Christian Künast: „Ein guter Trainer ist auch ein guter Psychologe“Co-Trainer auf Zeit

Christian Künsast hilft aktuell bei den Straubing Tigers aus. (Foto: Imago)Christian Künsast hilft aktuell bei den Straubing Tigers aus. (Foto: Imago)
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Für Christian Künast begann das neuerliche Abenteuer DEL kurz nach der Freistellung von Rob Wilson. Künast erinnert sich: „Das ist am Freitagabend sehr überraschend gekommen. Aber irgendwo war klar, als der Anruf kam, dass es um das Thema geht. Ich habe mich, auch auf Wunsch von meinem EHC-Vorstand, zur Verfügung gestellt und helfe jetzt bei den Tigers aus. Das ist für mich nur eine kurzfristige Sache.“ Für ihn ist klar, der Weg geht in absehbarer Zeit zurück auf den Platz des Cheftrainerstuhles beim EHC. „Ganz klar! Da gibt es überhaupt keinen Zweifel. Die Aufgabe bei EHC macht mir Spaß. Dass ich zurückgehe, schulde ich auch meinem Vorstand beim EHC, weil die mir super Arbeitsbedingungen geschaffen haben. Es gibt für mich eigentlich keinen Grund, da wegzugehen.“ Einen strengen Zeitplan hat man sich aber nicht gesteckt: „Nein, es gibt keinen Zeitplan. Bernie und ich arbeiten jetzt von Tag zu Tag. Gerade haben wir noch kurz besprochen, was wir morgen machen würden, und dann schauen wir einfach.“

Geht es nach den Fans, könnten sich diese das Gespann Englbrecht / Künast durchaus längerfristig vorstellen. Immerhin hat Christian Künast einen ansehnlichen Lebenslauf vorzuweisen. DEL-Spieler, DEL-Meister, Nationalspieler oder als Trainer eine DEL-Meisterschaft an der Seite von Hans Zach. „Es gibt ja den Spruch ‚sag niemals nie‘.“ sagt Künast. „Eishockey ist eine kleine Welt, da kann viel passieren. Ich glaube, der Weg der Tigers ist, dass sie einen neuen Trainer holen. Die Zuschauer und Fans sagen jetzt vielleicht schon ‚das ist eine gute Lösung‘, aber wie schaut es in vier Wochen aus, wenn die Lösung vielleicht doch nicht so funktioniert?“

Mit der Abstellung des EHC-Trainers an die Tigers drängt sich natürlich die Frage auf, was bleibt dadurch beim EHC liegen? „Bis jetzt gar nichts. Heute nehme ich mir heraus, einen freien Nachmittag zu machen, weil ich gestern keinen gehabt habe. Wir haben beim EHC gute Trainer, das ist gut delegiert. Das passt schon. Beim EHC ist eine Linie drin, das geht auch mal ohne mich.“

Bei den Tigers mussten zunächst natürlich die Aufgaben zwischen Bernie Englbrecht und Christian Künast verteilt werden. Dazu sagt Künast: „Im Spiel in Schwenningen war es so, dass er die Stürmer gemacht hat und ich die Verteidiger. Heute im Training hat er natürlich einen Großteil gemacht. Ich habe ein, zwei Übungen gemacht, wo ich meine, dass Nachholbedarf ist. Ich habe halt eine andere Sichtweise, weil ich eigentlich weit weg bin. Das haben wir so durchgezogen, das passt schon.“ Weit weg? „Mit ‚weit weg‘ meine ich, ich war nicht nah an der Mannschaft dran. Ich sehe zwar was und höre auch was, aber das ist immer etwas anderes, wenn man in der Kabine, im Bus oder auf dem Eis ist. Darum war ich ‚weit weg‘. Da ist die Sichtweise am Anfang nicht so schlecht. Man kann sich sein eigenes Bild machen, man kann eigene Ideen einbringen, die einer alleine vielleicht nicht so sieht, oder mehrere die schon länger dabei sind.“

Dabei geht Künast wirklich nahezu unvorbelastet an die neue Aufgabe heran: „Das ist eigentlich ganz lustig. Ich habe diese Saison bisher nur ein Spiel der Tigers gesehen. Zu Hause gegen Ingolstadt. Im Nachwuchs heißt es auch lange arbeiten. Wenn ich Zeit hatte, war es ein Auswärtsspiel. Und dann ist man ja auch mal froh, wenn man nicht im Eisstadion ist.“

In den Straubinger Medien war unter anderem zu lesen, dass auch der sportliche Leiter Jason Dunham ein Wort mehr mitsprechen wird. Im Training saß er jedoch wie gewohnt in einer der oberen Reihen und beobachtete die Einheit. Künast sagt dazu: „Jason lässt Bernie freie Hand. Ich finde das ganz gut, weil Bernie jetzt auch die Verantwortung hat, bis der Tag kommt, an dem ein neuer Chef hier ist. Bernie macht das sehr gut. Er trifft gute Entscheidungen, er trifft sie auch aus dem Bauch heraus, wie es sein soll. Ich glaube, er hat das auch mit der Reihenzusammenstellung in Schwenningen gut gemacht.  Das wird er auch dieses Wochenende wieder machen, sollte noch kein neuer Cheftrainer hier sein.“

Mit einem neuen Trainer verbindet man immer das geflügelte Wort vom neuen Impuls. Christian Künast sieht das eher entspannt: „Mei, Impulse, es ist halt mal eine andere Stimme. Ich versuche, positiv zu bleiben, auch im Spiel. Man merkt, die Jungs sind frustriert. Es ist nicht einfach, wenn man am Boden ist. Da hilft von mir am besten, immer positiv zu bleiben, auch wenn mal was schief läuft. Ich glaube, ein paar gute Worte helfen da am besten.“

Doch einige sagen schon länger, dass es in Straubing keinen neuen Trainer braucht, sondern eher einen Sportpsychologen. Gute Beispiele dafür gibt es genug. Auch der Erzrivale aus alten Zeiten, der EV Regenburg, arbeitete schon erfolgreich mit einem Sportpsychologen. Die Fußball-Weltmeister hatten und haben mit Prof. Dr. Hans-Dieter Hermann ständig einen Sportpsychologen an ihrer Seite. Auch der ein oder andere Spieler gesteht, dass man so etwas durchaus mal versuchen könnte. Vor allem da einige Spieler auch gestehen, dass es das schwerste ist, sich in dieser Situation zu motivieren. Künast hat zu dem Thema eine andere Meinung: „Ich glaube, eine Mannschaft kann sich immer selbst rausziehen. Wenn man unten steht, ist es doppelt schwer. Man braucht ein Erfolgserlebnis. Manche brauchen einen Psychologen, manche brauchen keinen. Ich persönlich brauche keinen.“ Aufgrund der vielen positiven Beispiele kann die Idee aber nicht ganz verkehrt sein. „Nein, ich sage nicht, dass sowas ganz verkehrt ist. Die Eisbären Berlin haben das auch. Ich finde es gut, wenn man einen hat, kann man das Angebot nutzen, man muss es aber nicht. Den braucht nicht die ganze Mannschaft, aber die Spieler wissen, sie können zu ihm gehen, aber sie müssen nicht. Das ist ganz wichtig. Ich persönlich bin der Meinung, man braucht ihn nicht. Meine Meinung ist, ein guter Trainer ist auch ein guter Psychologe.“

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