Das Ende einer FernbeziehungTeamcheck: Iserlohn Roosters

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Die Iserlohn Roosters und die Play-offs. Das war lange Zeit nur eine Fernbeziehung. Meistens waren die Sauerländer gar nicht dabei oder nur auf Stippvisite. Das hat sich unter Trainer Jari Pasanen geändert. In den vergangenen beiden Spielzeiten erreichte das Team zweimal in Folge das Play-off-Viertelfinale. 2013/14 schaffte es der IEC auf dem Umweg der Pre-Play-offs, in der zurückliegenden Saison wurde Iserlohn gar Sechster und qualifizierte sich direkt. Damit war das die zweiterfolgreichste Saison seit dem DEL-Einstieg im Jahr 2000.

Eines hat sich jedoch nicht geändert. „Die Konkurrenz schnappt sich unsere besten Spieler. Damit müssen wir umgehen können“, sagt der Coach. Richtig schmerzhaft ist der Verlust von Brent Raedeke. In Iserlohn wurde er nach seiner Einbürgerung gar deutscher Nationalspieler und nahm an der Weltmeisterschaft teil. Das überzeugte den Deutschen Meister: Der 25-jährige Stürmer spielt nun für die Adler Mannheim. Mit dem Schweden Jonas Liwing und dem US-Amerikaner Sean Sullivan wechselten gleich zwei Verteidiger zu den Hamburg Freezers. „Das sind drei richtig gute Eishockeyspieler“, sagt Pasanen. Seine Stimme klingt dabei nicht nach Wehmut. In Iserlohn hat man sich daran gewöhnt.

Es gilt, mit Augenmaß das Team neu zu sortieren. Und im Zweifelsfall auch am Ende der Vorbereitung. Mit Verteidiger Mike Little, der in der vergangenen Saison vornehmlich für die Florida Everblades (ECHL) gespielt hatte, hatte man einen DEL-unerfahrenen Spieler dabei. DEL-Erfahrung wird der 27-Jährige zumindest in Iserlohn nicht sammeln können. Man trennte sich vom US-Amerikaner und nahm Michel Périard vom ERC Ingolstadt unter Vertrag. „Das war keine Entscheidung gegen Mike Little, sondern für Michel Périard“, betont Pasanen. Letztlich wohl die richtige Entscheidung. „Michel bringt viel Erfahrung mit“, so der Roosters-Trainer. 587 Mal lief er bereits in der DEL auf und wurde in der vorletzten Saison Deutscher Meister mit den Panthern. „Wir haben ein junges Team, da ist Erfahrung wichtig.“ Vornehmlich vorne ist  das Team jung. Eine gute Absicherung macht also Sinn.

Da es Daniar Dhunussow nach Köln zog, brauchte Iserlohn einen neuen Goalie – und fand ihn im Deutsch-Kanadier Chet Pickard. Der 25-Jährige lief zuletzt für die Odense Bulldogs in Dänemark auf und ist nun erstmals in Deutschland aktiv. So komplettiert sich das Duo mit dem Deutsch-Österreicher Mathias Lange.

Da in der Abwehr auch Richard Jares und Collin Danielsmeier nicht mehr dabei sind, bestand Handlungsbedarf. Mit dem 30-jährigen Bobby Raymond kommt nicht nur weitere Erfahrung von Meister Mannheim – man weiß sogar ganz genau, was man hat: Der Kanadier hatte in der Saison 2013/14 bereits am Seilersee gespielt. Jean-Philippe Côté kennt die DEL aus Kassel (wo er 2009/10 in 38 Spielen 119 Strafminuten sammelte) und Hamburg. Seither spielte er vornehmlich in der American Hockey League (zuletzt für Syracuse) und lief auch 19 Mal für Tampa Bay Lightning in der NHL auf.

Im Angriff sind neben Raedeke Alex Foster, Derek Whitmore und Jeff Giuliano als Abgänge zu verzeichnen. Die Lücken wurden mit dem DEL-erfahrenen Jason Jaspers (Mannheim, Köln, Nürnberg; 2007 mit den Adlern Deutscher Meister), Louie Caporusso (Augsburg) und dem Deutsch-Kanadier Brad Ross geschlossen, der ebenfalls zum ersten Mal in Deutschland spielt. Er kam von den Toronto Marlies aus der AHL. Dazu kommt mit dem aus dem KEV-Nachwuchs stammenden Denis Shevyrin ein Talent, das zuletzt in der amerikanischen Nachwuchsliga NAHL für die Minnesota Magicians spielte.

Mit der Vorbereitung, in der Iserlohn das Turnier in Bremerhaven gewann, zeigte sich Jari Pasanen zufrieden. „Es kommt ja vor allem darauf an, wie sich die Spieler entwickeln.“ Und mit ihnen das Team. Klar ist, dass die innigere Beziehung zu den Play-offs fortgeführt werden soll. „Alle Mannschaften, die in der DEL an den Start gehen, haben die Play-offs im Hinterkopf“, sagt Pasanen. „Ob wir sie über die Pre-Play-offs erreichen oder wieder auf dem direkten Weg, ist egal.“ Die Play-offs aber sind das Ziel. „Platz sechs zu wiederholen, ist sicher nicht leicht.“ Die Integration der acht Neuen sieht Pasanen als gelungen an. Die Stimmung ist gut.

Das gilt vor allem auch für die Ränge am Seilersee. „Gerade für unsere tollen Fans wollen wir so viel wie möglich erreichen. Wir wollen ihnen die Play-offs bieten“, sagte der Coach, der sich inzwischen in Iserlohn sehr wohl fühlt. Seit 2012/13 (zunächst als Co-Trainer, während der Saison 2013/14 übernahm er dann den Chefposten) ist er nun schon im Sauerland tätig. „Man kann sagen, dass ich mich sportlich hier heimisch fühle. Iserlohn ist ein sehr familiärer Club. Vom Betreuerstab angefangen arbeiten alle hier sehr intensiv. Iserlohn ist sehr überschaubar, aber gerade deswegen eine Eishockeystadt pur. Die Fans sind sehr euphorisch.“

Los geht es in Straubing, dann kommt Berlin. „Wir denken und arbeiten von Spiel zu Spiel.“ Gut möglich, dass aus dieser Arbeit am Ende wieder die Play-off-Teilnahme erwächst. Es wäre die dritte in Folge – und damit für Iserlohn ein toller Erfolg.