erstligataugliche deutsche Spieler. Und dies auch zu finanzierbaren Konditionen. Was die Frage der Förderlizenzen anbetrifft, haben sich ja einige Bundesligisten auch ins eigene Fleisch geschnitten. Das Thema muss aber unter dem Aspekt der Spielerentwicklung diskutiert werden.“

Hockeyweb: Es gibt aber auch Stimmen in der 2.Bundesliga, die die letzte Förderlizenzregelung für Wettbewerbsverzerrung halten.

Fliegauf: „Natürlich hat auch das bisherige Konzept Schwächen. Aber Lösungen kann man nur im gemeinsamen Gespräch finden. Auch dazu brauchen wir einen Sportdirektor. Und was die Förderlizenzregelung mit der Oberliga anbetrifft, so ist diese leider Gottes von der Organisation der jeweiligen Liga abhängig. So muss ich mich z.B. schon im Januar entscheiden, ob ich unseren jungen Torwart Martin Fous aus der Oberliga West in Kassel anfordere. Wenn ich es nicht tue, stehen wir möglicherweise in der entscheidenden Saisonphase, falls etwas passiert, ohne zweiten Goalie da – also, was soll ich tun? Andererseits: Vielleicht spielt Fous dann ab Januar gar nicht mehr in dieser Saison.“

Hockeyweb: Ohnehin bedarf es doch sicher auch einer Ligenneuordnung in Deutschland. Auch ein Thema für den neuen Sportdirektor?

Lee: „Natürlich! Alles gehört auf den Prüfstand. Wir müssen uns auch mal die Frage stellen, wie viele Profiligen verträgt Deutschland? Ich meine: zwei. Und in der Oberliga wird ja zumeist schon ganz hervorragende Nachwuchsarbeit geleistet. Einige unserer Spieler kommen ja direkt aus der Oberliga: Jens Baxmann oder auch Florian Busch. Die haben sich dann bei uns kontinuierlich weiterentwickelt, bis in die erste oder zweite Reihe. Die Oberliga hat eine ganz entscheidende Funktion für die Nachwuchsförderung in Deutschland. Deshalb sollten wir sie auch einheitlich organisieren.“

Hockeyweb: Herr Lee, Sie haben ja lange auch mit Ralph Krueger in der Schweiz gearbeitet, der zusammen mit Jakob Kölliker für einen Aufschwung, auch im Nachwuchsbereich gesorgt hat. Und in Deutschland hat Matthias Sammer im Fußball einen ungeheuren Aufschwung in der Nachwuchsförderung bewirkt. Kann Eishockey-Deutschland davon lernen?

Lee: „Auf alle Fälle. Zwar hat Matthias Sammer viel mehr Geld zur Verfügung, aber konzeptionell wird von ihm unglaublich gute Arbeit geleistet. Und was die Schweiz angeht, so ist dort keineswegs alles besser als hier. Allerdings kann man dort sehen, was mit durchdachter Arbeit geleistet werden kann.“

Hockeyweb: Vielen Dank für das Gespräch!

* Im Interview mit Hockeyweb stellte DEB-Präsident Uwe Harnos klar, dass statt Gernot Tripcke, Daniel Hopp Mitglied des Koordinationsauschuss ist.


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