Barry Brust - Der etwas andere Torwart

Straubings Goalie Barry Brust in Action (Foto: Daniel Fischer -  www.stock4press.de)Straubings Goalie Barry Brust in Action (Foto: Daniel Fischer - www.stock4press.de)
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Nach dem Spiel gegen den EHC München kommt der 188cm große und 103kg schwere Torsteher - vertieft auf sein Handy blickend - aus der Kabine. Auch ohne Schlittschuhe und Ausrüstung ist der Mann, der offensichtlich noch kein Vertrauen zu einem deutschen Frisör gefunden hat, eine beeindruckende Erscheinung. „Barry, kurz Zeit für Hockeyweb?“ „Yeah, sure!“ Ja – klar. Das Handy verschwindet in der Tasche, und man wird mit einem Blick fixiert der ausdrückt: „Hey, sei nett. Ich bin noch unter Strom.“ Jedoch ganz anders als er optisch wirkt, spricht er sehr leise, aber sehr schnell.

Brust fällt in der DEL durch ein eher ungewöhnliches Torwartspiel auf. Wie kaum ein anderer Goalie will er das Spielgerät wieder schnell loswerden. Wo andere Schlussmänner die Scheibe fest halten, block er mit der Stockhand und versucht den Puck in die Ecke zu lenken. Bullys vor dem eigenen Tor vermeiden und den Puck im Spiel halten, heißt die Devise.

Hinzu kommt, dass Brust so etwas wie der erste Aufbauspieler im Team ist. Immer wieder versucht er die Wechsel der Gegner zu nutzen, um mit langen Pässen seine Stürmer vom Torraum aus in Szene zu setzten. Pässe von der Torlinie an die gegnerische blaue Line verleiten zum Zunge schnalzen. Kein Wunder also, dass sich Barry `Brusty´ Brust in kürzester Zeit ins Herz des Straubinger Anhangs gespielt hat.

Bundestrainer Jacob Kölliker, beim bayerischen Derby gegen den EHC München zugegen, zeigte sich erstaunt über das Gesehene, und nannte es „…ein interessantes Torwartspiel.“ Barry Brust weiß, dass er kein normaler Torwart ist. „Ja stimmt schon, ich bin nicht wirklich ein typischer Torwart. Ich weiß. dass ich einen guten Pass spielen kann und wenn sich die Gelegenheit bietet, versuche ich den auch einzusetzen um den Puck schnell in die Offensive zu bringen.“ Auf die Frage, ob er dafür ein spezielles Training macht, meint der Kanadier: „Nein, das nicht. Ich achte auf den Wechsel des Gegners, und wenn ein Stürmer günstig steht, muss die Scheibe wie ein Gewehrschuss über das Eis. Ich weiß, dass mich das auch manchmal in Schwierigkeiten bringt. Darum kann ich es nicht zu oft machen.“

Vor der Saison war immer wieder die Umstellung von der kleinen auf die große Eisfläche ein Thema. Viele denken, dass es den Goalies relativ egal ist, wie groß die Eisfläche ist. Doch der - nicht zu unterschätzende - Unterschied liegt an den anderen Winkel der Schützen zum Torwart.

Nach einem Viertel der Saison lohnt da schon mal, nach dem aktuellen Gefühl im Tor fragen. „Besser!“ Das erste Mal das der Torwart-Riese lacht. Man merkt sofort, dass die letzten Monate offenbar kein Zuckerschlecken waren. „Es war eine riese Umstellung, das sind nicht nur Kleinigkeiten. Ich kannte ja nur die kleine Eisfläche. Es hatte eine Weile gedauert“, um selbstkritisch hinzuzufügen: „Ich habe da auch einige Fehler gemacht. Mit dem Spiel gegen Ingolstadt war ich nicht so zufrieden, und in Nürnberg hab ich mich auch nicht so gut gefühlt.“ Wer den neuen Fänger der Niederbayern mehrfach gesehen hat, wird jedoch eine klar positive Entwicklung feststellen.

Zum Schluss noch ein paar Verabschiedungsgrüße, und Barry geht fünf Schritte weiter. In meinem Rücken haben sich die Eltern, die zu Besuch in Niederbayern sind, angeschlichen und nehmen ihren Sohn in Empfang. Mom drückt ihnen Sprössling und Dad klopft ihm stolz auf die Schulter. Die letzten wartenden Fans machen noch schnell ein paar Fotos, und dann geht’s raus aus dem Stadion in die Straubinger Nacht.

Die bisherigen sportlichen Erfolge von Barry Brust:

2002 in Runde 3 von den Minnesota Wild gedraftet, insgesamt an Platz 73

2002 WHL West erstes All-Star-Team

2007/08 bestes AHL Torwart-Duo „Harry Holmes Trophy“ mit Nolan Schaefer

2008/09 Teilnehmer beim AHL All-Star-Game im Team Canada

2010/11 Gewinn der AHL „Calder Cup Champion“ mit den Binghamton Senators 

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