Dany Heatley? Wie? Kein neuer Torhüter?Warten auf den „Superstar“

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Die Top-Neuigkeit hat eingeschlagen und verbreitete sich rasend schnell unter den Fans. Nur ich brauchte ein paar Sekunden, um mich von meinem Torhüterwahn zu befreien.

Es war Donnerstag, der 17. September 2015, als um 11:09 Uhr mein Outlook-Fenster aufpoppte. Absender der eingegangen E-Mail: die Thomas Sabo Ice Tigers. Mein erster Gedanke: „Ah, der neue Goalie ist da. Ob es Rob Zepp oder doch ein anderer ist?“ Selbst das Wort „Superstar“ machte mich noch nicht stutzig und ich hielt weiter an der Torhüteridee fest. Als ich mir die E-Mail jedoch genauer angesehen und schließlich den Namen „Dany Heatley“ gelesen hatte, war ich irritiert. Dany Heatley? Wie? Kein Torhüter? Ich weiß gar nicht mehr, was mich mehr überrascht hatte: Die Tatsache, dass es sich um keinen neuen Keeper handelte oder dass der Neue Dany Heatley hieß.

Hätte ich die Neuigkeit zuerst auf Facebook oder Twitter gelesen, wäre mein Torhütergedanke wohl noch im Keim erstickt worden. „The Heat is on“ kündigten die Ice Tigers ihre Neuverpflichtung stolz an. Jetzt war alles klar. Die Meldung machte schnell die Runde. Ein Chatfenster nach dem anderen blinkte auf. Kollegen fragten mich: „Na, was sagst du dazu?“ Freunde wollten wissen: „Freust du dich schon auf den Neuzugang?“ Ehrlich gesagt, konnte ich das in diesem Moment noch nicht beantworten. Erneut las ich mir die E-Mail durch und veröffentlichte die Pressemitteilung, bevor ich mich zu einem Termin aufmachte. Doch los ließ mich die Nachricht nicht.

„Hier will ich spielen!“

Dany Heatley, ehemaliger NHL-Star (946 NHL-Spiele, 388 Tore, 466 Assists), der unter anderem 2002 die Calder Memorial Trophy als Rookie des Jahres gewann und an zwei All-Star-Games teilnahm. Das mussten die Fans – und ich – erst einmal verdauen. Während der Großteil in Euphorie ausbrach, zeigen sich Kritiker skeptisch und trauen dem 34-Jährigen keinen großen Coup mehr zu. So spielte der Olympiasieger von Vancouver (2010) vergangene Saison erstmals in der AHL. Unter anderem für die Norfolk Admirals mit deren Kapitän und Neu-Ice-Tiger David Steckel.

In Nürnberg trifft der in Freiburg geborene Deutsch-Kanadier einige Weggefährten und Freunde wieder. David Steckel, Derek Joslin, Colin Fraser, Kurtis Foster, Steven Reinprecht – Heatley habe einen Blick auf den Kader geworfen und Martin Jiranek mitgeteilt: „Diese Mannschaft gefällt mir. Hier will ich spielen!“ Dass sein jüngerer Bruder Mark bereits seit Jahren in Süddeutschland lebt und aktuell für Zweitligist SC Riessersee in Garmisch-Partenkirchen stürmt, hat sicherlich ebenfalls eine Rolle bei seiner Entscheidung gespielt. Auch wenn Jiranek das anders sieht: „Da gibt es noch andere DEL-Vereine in der Nähe“, scherzt der Nürnberger Sportdirektor. 

Bereits Anfang August kam der Kontakt zwischen den Franken und dem ehemaligen NHL-Star zustande. Martin Jiranek erinnert sich: „Er wollte sich überlegen, nach Europa zu wechseln, sollte er keinen Ein-Wege-Vertrag in der NHL erhalten." Jetzt ist er tatsächlich da. Am Samstag landete das Flugzeug mit Dany Heatley verspätet am Albrecht Dürer Airport Nürnberg, wo mit Steven Reinprecht ein alter Bekannter auf ihn wartete. Und natürlich sind die Erwartungen an den Torjäger hoch. Unter Druck setzt ihn Jiranek allerdings nicht: „Wir erwarten nicht, dass er 40 Tore schießt. Doch er wird auf jeden Fall eine Verstärkung in der Offensive sein.“

Heatley „auf Eis gelegt“          

Bis es so weit ist, müssen sich die Fans aber etwas gedulden. Heatley wird zunächst nämlich nicht ins Spielgeschehen eingreifen. Das Trainerduo möchte dem Neuzugang eine Woche Trainings- und Eingewöhnungszeit geben. Wann genau die Fans den neuen Ice Tiger zum ersten Mal bejubeln dürfen, darauf möchte sich Jiranek noch nicht festlegen. Ob er bereits am Freitag in Augsburg aufläuft oder sich erst gegen Wolfsburg dem Heimpublikum stellt, hängt vom Trainingsverlauf ab. Also heißt es: Abwarten! Und für mich: „The Heat is on“ von Glenn Frey in Dauerschleife hören, bis ich in den 80ern angekommen bin.

Ein schönes Rest-Wochenende wünsche ich! Bis bald zurück in der Eishockey-Zukunft!