Bye bye Friedrichspark - forever

Klare Worte bei den AdlernKlare Worte bei den Adlern
Lesedauer: ca. 3 Minuten

Blaue Lichter, die Humba, ein Trompeter, der "Time to say goodbye" bläst:

Im Mannheimer Friedrichspark gehen die Lichter aus, endgültig und

unwiderruflich. Eine Ära ist zu Ende gegangen: "Legende, Mythos,

Friedrichspark", skandieren Tausende, und "Hier regiert der MERC"

oder "Danke, danke Friedrichspark".


Nachts stellen Menschen Grablichter auf, Fremde liegen sich weinend in den

Armen. Wer nicht aus Mannheim stammt und hier gelitten und gejubelt hat, der

kann es sich vielleicht nicht vorstellen, aber für die blau-weiß-roten Anhänger

ist dieser Abschied herzzerreißend. Die Supporter Crew der Adler hat alles

gegeben, bis zuletzt, um den Mann zu unterstützen, der einen solchen Abschied

erst möglich gemacht hat: Marketing-Chef Dag Heydecker.


Und er hat für Höhepunkte gesorgt, am ersten Tag die Adler-Stars (wir

berichteten), am zweiten Nostalgie pur. Da kommt das Meisterteam von 1980 und

tritt an gegen ein MERC-All-Star-Team. Heinz Weisenbach hat schon den Zylinder

in der Hand, als er das Stadion betritt. Wie damals, als die Meister beim

letzten Spiel fein gewandet vor ihr Publikum traten. Weisenbach allerdings trat

damals mit Polizeiuniform auf.


Roedger, Ascherl, Meeke, Kaspar, Andruff, Hoppe, Weißhaupt, Vorlicek und viele

andere werden frenetisch gefeiert von den Fans, die alle alten

Anfeuerungsrufe noch kennen. "Etz, Etz, Etz, der Puck, der muss ins

Netz" etwa. Mit auf dem Eis übrigens auch Adler-Sportmanager Marcus Kuhl

und er macht gar keine schlechte Figur. Wie seine Mitspieler auch, erstaunlich,

was die Männer noch leisten können.


Im All Star Team sind auch zwei Riesserseer: Butzi Reil, der immer ein

Vorbildsportler war, ein sympathischer dazu. Er erinnert sich noch gut an

Spiele an dieser Stelle, im Jahre 1980 etwa. Da hieß der größte Konkurrent

des MERC Riessersee und dafür trat der Werdenfelser Reil an. Auch in jenem

schicksalsschweren Spiel, als selbst der mächtige und unvergessene Vlado

Dzurilla im Tor der blau-weißen nicht mehr alles retten konnte und Mannheim

gewann, eine Vorentscheidung zur Meisterschaft. Damals zogen die Riesserseer in

den "Zwischenakt" auf Einladung des Sponsors Zanussi. Reindl,

Konstanzer, Gailer, und eben auch Reil hießen damals die Cracks unter Trainer

Dr. Jarno Starsi. Im Jahr danach gab es übrigens eine Revanche, Riessersee

wurde Meister. Und immer gab es heiße Kämpfe der beiden Kontrahenten,

"hier im Friedrichspark aufzulaufen, das war schon etwas ganz besonderes",

erinnert sich Reil, der später das Tikot wechselte.


Auch Schorch Holzmann, heutiger SC Riessersee-Trainer, wurde ein Mannheimer und

spielte gerne hier. Für ihn eine Selbstverständlichkeit, an

die alte Wirkungsstätte zurückzukehren, um ihr die Achtung zu erweisen. Das

Spiel gerät dabei fast zur Nebensache, obwohl es verblüffend ist, mit

welcher Schnelligkeit die Cracks von einst heute zur Sache gehen. Vor allem aber

wird überall Abschied genommen. Wo immer man hintritt, es könnte das letzte

Mal sein, in der Gaststätte, am Brezelstand, beim Zeitschriftenverkäufer,

sogar in den wie immer unzureichenden Toilettenanlagen. Es gibt wohl keinen, der

dieses Stadion ungerührt verlässt. Ordnungsdienstleiter Wolfgang Englert etwa,

der Jahr und Tag hier Dienst geschoben hat, oder Schiedsrichter-Betreuer Vörg,

er ist seit 48 Jahren dabei, oder das Ehepaar Setzer, das seit über drei

Jahrzehnten immer und überall zur Stelle war, wo es gebraucht wurde. Oder

Stadionverwalter Andy Morray, der nach und nach alles ausgeräumt hat, mit

blutendem Herzen.


Auch die Offiziellen trauern. Hans Schneiders etwa, ein ehemaliger Spieler, der

an dieser Stelle die schönsten Jahre seines Lebens verbracht haben mag. Oder

der frühere Bürgermeister Manfred David, der 1980 mitfeierte. Oder Dr. Peter

Kurz, der jetzige Amtsinhaber, der schon als kleiner Bub beim Eishockey war

"da drüben auf dem Stehplatz, und die Namen und Nummern der 80er

Mannschaft kenn ich noch auswendig". Doch irgendwann ist Schluss und da

stehen sie, die Tausende, in ihrem Friedrichspark, den sie vermutlich nie mehr

sehen werden von innen. Die Stadt muss ihn versiegeln, die Adler geben die Schlüssel

ab, sagt Geschäftsführer Matthias Binder.


Viele Fans bleiben noch und lassen die Gewissheit in sich einsinken, dass es nun

wirklich vorbei ist. Die Spieler und einige Gäste ziehen ins Lindbergh weiter,

in eine Gaststätte mit einer angenehmen Atmosphäre. Bei der Players Night gibt

es noch einmal jede Menge Gesprächsstoff, über alte und neue Trainer etwa und

natürlich über neue Co-Trainer, Spielerverpflichtungen und

Eishockey-Philosophien. Und über Gott und die Welt im allgemeinen und im

besonderen. Da sind alte Freude unter sich. Wie Harold Kreis und Mike Rosati.

Beides Ehemalige, Spieler und Co-Trainer und doch mit dem Herzen näher an den

Adlern als viele andere.

(Angelika von Bülow)

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