Bob Manno bringt Tigers auf Touren

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Bob Manno hatte sich das Bier, das er sich am Sonntagabend in Nürnberg zur Pressekonferenz nach dem Spiel aufmachte, redlich verdient. Der Coach der Straubing Tigers konnte auf ein Sechs-Punkte-Wochenende anstoßen. Er hatte damit eine Trendwende herbeigeführt, die ein paar Tage zuvor noch kaum jemand für möglich gehalten hatte.

„Sechs Punkte, das ist großartig. Wir haben wirklich bessere Arbeit abgeliefert, nachdem man uns am letzten Wochenende noch in den Hintern getreten hatte“, spielte der Italo-Kanadier auf die den Siegen gegen Köln (4:3) und in Nürnberg (3:2) vorausgegangenen Niederlagen in Hamburg (2:5) und Wolfsburg (4:9) an. „Es freut mich, wie die Mannschaft jetzt aufgetreten ist und wie sie zusammengefunden hat.“

Dabei waren die zwei Siege der Niederbayern weit bedeutender, als es die zwei Dreier widerspiegeln können. Es war für Straubing das erste Sechs-Punkte-Wochenende seit 13 Monaten. In Nürnberg gab es die ersten Saisonzähler auf fremden Eis nach sechs Auswärtsniederlagen und zugleich den ersten Erfolg bei den Ice Tigers in der noch jungen DEL-Geschichte der Straubinger überhaupt (zuvor vier Niederlagen). In der Tabelle hat man Platz 13 verteidigt und sogar Tuchfühlung zu Rang neun (drei Punkte Rückstand) hergestellt.

Viel wichtiger aber noch: es ging ein spürbarer Ruck durch das Team der Tigers, nachdem Bob Manno unter der Woche den Charakter eingefordert und seine Cracks damit an der Ehre gepackt hatte. Jetzt konnte er feststellen: „Das Auftreten der Mannschaft hat sich wirklich geändert.“

Voreilige Schlüsse will der 51-Jährige daraus aber noch nicht ziehen, den Blick in die nahe Zukunft verbindet er noch mit einem Vielleicht: „Vielleicht sind wir jetzt ums Eck“, sagte er. Oder auch: „Vielleicht war das ein Aufwachen.“ Er weiß, wie schnell sich das Blatt auch wieder wendet.

Zumindest konnte der bereits etwas in die Schusslinie geratene Bob Manno mit dem sicheren Gefühl, ja sogar mit dem Beweis aus dem Wochenende gehen, dass er die Mannschaft noch erreicht. Er hat den Weg gefunden, mit dem er für die zwei jüngsten Spiele das Feuer schüren konnte. Der erhöhte Druck brachte die Mannschaft auf Touren, die nun verstanden hätte, so der Trainer, was es an hartem Einsatz und an Intensität brauche, um erfolgreich zu sein.

„Jetzt wissen wir, dass wir es schaffen können. Wir wissen, es ist möglich erfolgreich zu sein und dass wir genug Talent und Charakter in der Mannschaft hatten“, sagte Bob Manno mit auffällig ruhiger und zufriedener Stimme, in der ein Stück weit Erleichterung mitschwang. Für ihn ist das eine wichtige Erkenntnis, vielleicht sogar die wichtigste überhaupt für die weitere Saison.

Auf Nachfrage ließ er auch einen kleinen Einblick in sein Seelenleben zu: „Ich fühle mich jetzt schon besser als vor einer Woche. Als Trainer versuche ich aber möglichst ausgeglichen zu sein, ohne Hochs und Tiefs.“

Dass das Wochenende in ein Tigers-Hoch führte, wollte er indes nicht an einzelnen Spielern und deren Auftreten festmachen. „Das ganze Team hat Einsatz gezeigt, angefangen von den zwei Torhütern bis hin zum letzten Feldspieler.“ Selbst die Ausfälle von Wade Skolney (gesperrt) und Eric Meloche (Rückenverletzung) konnten am Sonntag in Nürnberg so kompensiert werden.

Das lag auch daran, dass die Mannschaft das System von Bob Manno nun mehr und mehr verinnerlicht zu haben scheint, es besser umsetzte als zuvor und eine gewisse Konfusion gewichen ist. „Es spielte keine Rolle mehr, welche Reihe ich gebracht habe“, stellte der Tiger-Dompteur fest. Besonders hob der Coach die Arbeit der Special Teams und auch das Positionsspiel, das gerade in Nürnberg prächtig klappte, hervor.

An einzelnen Spielern durfte man den Aufschwung in Straubings DEL-Team auch nicht festmachen, dennoch gehörten vor allem der letztjährige Topscorer Eric Chouinard, Darin Olver sowie die Verteidiger Andy Canzanello, Jon Klemm und Stephan Wilhelm zu den größten Gewinnern des Sechs-Punkte-Wochenendes. Sie offenbarten ihren Wert für die Tigers. Andere wie Calvin Elfring, Bill Trew, Matt Hussey oder Dusan Frosch bestätigten diesen.

Dustin Whitecotton konnte seine Möglichkeiten indes mehr als nur andeuten. Der Kanadier startete nach einer Schulterverletzung jetzt verspätet in seine erste DEL-Saison und hinterließ mit viel Lauffreude und auch gleich einem Treffer einen prächtigen Eindruck. Bob Manno drückte es so aus: „Es ist großartig, dass er zurück ist.“

Wermutstropfen gab es am Wochenende aus Straubinger Sicht nur eine klitzekleinen. Brian Maloney hatte am Sonntag in Nürnberg den elften Saisontreffer von Bill Trew zunichte gemacht, als er ins Abseits fuhr und das Empty-Net-Tor des Deutsch-Kanadiers deshalb nicht anerkannt werden konnte. Bob Manno war das am Rande sogar einen kleinen Scherz wert, so gelöst war seine zuletzt doch arg angespannte Stimmungslage nun wieder - und das am wenigsten des Biers wegen, das er sich in Nürnberg gönnen durfte.

Foto by Mendax-Press 

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