Baustellen bei den Kölner Haien

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Ein Marshall sorgt nicht immer für Ruhe und Ordnung, vor allem nicht, wenn er Jason Marshall heißt und bei den Kölner Haien in der Verteidigung spielt. Der 34jährige Neuzugang aus Nordamerika hat noch einige Anpassungsschwierigkeiten in der Deutschen Eishockey Liga. "Pfeifen die Schiedsrichter hier alle so?" – Jason Marshall musste sich erst bei Trainer Doug Mason erkundigen, was hier auf ihn zukommt. "Die Frage ist, ob sich Spieler anpassen können, und da bin ich mir bei ihm sicher", erklärte Mason nach der 4:8 Niederlage gegen Nürnberg am vergangenen Samstag beim "Mercure Cup". Marshall hatte sich zuvor eine Spieldauer-Disziplinarstrafe eingefangen, als er auf dem Eis regelrecht ausflippte. "Das hilft uns natürlich nicht weiter", ärgerte sich Kölns Manager Rodion Pauels. "Wir müssen ihm klar machen, dass es so nicht geht." Doug Mason führte noch am selben Abend ein Gespräch mit dem Verteidiger. "Es ist nun einmal nicht leicht, wenn man hier herüber kommt und nicht seinen gewohnten Stil spielen kann." Marshall selbst zeigte sich einsichtig: "Es steht in meienr Verantwortung, dass ich mich hier anpasse. Ich spiele jetzt in Deutschland und nicht mehr in der NHL."



Die Haie hatten noch weitere Baustellen in Nürnberg zu bearbeiten, denn binnen 24 Stunden lieferten sie zwei völlig unterschiedliche Partien ab. Beim 2:1 Sieg über Ingolstadt am Freitag spielte man überzeugend. "Das zweite Drittel gegen Ingolstadt war unser bestes bisher in der Vorbereitung", bestätigte Doug Mason. Umso überraschender kam das 4:8 Debakel am folgenden Tag. "Wir haben hinten viel zu viel zugelassen", ärgerte sich Verteidiger Andreas Renz und Rodion Pauels bestätigte diese Ansicht, betonte aber, dass dies nicht am System des neuen Trainers liege. "Aggressiv spielen bedeutet nicht, dass wir jetzt alle blind nach vorne rennen. Wir wollen lediglich nicht mehr so abwartend spielen wie vorher." Zudem hatte Torhüter Adam Hauser nicht seinen besten Tag erwischt. "Hauser ist nicht richtig fit", bemängelte Mason. "Er macht jetzt extra Trainingsschichten mit Co-Trainer Clayton Beddoes und sitzt viel auf dem Fahrrad. Ich habe ihn deswegen zwei Spiele hintereinander aufgestellt um zu sehen, wie fit er ist." Darauf angesprochen reagierte Adam Hauser etwas irritiert. "Das hat er gesagt? Nun, ich mache, was er mir sagt."

Hauser ging am Samstag nach dem zwischenzeitlichen 1:5 vom Eis. Ausgerechnet in jener Phase entdeckte Mason aber auch positive Aspekte. "Die Mannschaft hat sich da nicht aufgegeben, obwohl es nur ein Freundschaftsspiel war. Sie hat sich durchgebissen, auch wenn es nicht mehr genügt hat, das Spiel noch zu drehen. Diese Mannschaft hat einen sehr guten Charakter." Statements dieser Art hörte man bekanntlich auch von Masons Vorgänger nicht selten.

Immerhin gelang den Haien bereits am Schlusstag des Nürnberger Turniers eine Wiedergutmachung, als sie Slavia Prag mit 3:1 besiegten. Kölns zweiter Torhüter Oliver Jonas zeigte eine fehlerfreie Leistung, der Kampf um die Nummer Eins im Kölner Tor dürfte weiterhin offen sein.



Alexander Brandt
Foto: Sportfoto-Cologne