De Raaf: Den Teamgeist stärken

Klare Worte bei den AdlernKlare Worte bei den Adlern
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Er hat sich viel vorgenommen für die kommende Saison. Adler-Headcoach Helmut

de Raaf traf sich mit Hockeyweb und plauderte ein wenig von seinen Plänen,

Hoffnungen und Enttäuschungen. Denn auch die gibt es. Den Weggang der jungen

Talente Youri Ziffzer und Christoph Gawlik schluckt er nicht so leicht

herunter. Er hält den Schritt, den die beiden - dem Vernehmen nach soll

Gawlik mit etwa 35 000 Euro fürs Jahr geködert worden sein von den Eisbären

- für nicht so ganz nachvollziehbar aus sportlicher Sicht. "Ich finde das

enttäuschend", sagt der Trainer, "ich kann verstehen, dass jemand geht, wenn

er sich sportlich verbessern kann, aber das, was die Eisbären anbieten, das

konnten wir auch bieten, nur das Geld eben nicht." Denn, da vertritt de Raaf

die Philosophie der Adler, "wir zahlen nicht im voraus". Erst müsse einer

mal Leistung bringen, und dann könne man über ein erhöhtes Gehalt reden.

Bislang hätten ja weder Gawlik noch Ziffzer, auf die er sportlich im übrigen

große Stücke hält, etwas zeigen können in der Spitzenliga. Eigentlich wollte er

beide einbauen in das DEL-Team, wollte Gawlik eine faire Chance geben, wollte

Youri Ziffzer gemeinsam mit Danny aus den Birken hinter Jamie Storr

einsetzen, beide Youngsters sollten abwechselnd in Mannheim und Heilbronn

antreten und damit jede Menge Spielpraxis erhalten. Nun wanderte Ziffzer

nach Berlin ab, eine Lücke, die de Raaf bedauert.



Irgendwie, sinniert er noch, wundere er sich sowieso, dass es so wenig

Verantwortung gäbe für einen Verein, der die Jungs ausgebildet

habe. Schließlich würde die Hopp-Stiftung auch jede Menge investieren. Das

gilt auch für Dennis Seidenberg. Der hat ganz klipp und klar gesagt, wenn er

während eines NHL-Streiks nach Deutschland käme, dann nur zu den Kölner

Haien, wo Bruder Yannic angeheuert hat. De Raaf wundert sich: Die Finnen und

die Schweden, die in der Elite-Liga in Übersee spielten, würden

selbstverständlich alle zu jenen Clubs zurückkehren für die Übergangszeit,

die sie hoch gebracht hätten. "Das ist halt auch eine Sache der

Eishockeykultur", meint er und dass es hier halt anders aussähe, "da fehlt

die Bindung - leider".

Jochen Hecht allerdings, der käme sicherlich, wenn gestreikt würde, da ist

de Raaf sicher. Und das wäre natürlich eine wunderbare Verstärkung. Auch

Andy Roach hat übrigens angeboten, in Mannheim aufzulaufen, sollte es zum

Streik kommen. Das aber sei dem Management zu unsicher gewesen, sagt de

Raaf: "Denn dann ist eine Lizenz weg und wir hätten keine Ahnung, wie lange

er bleibt." Roach hatte vor ein paar Wochen angerufen und vom Ruf der NHL

erzählt, von seinem absoluten Lebenstraum. De Raaf: "Man kann jemanden solch

einen Traum nicht verderben und außerdem, was hat man von jemandem, der

lieber anderswo spielen würde."

Der NHL-Streik, sagt de Raaf, scheint von Gewerkschaftsseite beschlossene

Sache zu sein, aber da könne sich natürlich noch viel ändern. In sechs bis

acht Wochen wisse man mehr. In Frage für den deutschen Markt kämen ja

sowieso nur Spieler, die einen Einwegvertrag hätten, also etwa Dennis

Seidenberg oder Sturm und Kölzig, während Ehrhoff, Goc oder Pätzold wohl in

einem Farmteam antreten müssten.

Das neue Team steht zum großen Teil. Auf dem Papier. Jetzt brauche man als

Ersatz für Roach dringend einen Verteidiger, der keinesfalls ein

Ergänzungsspieler, sondern ein Leistungsträger sein müsse. "Er muss Überzahl

spielen können, er muss schnell sein an der blauen Linie", kurzum einer, der

das Team weiterbringt mit eigenen Impulsen und nicht nur als Mitläufer

fungiert.

Es gibt noch einige Unsicherheiten. Schließlich kann bis kurz vor Schluss

die NHL rufen und die neuen Leistungsträger abwerben. Aber das Risiko sei

man sehr bewusst eingegangen, betont de Raaf, man habe ein Team auf gutem

körperlichen Niveau haben wollen, Listungsträger, die vom Alter her noch

aufgebaut werden könnten, da müsse man damit leben, dass auch andere an

ihnen interessiert seien. Wie an Goalie Jamie Storr. Dessen Vergangenheit und

sein Alter hätten absolut für ihn gesprochen, aber garantiert sei natürlich

nicht, dass nicht auch andere ihn für sportlich begehrenswert halten

könnten. De Raaf ist allerdings guter Hoffnung, dass der Goalie mit seiner

deutschen Frau in Mannheim antreten wird. Und dann müsse man sehen, wie er

mit der neuen Eisfläche zurechtkäme. Man habe erst nach einem

europäischen Torhüter Ausschau gehalten, verrät de Raaf, aber es gäbe

derzeit nicht viele gute auf dem Markt. Auf jeden Fall hat der Coach vor,

Danny aus den Birken Spielpraxis zu geben, "er braucht das". Eingesetzt

werden sollen auch die Heilbronn-Rückkehrer Blank, Bruns und Schütz, ebenso

wie Carciola, der schon in der vergangenen Saison seine Chance erhalten

hatte. Mit einbezogen werden ins Training auch die Jungadler

Pielmeier, Schietzold und Langwieder, die ja noch im Jungadler-Team

auflaufen, aber auch schon einen Schritt weiter gehen dürfen Richtung

Profitum. Die Jungs, die fertig sind, gehen dafür nach Heilbronn, oder doch

zumindest acht von ihnen, um sich dort Sporen auf dem Oberliga-Parkett zu

verdienen unter Coach Rico Rossi. Die Aufteilung, die es jetzt gibt, findet de Raaf nahezu ideal. Die Zusammenarbeit mit seinem Ex-Co war gut, mit Stephane Richer und Mike Rosati

hat er außerdem zwei weitere Leute zur Seite, mit denen er bestens hinkommt,

die zudem Bezug zur Mannschaft haben.

Elf neue Spieler sollen integriert werden - inklusive Jungadler - da gibt

es viel zu tun. Als erstes zieht es die Truppe mal in den Wald. De Raaf hat

eine Agentur engagiert, die sich auf Teambuilding spezialisiert hat. Und

dazu gehören alle möglichen Touren, bei denen sich der eine auf den anderen

verlassen muss. Die Spieler wissen, dass sie wegfahren, die Details kennen

sie noch nicht. Nur soviel: Es dürfte anstrengend werden, aber das Team

müsste auch nah zusammenrücken in diesen Tagen. "Ich möchte von Anfang an

ein Team haben", sagt de Raaf, eines, mit dem man die schwere Saison angehen

möchte, keine Einzelkünstler, die nur schwer zueinander finden. Das sei ein

Weg zum Erfolg, die andere sei das System. Der Trainer möchte mehr Tempo ins

aggressivere Spiel bringen, will den Zuschauern etwas bieten, weiß aber auch, dass so etwas dauern kann. Nun hofft er, dass die Spieler ihre konditionellen Hausaufgaben gemacht haben

und topfit zurückkommen Ende des Monats. Bei den Deutschen weiß er es. Und

ganz zum Schluss noch eine besonders schöne Nachricht: Sascha Goc ist Papa

einer gesunden Tochter geworden. Und über alle Maßen glücklich. (Angelika

von Bülow)

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