Bill Stewart: Keine Lust auf weiches Hockey

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Was die Effektivität im Powerplay angeht, liegen die Freezers ganz weit vorn. Mit 20,41 % rangieren die Hamburger hinter den Grizzly Adams aus Wolfsburg (27,38%) und den Roosters aus Iserlohn (21,22%) auf Platz drei der Liga. So weit, so gut – könnte man denken.
 
Aber ausgerechnet das Powerplay bereitet Freezers-Coach Bill Stewart derzeit ein wenig Sorgen. Dabei hadert er weniger mit der Treffsicherheit seiner Schützlinge, sondern mit der Tatsache, dass die Freezers kaum Überzahlsituationen bekommen. In der Tat, während die im Powerplay so erfolgreichen Wolfsburger bereits 84 Mal in Überzahl spielen durften (an der Spitze liegt Köln mit 87 Mal), gestatteten dies die Schiedsrichter den Freezers bislang lediglich 49 Mal. Bei weitem der schlechteste Wert der gesamten DEL. 
 
Das ist auffällig, findet man in Hamburg und mag nicht so recht daran glauben, dass alle Teams gerade gegen die Freezers besonders vorsichtig zu Werke gehen. Alle spielen fair, nur die Freezers nicht? Eine Kritik, die in Richtung der Schiedsrichter geht und bei der die Vermutung, dass die Freezers hier eine Benachteiligung erfahren, durchaus mitschwingt. Einer möglichen Verschwörungstheorie tritt Holger Gerstberger, Schiedsrichter-Beauftragter der DEL, aber energisch entgegen: "Das ist an den Haaren herbeigezogen. Objektivität und Neutralität ist bei uns in jedem Spiel gewährleistet."


Ein Blick in die Statistik scheint den Verdacht der Hamburger allerdings zu belegen. Nur zweimal in den bisherigen 10 Spielen erhielten sie weniger Strafen als der jeweilige Gegner.  Besonders krass ist diese Bilanz, wenn die Freezers auf fremden Eis antreten müssen. In jedem ihrer bislang vier Auswärtsspiele erhielten die Freezers mindestens doppelt so viele Strafen wie die Heimmannschaft.
 
Hauptleidtragender ist hierbei der finnische Verteidiger Jere Karalahti, der aus seiner Heimat und seiner Zeit in der NHL körperbetontes Spiel gewohnt ist. Eine Spielweise, die nicht zwingend unfair ist, in der DEL aber immer wieder zu Konflikten führt. Bill Stewart drückt es so aus: "Es gibt im deutschen Eishockey leider eine Fußball-Mentalität. Immer wenn jemand auf dem Eis liegt, wird hier gepfiffen.“
 
Den Schluss, dass seine Spieler sich auch öfter fallen lassen müssten, mag der 51-jährige Kanadier indes nicht ziehen und sieht auch keinen Grund von seiner Linie abzuweichen: „Wir wollen weiter körperbetontes Eishockey spielen. Ich habe keine Lust mehr, weiches Eishockey zu sehen." Und Bill Stewart wäre nicht Bill Stewart, wenn er nicht noch einen drastischen Spruch nachschieben würde:  „Weg mit der Theatralik! Zieht die Kleidchen und die Strumpfhosen aus. Lasst uns wie Männer spielen.“ - (jay)

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