Blake-Wheeler-Festspiele in MannheimMannheim - München 2:5

Die Reihe um Marc El-Sayed war die beste der Adler. (Foto: Sebastian Sendlak - www.stock4press.de)Die Reihe um Marc El-Sayed war die beste der Adler. (Foto: Sebastian Sendlak - www.stock4press.de)
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Der Lockout-Spieler Blake Wheeler, der normalerweise in Harold Kreis‘ Geburtsort Winnipeg bei den Jets in der NHL spielt, sorgte beim Spiel seiner Münchner Bullen in Mannheim für Tristesse bei den Adlern. Drei Tore, ein Assist waren nur ein Teil seiner Spielpräsenz, die andere ist, dass er sichtbar und unterstützt vom normalerweise bei der Colorado Avalanche spielenden Paul Stastny, der zu Münchens Sieg ein Tor und zwei Assists beisteuerte,  Denker und Lenker dieser Münchner Mannschaft war.

„Ein richtig guter Spieler ist für mich der, der nicht nur Tore schießt und scort, sondern auch seine Mitspieler besser macht“, lautete der treffende Kommentar von Marcus Kuhl zu „Six Wheeler“. Denn egal, ob Martin Buchwieser (momentaner Top-Scorer des EHC München) oder nach dessen Spieldauerstrafe wegen hohen Stocks mit Verletzungsfolge der in dieser Reihe eingesetzte Jason Ulmer (drei Assists), seine Art das Spiel zu sortieren und zu lesen, seine Art Mitspieler einzusetzen, war eine Augenweide und macht sie einfach besser. Die anderen nach Buchwiesers Hinausstellung 15 Feldspieler, die München aufbieten konnte, „überbrückten“ die Zeit, die Wheeler und Co. nicht auf dem Eis waren, mit einfachem, direkt gespieltem Eishockey mit viel Herz. Jochen Reimer im EHC-Tor, ein Guter seines Fachs, sorgte für den Rest, d.h. von den 25 Schüssen, die die Adler auf sein Tor feuerten , musste er nur zwei Pucks passieren lassen während zweier Überzahlsituationen für die Adler im ersten Drittel, verantwortlich dafür waren Adam Mitchell (6.) und Michael Glumac (14.).

Neben den zwei Toren waren die Highlights bei den Adlern Dennis Endras, der zwar von den 41 Münchner Schüssen fünf aus dem Netz fischen musste, an der Niederlage aber schuldlos war. Es ist eher anzumerken, dass ohne seine Paraden diese Niederlage deutlich höher ausgefallen wäre, was ihn nicht wirklich trösten wird. Ein Sonderlob gilt auch im heutigen Spiel der sogenannten vierten Reihe um Marc El Sayed, Mirko Höfflin und Aushilfsstürmer Florian Kettemer, die einzige Reihe mit Biss, erkennbarem Willen das Spiel gewinnen zu wollen, die einzige Reihe, die auch mal die Kreise der Wheeler-Reihe störte und vor allem selbst erwähnenswerte  Akzente nach vorne setzte. Vielleicht sollte man diese Reihe im nächsten Spiel mal an Nummer eins setzen, damit einige Spieler der Adler, die jetzt schon Wochen ihrer Form hinterherlaufen (deswegen ist auch das Argument der vielen Verletzten nur teilweise stimmig), erkennen, dass es langsam zu einer Sache der Ehre wird, diesen Schlendrian zu beenden.

Man hat heute gesehen, wie es ist, wenn man einen Spielertyp wie Blake Wheeler hat, der seine Mannschaft führt und mitreißt, hier fehlt den Adlern ein Marcel Goc, der vor seiner Verletzung mehr und mehr in diese Rolle schlüpfte. Jason Pominville, neuster Mannheimer Zugang aus der NHL, dort Kapitän der Buffalo Sabres,  wird das, wenn er sich in Mannheim eingewöhnt hat, auch können. Die Frage ist nur, was passiert, wenn die NHL wieder spielt und neben Pominville und Goc dazu dann auch noch der solideste Verteidiger der Adler, Dennis Seidenberg, wieder weg ist. Das ist offen, aber Fakt ist auch, dass diese Truppe den Charakter und das Können für deutlich mehr hat, die Frage ist hier nach dem Grund, warum sie das nicht abruft, das entscheidende Mehr an Wollen, um ihre Spiele zu gewinnen. Da kommt viel Arbeit auf das Trainergespann zu. Zeit ist ja diese Woche, anders als während  der Spielehatz der letzten Zeit, um sich ein Spieltagspolster wegen des Spengler-Cups in Davos zu erarbeiten. Das übrigens am Trainergespann festmachen zu wollen, ist wohl hier auch eher zeitgemäß als stimmig oder ist es tatsächlich so, dass man gestandenen Profis täglich aufs Neue erklären muss, wie man Eishockey spielt und gewinnt. Wohl eher nicht.

Bleibt zu hoffen, dass die Spieler die Zeichen der Zeit erkennen, sonst finden sie sich sehr schnell im neuen Jahr spieltagsbereinigt auf dem ca. sechsten oder siebten Platz wieder – und das kann nicht der Anspruch einer solchen Mannschaft mit diesem Potential sein.

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