Das Jahr danachTeamcheck: Adler Mannheim

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Der größte Schnitt in der Organisation der Adler Mannheim findet in dieser Spielzeit beim Trainerstab statt. Ausgerechnet Geoff Ward, der Meistermacher in der Jubiläumssaison „10 Jahre SAP Arena“, garniert mit dem lange ersehnten ersten Meistertitel nach 2007, verlässt Mannheim. Er erfüllte seine auf drei Jahre angelegtes Aufgabe somit bereits im ersten Jahr, löste karrierebewusst seinen Vertrag in Mannheim vorzeitig auf, um mit dieser frisch erworbenen Merite, solange sie noch glänzt, wieder und weiter an seinem Fortkommen in der NHL zu basteln, vorerst  als Assistenztrainer der sich im Umbruch befindenden NHL-Organisation der New Jersey Devils. Unter dem Strich ein nachzuvollziehender Schritt im schnelllebigen Sportgeschäft.

In diese übergroßen Fußstapfen wird nun Greg Ireland, Kanadier aus Orangeville (Ontario) gestellt. Greg Ireland ist laut seiner Vita sowohl ein ausgezeichneter Nachwuchstrainer (OHL, Owen Sound Attack, letzte Station) als auch ein guter Trainer im AHL-Bereich, dem in den letzten Jahren fast regelmäßig die Teilnahme an den entsprechenden Play -offs mit seinen Mannschaften gelang, jedoch der ganz große Erfolg einer Meisterschaft verwehrt blieb.

Kontakte zu Spielern, wie sie der überragend vernetzte Geoff Ward hat, wird er in dieser Saison nicht brauchen. Die Mannschaft der Adler ist eine Ward-Truppe. Seine Hauptaufgabe wird sein, die Stellrädchen, an denen Geoff Ward letzte Saison so erfolgreich war, nicht einrosten zu lassen, den Teamspirit zu erhalten und dafür zu sorgen, dass Egoismus und Eitelkeiten weiterhin unbekannte Begriffe in der Adler-Kabine sind. Man sagt Greg Ireland nach, sowohl mit Talent als auch mit Erfahrung umgehen zu können, der von ihm propagierte Spielstil ist dem von Geoff Ward ähnlich.

Mit Geoff Ward verließ Defensiv-Trainer Jay Leach die Adler, um Co-Trainer bei den WBS Penguins in der AHL zu werden. Wohl nicht als Ersatz aber eben als „Co“ wurde hier Steve Walker verpflichtet. Genau jener Steve Walker, der als Spieler mit den Eisbären Berlin fünf Meisterschaften in elf Spielzeiten feierte. An dieses Gesicht auf der Adler-Bank wird sich die Mannheimer Fangemeinde erst noch gewöhnen müssen. Er kann aber auf jeden Fall mit der Erfahrung aufwarten, wie man nach einer Meistersaison die folgende Spielzeit nicht versemmelt, was ja ein nicht ganz seltenes Phänomen ist. Erhalten bleibt den Mannheimern Craig Woodcroft, der Greg Ireland gut kennt und Torwarttrainer Brian Daccord.

Im Kader der Adler hat sich, schaut man sich die sonst stattfindenden Wechselorgien nach einer Saison in der Liga an, relativ wenig getan, aber das Wenige hat es teilweise in sich.

Die gravierendste Veränderung ist wohl der Weggang von Matthias Plachta in Richtung Arizona Coyotes, an dem man aber die Rechte behält, sollte er sich dort nicht durchsetzen können und nach Deutschland zurückkehren. Mehr Beweis für seine Leistungssteigerung im Meisterjahr gibt es  nicht.

Frank Mauer wechselte zu den Bullen nach München, irgendwie war das für ihn auch Zeit. Vielleicht hilft ihm der Tapetenwechsel, zu mehr Konstanz zu finden, will heißen, dass er die gezeigte Top-Leistung, die er in den letzten Play-offs an den Tag legte, vielleicht über eine ganze Saison verteilt auch aufs Eis bringt. Mirko Höfflin wurde nach Straubing ausgeliehen, sicher auf der Suche nach mehr Eiszeit für sich. Ob dieser Schritt richtig war, muss man sehen, zumal mit Greg Ireland ein Trainer an der Bande steht, der ein ausgezeichnetes Händchen in der Talentförderung hat. Davon dürfte vielleicht Neuzugang Philip Riefers profitieren, der von den Maßen her zweimal Mirko Höfflin ist und sicher eine Perspektivverpflichtung darstellt. Mit Ryan MacMurchy haben sich die Adler von Vizemeister Ingolstadt einen Knipser geholt, der wohl in der Lage ist, die manchmal übertriebenen, schön anzusehenden Kombinationen der Adler-Offensive einfach abzukürzen, weil er ein Spielertyp ist, der den zielgerichteten und schnellen Abschluss sucht. Zugang Brent Raedeke aus Iserlohn, mittlerweile deutscher Nationalspieler, wird die Lücke Matthias Plachta kleiner erscheinen lassen und sorgt mit seiner schnellen, körperbetonten Spielweise für Tiefe im Kader.

Was es in sich hat, ist jedoch die Verpflichtung von Marcel Goc und dessen Ausstattung mit einem Fünf-Jahres-Vertrag. Über seine Klasse braucht man nichts extra zu Papier bringen, seine Vita spricht für sich. Mit dieser Verpflichtung und unter dem Aspekt, dass Jochen Hecht eventuell seine letzte oder vorletzte Saison spielt, haben die Adler für gleichbleibende Kompetenz auf dem Eis gesorgt.

In der Defensive hat der in der Hauptrunde oft unglücklich agierende Bobby Raymond die Adler in Richtung Iserlohn verlassen, Kurtis Foster, der erst in den Play-offs „auftaute“, hat sich den diese Saison nach Größe suchenden Ice Tigers Nürnberg angeschlossen.

Gekommen ist „nur“ ein Verteidiger, Mathieu Carle aus der KHL (Zagreb). Sollte er die Eigenschaften haben, die man Kurtis Foster schon angedeihen hat lassen, nämlich körperliche Präsenz, offensiver, schussstarker Verteidiger, der sich nicht alles gefallen lässt, so hat man wohl mit einem Jahr Verspätung dieses fehlende Element in der Defensive gefunden.

Alles in allem haben sich die Adler gezielt bis top verstärkt, die bewährten Kräfte der Meistersaison, das unveränderte Torhütergespann Endras/Ziffzer dahinter, lassen vermuten, dass die Entscheidung über die Meisterschaft nur über die Adler stattfindet. Die Ziele der Organisation sind gewohnt zurückhaltend: Play-offs, bevorzugt mit Heimrecht.

Könnte klappen, Bedingungen gibt es dazu aber auch: Die Mannschaft muss ihren neuen Trainer vorbehaltlos akzeptieren, die alte Saison abhaken und sehen, dass es für den Pott der vergangenen Saison in der Neuen keine Punkte gibt.

Schlagen können sie sich eigentlich nur selbst.