Bernd Schutzeigel: Bei den Iserlohn Roosters ist alles möglich!Der Geschäftsstellenleiter der Sauerländer im Hockeyweb-Interview

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Als Bernd Schutzeigel am 06. Juli 1965 geboren wurde, war noch niemandem klar, was für eine wichtige Rolle er später im Sauerländer Eishockey spielen würde. Ab der Saison 1982/83 verteidigte er zuerst in der Regionalliga und zwei weitere Jahre in der Oberliga für den ERC Westfalen Dortmund. Ligaintern wechselte er dann nach Ahaus, Unna und Hamm (stieg im zweiten Jahr in die Oberliga auf) und wechselte schließlich 1994 zum ECD Iserlohn in die zweite Liga. Er steuerte vier Tore und acht Vorlagen im darauf folgenden Jahr zum Aufstieg in die 1. Bundesliga bei. Seit dieser Zeit blieb und bleibt er dem mittlerweile zu Roostern gewordenen IEC treu und ist nun in der Geschäftsführung tätig. Vielleicht etwas überraschend nach der Hauptrunde auf dem sechsten Rang der Tabelle der Deutschen Eishockey Liga (DEL) treffen die Iserlohner in den Playoffs auf den den letztjährigen Meister ERC Ingolstadt. Nach dem Ausgleich zum 3:3 nach Siegen gegen die drittplatzierten Panther hatte Hockeyweb-Mitarbeiter Ivo Jaschick die Gelegenheit, mit dem ehemaligen eisenharten Verteidiger zu unterhalten:



Sie haben heute durch den doch überzeugenden 6:2 Heimsieg gegen die Panther eine siebte Partie in Ingolstadt erzwungen – was sagen Sie zu dem Spiel?

Wir alle haben heute eine super eingestellte Leistung von unserem Team gesehen, auf die wir ruhig sehr stolz sein können. Wir haben wenig Fehler gemacht, aber Ingolstadt hat sehr gut dagegen gehalten. Sie haben dann halt die entscheidenden Fehler gemacht und deswegen waren wir heute, in meinen Augen, der verdiente Sieger – wie auch in den vorherigen Heim-Partien. Jetzt wollen wir auch noch den nächsten kleinen Schritt machen! Wir haben nichts mehr zu verlieren, wir haben schon mehr erreicht, als wir erwartet haben. Wir fahren jetzt nach Ingolstadt und können nur noch gewinnen – egal wie das Ergebnis ist.

Lassen wir aber trotzdem jetzt schon einmal die Hauptrunde der Saison Revue passieren – was waren in Ihren Augen die größten Überraschungen, positiv wie negativ?

Fangen wir mal mit dem negativen an. Das hatten wir im ersten Heimspiel gegen Ingolstadt, als sehr viele Becher und andere Gegenstände von den Zuschauern aufs Eis geschmissen wurden. Das ist ein absolutes 'No Go!', das ist absolut negativ, das ist keine Werbung fürs Eishockey und so etwas möchten wir hier eigentlich nicht erleben. Was wir hier sehen möchten, ist ein Spitzensport, den wir hier in der Eishalle am Seilersee mit unseren Fans feiern wollen. Und da haben solche Eskapaden nichts zu suchen. Über weite Strecken der Saison haben wir auch gezeigt, dass wir das können. Mit der Mannschaftsleistung können wir mehr als zufrieden sein – wie ich gerade schon sagte, egal wie es ausgeht, die Roosters sind Sieger! Uns hatten nur ganz wenige auf dem Schirm!

Sie erwähnten gerade die Fans, die dieses Stadion mit ihrer Stimmung in einen wahren Hexenkessel verwandeln können und so zum sechsten Feldspieler werden.

Ich muss schon sagen, dass wir hier in Iserlohn eine kleine Eishalle haben. Die Stimmung hier ist seit über 30 Jahren phänomenal und für jeden Gegner, der hier anzutreten hat, eine richtige Herausforderung. Aber trotzdem muss ich auch sagen, dass auch negative Sachen passieren, wie die Geschichte mit den Bechern. Das geht nicht! Aber abgesehen davon, stehen unsere Fans sonst total hinter dem Team. Das ist schon phänomenal was hier abläuft – gerade im Moment in den Playoffs. Durch unsere Fans haben wir eine der lautesten Arenen hier in der Liga. Ein Nebeneffekt, den es nur in ganz wenigen Stadien gibt, ist, dass eigentlich jedes Spiel in der Endrunde ausverkauft ist! Hier wird von den Roosters-Anhängern Eishockey gelebt, egal ob es Dienstag, Donnerstag, Freitag oder Sonntag ist, die Halle ist immer rappelvoll.

Sie haben früher sehr erfolgreich, auch hier in Iserlohn, selbst Eishockey gespielt. Sind Sie froh, dass diese Zeit vorbei ist oder würden Sie lieber heutzutage auflaufen?

Ich muss sagen, dass ich zu meiner Zeit doch sehr froh war, gespielt zu haben. Ob ich es heute noch genauso spielen würde, wie ich es damals gemacht habe, kann ich nicht sagen! Momentan vergnüge ich mich ja noch mit den „Alten Herren“, aber dies ist ganz was anderes. Es wird jetzt viel athletischer, viel schneller gespielt. Die Spieler sind viel durchtrainierter und der ganze Sport ist viel schneller geworden. Auch wir haben früher viel trainiert, aber es ist doch kein Vergleich zu heute. Es wird jetzt auf viel mehr Dinge geachtet – früher gab es schon mal ein Bierchen vorm Spiel, was heute undenkbar ist. Wenn ich mir dies so betrachte, komme ich dann doch zu dem Schluss, dass beide Zeiten für beide Seiten sehr schön waren bzw. sind.

Sie haben nahezu Ihr ganzes Leben dem Eissport gewittmet, haben sehr viel erreicht – haben Sie noch einen Traum, den Sie verwirklichen wollen?

(wie aus der Pistole geschossen) Deutscher Meister – mein Traum ist, Deutscher Meister zu werden! Es ist nicht ausgeschlossen in diesem Jahr. Wenn wir diese Serie gegen die Panther durchziehen und gewinnen, ist alles möglich! Betrachte ich es von dieser Seite, bin ich völlig entspannt, denn die diesjährige Mannschaft überrascht uns alle sehr.

Viel Glück und Erfolg!