Daniel Weiß: „Ich dachte nur noch: der muss rein!“

Lesedauer: ca. 3 Minuten

Es war mit 14.000 Zuschauern die größte

Kulisse, vor der je in Berlin Eishockey gespielt wurde, als die Eisbären am

Sonntag den bisherigen DEL-Tabellenführer Augsburger Panther vom Eis der o2

World fegten. Und das die Menge so über die Maßen begeisternde 11:0 war zugleich

der höchste Heimsieg der Hauptstädter in der DEL. Am Ende des Tages hieß der

neue Spitzenreiter Eisbären Berlin, der nur 2002 ähnlich gut, nämlich mit vier

Siegen in den ersten vier Spielen, in eine DEL-Saison gestartet war.

 

Das blinde Verständnis der über Jahre

gewachsenen Mannschaft untereinander, ihre Homogenität, ließ den geradezu

bemitleidenswerten Augsburgern am Sonntag nicht die geringste Chance auf einen

Erfolg. Das war selbst dann noch so, als Chefcoach Don Jackson die Sturmreihen

wegen der Ausfälle von Nathan Robinson (muskuläre Probleme) und André Rankel

(Rippenverletzung) umbauen musste. Andere sprangen ein, so wie das Bruderpaar

Alexander (22 Jahre) und Daniel Weiß (18). In der 47. Spielminute legte der

Ältere dem Jüngeren bei einem Unterzahlbreak der Eisbären zu seinem ersten

DEL-Treffer auf. „Als der Pass von Alex kam, dachte ich nur noch, den musst du

jetzt rein machen! Der muss rein, einfach rein!“ Es war das 8:0 für die

Hausherren. „Den Puck“, erzählt Daniel Weiß glücklich, „hat mir

Mannschaftsbetreuer Dirk Perschau gesichert.“ Dass diese Hartgummischeibe nun

einen besonderen Platz erhält, steht wohl außer Frage. Alexander Weiß meinte zum

gerade Erlebten: „Die Stimmung im Wellblechpalast war schon gut, aber scheinbar

wird es hier noch besser. Einige werden vielleicht sagen, das war ein leichter

Sieg. Aber elf Tore musst du auch gegen Augsburg erstmal schießen.“

 

Er hat an die 500 NHL-Spiele auf dem

Buckel, war in der vergangenen Saison der beste DEL-Verteidiger und ist mit

seinen 32-Jahren ein ganz Erfahrener, den nur noch wenig aus dem Häuschen

bringen kann: Eisbären-Verteidiger Deron Quint. Der US-Amerikaner hat seinen

Namen im Geschichtsbuch der o2 World als Heimspielstätte der Eisbären für die

Ewigkeit eingetragen. In der 6. Spielminute des Premierenspiels löste Deron

Quint den ersten Torjubel in einem DEL-Spiel in der o2 World aus. „Es ist

unglaublich, was sich hier heute abgespielt hat! Das erste Tor in dieser Arena

erzielt zu haben, macht mich schon ein bisschen stolz“, sagte der Torschütze mit

einem verschmitzten Lächeln im Gesicht. Diesen Eintrag kann ihm nun auch keiner

mehr nehmen, kann kommen was will.  

­Sicher, es war ein außergewöhnliches

Spiel in einer ebensolchen Atmosphäre, die auch die Verantwortlichen, wie den

Chef der Anschutz Gruppe in Europa, Detlef Kornett, euphorisierte und bezüglich

der erwarteten Zuschauerzahlen für den „Rest“ der Saison im Interview mit

TV-Sender Premiere zu mutigen Aussagen verleitete. Ob man solches aber beliebig

wiederholen kann, muss gewiss noch abgewartet werden. Schlecht stehen die

Chancen für ein Gelingen nach dem gestrigen Tag aber nicht.  

Frankfurt Lions vs. Eisbären Berlin­­

Das Fingerspitzengefühl, das man bei der

Preisbildung für Speis und Trank in der o2 World noch etwas vermissen ließ,

brachte man jedoch umso mehr bei der Gestaltung des Rahmenprogramms auf. Das

kommt nämlich mit wenig Tamtam und quasi ohne die in vielen Großarenen übliche

Animation daher, fällt sogar eher schlicht aus. Die Macher verließen sich hier

offenkundig auf die Eisbärenfans und wurden in ihrer Hoffnung zumindest zum

Auftakt alles andere als enttäuscht. Vom großzügig gestalteten Stehplatzblock

sprang der Funke schnell auf die Sitzplatzreihen über und entzündete so ein

wahres Euphoriefeuerwerk mit La Ola und stehenden Ovationen, dem sich kaum

jemand auf den Rängen entziehen konnte. Den Grundstein dazu legte freilich ein

Eisbären-Team, das wie entfesselt aufspielte. „Großartig“, fand die Atmosphäre

auch Eisbären-Kapitän Steve Walker. „Es ist ja bekannt, dass die europäischen

Hockeyfans ihre Mannschaften besonders laut unterstützen. Aber dafür, was heute

hier los war, fehlt mir jeder Vergleich. Es hat einfach tierisch Spaß gemacht,

mit dieser Mannschaft vor diesen Fans zu spielen.“ (mac/ovk) 

Fotos by City-Press

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DEL Hauptrunde

Sonntag 23.02.2020
Thomas Sabo Ice Tigers Nürnberg
5 : 3
Eisbären Berlin Berlin
Krefeld Pinguine Krefeld
3 : 4
Straubing Tigers Straubing
Augsburger Panther Augsburg
4 : 2
Adler Mannheim Mannheim
EHC Red Bull München München
2 : 3
Düsseldorfer EG Düsseldorf
ERC Ingolstadt Ingolstadt
4 : 3
Schwenninger Wild Wings Schwenningen
Iserlohn Roosters Iserlohn
4 : 3
Fischtown Pinguins Bremerhaven
Dienstag 25.02.2020
Kölner Haie Köln
- : -
Grizzlys Wolfsburg Wolfsburg
Donnerstag 27.02.2020
Schwenninger Wild Wings Schwenningen
- : -
Grizzlys Wolfsburg Wolfsburg
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