Chernomaz enttäuscht: „Sind rumgelaufen wie 21 Gummihühner“

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Direkt nach Spielende lief Lions Coach Rich Chernomaz schnurstracks und

sichtlich angefressen in die Kabine, um erste Worte an seine Mannschaft nach der

verdienten 1:3-Heimniederlage gegen die Kölner Haie zu richten. Niemand konnte

ihn auf seinem Weg aufhalten, auch nicht der Fernsehreporter von Premiere, der

gerne ein Interview mit ihm führen wollte. „Ich habe kein Interview

verweigert“, so Chernomaz später, „ich wollte einfach erst mit der

Mannschaft reden“, stellte Chernomaz klar, um im nächsten Satz mit einem

Augenzwinkern zuzugeben, dass es vielleicht doch eine kleine Verweigerung war,

um nichts unüberlegtes vor der Kamera zu sagen.


Nach der ersten Saisonniederlage der Frankfurt Lions sprudelte es im weiteren

Verlauf des Abends dann aber doch nur so aus dem Lions Coach heraus. Frustabbau

oder so ähnlich konnte man das bezeichnen, was er sämtlichen Journalisten in

gut 15 Minuten aufs Papier für deren Nachdreh diktiert hatte. Anschließend

stand Chernomaz auf, lächelte und sagte: „Jetzt geht es mir besser.“ Wer

den Trainer der Lions aber kennt, weiß auch, dass Chernomaz üblicherweise

nicht unüberlegt so hart in der Öffentlichkeit handelt. Nein, dahinter

verbirgt sich oft pure Berechnung und Provokation an einzelne Spieler, die dann

tags drauf in den Gazetten lesen können, was der Trainer denkt. So griff

Chernomaz beispielsweise vor dem ersten Spieltag Pat Lebeau indirekt an.

Ergebnis der öffentlichen Provokation: Pat Lebeau führt nach den ersten beiden

Spielen die Scorerliste der DEL an.


Beim gestrigen Spiel gegen die Kölner Haie monierte Chernomaz vor allem den

Einsatz und den Willen: „Wir haben keinen Check zu Ende gefahren, sind wirr über

das Eis gefahren und waren kein bisschen bissig in den Zweikämpfen. Man kann

verlieren, keine Frage, aber nicht so. Ich bin total enttäuscht. Wir haben

gespielt, wie 21 Gummihühner.“ Ihr Fett bekamen diesmal vor allem die

Deutschen Spieler der dritten (Jocher, Sulkovsky, Strakhov) und der vierten

Reihe (Rautert, Bassen, Danner) ab. „Wir sind noch lange nicht komplett in der

Mannschaft. Momentan ist das die beste Chance für jeden Deutschen zu zeigen,

was er kann. Sie haben alle viel Eiszeit. Aber was machen sie daraus? Ich bin müde,

mich jedes mal mit ihnen über ihre Leistung zu unterhalten“, schimpfte

Chernomaz.


Auffällig war, dass es den Lions tatsächlich am Einsatz fehlte und am eigenen

Glauben. Nur so ist es zu erklären, dass es kaum ein Aufbäumen gab nach dem

1:3, obwohl ja noch 17 Minuten zu spielen waren. Auch nahm Chernomaz Torwart Ian

Gordon nicht zugunsten eines weiteren Feldspielers vom Eis, und schickte in der

Schlussphase vermehrt seine dritte Reihe aufs Eis. „Am Sonntag in Duisburg müssen

wir besser spielen, sonst haben wir keine Chance. Duisburg spielt noch

aggressiver als die Kölner, gerade zu Hause“, warnt Chernomaz. Fehlen wird

den Lions in Duisburg weiter Martin Reichel, der an den Folgen eines

Muskelfaserisses leidet. (Frank Meinhardt - Foto: City-press)

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