Das Momentum und die Play-offsEine kleine Geschichte über ein großes Wort

Konrad Abeltshauser bei der DEL-Gala 2017 in Köln. (Foto: dpa/picture alliance/City-Press)Konrad Abeltshauser bei der DEL-Gala 2017 in Köln. (Foto: dpa/picture alliance/City-Press)
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In der zahlengetriebenen Eishockey-Welt kann es schon mal passieren, dass Trainer abstruse Sätze sagen wie „Wir sind die Besten der Liga in der Kategorie Torschüsse rechter Verteidiger aus Nordamerika, die einen Labrador mit Namen Spike haben“ - und auf Knopfdruck mehr oder weniger erhellende Statistiken herbeten können um zu erklären, warum ein Spiel gewonnen wurde oder eben nicht. Ab wann gibt es im Eishockey eigentlich eine Packing Rate? Wenn aber in den Gesichtern der Spieler die Bärte und in den Gärten der Fans die ersten Blumen sprießen, driftet das Ganze etwas in Esoterische ab, und man spricht plötzlich nur noch vom Momentum.

In der Physik bezeichnet es den Impuls, in der Chart-Analyse der Börsianer ein Konzept zur Messung der Stärke einer Kursbewegung, beispielsweise einer Aktie. Und im Eishockey? So richtig greifbar ist es nicht. Spielt man gut, ist es da, spielt man nicht gut, ist es verloren gegangen. Wobei nicht klar ist, was Ursache und was Wirkung ist. Und es wechselt bisweilen so schnell, dass Gerhard Polt sagen würde: „Dieses Momentum ist ein ambulantes Geschwärl“ (in etwa: Gesocks).

Im Grunde ist es doch ganz einfach, wie die Pre-Play-offs gezeigt haben. In Spiel 1 der Serie gegen Bremerhaven startete Ingolstadt gut (mit Momentum), wurde aber durch zwei unglückliche Situationen – einmal die Scheibe nicht sauber durch die Rundung gespielt, einmal mangelnde Konsequenz der Verteidiger am Ende eines sehr langen Wechsels – kalt erwischt. Momentum weg. „Dann haben wir zugelassen, dass sich ein Auf-und-Ab-Spiel entwickelt und wir nicht mehr Zeit in deren Zone hatten, was eigentlich unser Spiel ist“, analysierte Ingolstadts Danny Irmen nach dem Spiel. Andres ausgedrückt: Spiel dein Spiel, dann klappt’s auch mit dem Momentum.

In der Pressekonferenz nach dem Spiel fragte der Reporter einer regionalen Tageszeitung denn auch, ob die Auszeit, die Bremerhavens Coach Thomas Popiesch früh im zweiten Drittel nahm, auch dazu geführt hätte, dass das Momentum wechselte. Darauf antwortete dieser lakonisch: „Naja, wir waren halt müde nach einem langen Wechsel und konnten wegen Icing auch nicht wechseln. Da musste ich uns eine Pause verschaffen und habe deswegen die Auszeit genommen.“ So einfach ist es manchmal.

Nun beginnen heute Abend die Viertelfinalserien. EHC-Verteidiger Konrad Abeltshauser, frisch gekürter Defender des Jahres, sagte bei der DEL-Gala, man werde versuchen, von Anfang an das Momentum auf der eigenen Seite zu haben in den Partien gegen eben jenes Sensationsteam aus Bremerhaven: „Dene wearma sauba zoang, wo da Bartl an Moschd hoid.“ Ende der Durchsage.

So ist das eben, wenn man als Meister und Hauptrundenerster in die Play-offs startet.