Das neue Kicker-Sonderheft:

Eishockey in Namibia startbereitEishockey in Namibia startbereit
Lesedauer: ca. 2 Minuten

Bereits im vergangenen Jahr erschien im Olympia-Verlag, der auch das Fußballfachblatt kicker herausgibt, ein Eishockey-Sonderheft zur DEL-Saison. Der kicker wagt sich auch für die Spielzeit 2004-05 wieder an das Thema Eishockey und präsentiert seit 31. August ein 148-seitiges Sonderheft. Als Bonbon bietet es die übliche kicker-Stecktabelle sowie ein Poster von Jochen Hecht. Was jedoch kommt dabei heraus, wenn sich ein Fußballmagazin an ein ihm fremdes Thema heranwagt? Und woher kommt das plötzliche Interesse des kicker an der Sportart Eishockey? Während der Saison berichtet der kicker bisher selten über die DEL oder 2. Bundesliga, die NHL ist für den kicker „sonst“ fast kein Thema. Die positive Entwicklung des deutschen Eishockeysports scheint jetzt auch den kicker in neue Märkte zu ziehen: Schließlich entstehen allerorten neue multifunktionale Großarenen und wie der kicker in seinem aktuellen Vorwort richtig bemerkt, kamen in der vergangenen Saison so viele Zuschauer wie nie zuvor im Schnitt in Deutschlands DEL-Hallen. Grund genug für den kicker, nun auch auf Eishockey zu setzen.

Dabei stellt sich die Frage: Gelingt dem kicker der Ausflug in unbekannte Gefilde oder nicht?

Findet er die Akzeptanz bei den Eishockeyfans – wird Ihm das entsprechende Know-how zugetraut? Großzügig startet der kicker mit doppelseitigen Fotos als Aufmachung über acht Seiten, diese sind leider, wie auch das Coverbild, recht unscharf. Nach einer allgemein gehaltenen Einführung findet der kicker-Leser eine von der Aufmachung her eher eintönige Präsentation der 14 DEL-Teams. Auf fachliche Prognosen und Einschätzungen verzichtet die kicker-Redaktion dabei. Insgesamt präsentiert sich der Ausblick auf die kommende Saison für jedes einzelne Team zu dünn, geradezu zurückhaltend. Stattdessen werden einzelne Persönlichkeiten herausgepickt: Kleine Porträts über den Trainer, Top-Torhüter, Top-Verteidiger sowie Top-Stürmer finden sich bei jedem Team. Dazu verwendet der kicker mehr Platz als für eine umfassende Prognose über das mögliche sportliche Abschneiden des jeweiligen Teams. Zu wenig für ein Saisonheft des Mannschaftssports Eishockey. In Kurzüberschriften versucht der kicker, die Einzelpersonen schnell zu charakterisieren und so erfährt der Leser z.B., dass Augsburgs Trainer Benoit Laporte eine „Rasierklinge“ ist, Eisbären Berlin-Torwart Oliver Jonas wird beim kicker „der Einzige“ genannt oder der beste Verteidiger der vergangenen Saison Peter Ratchuk (Frankfurt Lions) ist „der Sommerflirt“. Komplett sparen können hätten sich die Macher auch die Vorschau auf die 2. Bundesliga: Die Präsentation des Mannschaftsbildes sowie des Kaders (ohne Spielerstatistiken der vergangenen Saison) und notwendigen Infos wie der Adresse des Klubs reicht eben nicht aus, um dem Leser einen echten Ein- und Überblick über die neue Zweitligasaison zu geben. Auch der kleine sechsseitige NHL-Teil kann das Heft nicht entscheidend aufwerten, denn es findet sich dort nichts, was der Eishockeyfan nicht längst schon wüsste. So ist auch das kleine A6-Beilagenheft „Eishockey-Guide“, in dem Eishockey-Fachbegriffe und Regeln erklärt werden, für Eishockeyfans gänzlich verzichtbar und wohl eher als Beilage für den „Gelegenheits-Eishockeyinteressierten“ anzusehen. Auf diese Klientel zielt aber offensichtlich das kicker-Sonderheft ab. Wenn dadurch neue Fans dem Eishockeysport zugeführt werden können, so ist das okay. Wirklich benötigt hat der Markt aber kein weiteres Sonderheft. Das ohne Zweifel renommierte Etikett des kickers kann über den spärlichen Inhalt eben nur anfangs hinwegtäuschen. Da kann auch der mit 4 Euro vergleichsweise günstige Preis wenig versöhnen.


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