Bandencheck: Die Hockeyweb-Kolumne von Alexander Brandt

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Der Alltag hat uns wieder, der Silvesterdreck wird von den Straßen gekehrt und die Politiker haben für das neue Kalenderjahr weitere Reformen angekündigt, nur die Politik selbst wird nicht reformiert – dabei hätte es dieser Bereich eigentlich am Nötigsten. Dies triff auch auf die Eishockey-Politiker zu, die kündigen nämlich ebenfalls weitere Reformen an.
So ließ Peter John Lee hier auf Hockeyweb verlauten, eine Reduzierung auf zwölf DEL-Teams sei sinnvoll, gleichzeitig eine Reduzierung der Ausländerlizenzen auf nur noch fünf pro Team, um den deutschen Spielern mehr Chancen zu geben. Natürlich schlägt Herr Lee sowas nicht aus eigenem Interesse vor, das liegt ihm als Manager eines Vereines natürlich völlig fern. Nein, nur das Wohl des deutschen Eishockeys liegt dem Co-Trainer der schweizerischen Nationalmannschaft am Herzen. Auf den ersten Blick klingt das ja auch ganz sinnvoll, beim zweiten Hinschauen sieht es aber schon ganz anders aus. Da heutzutage nichts mehr so alt ist, wie die Zeitung von heute bzw. die Nachricht von gestern, frische ich gerne unser aller Gedächtnis auf:

Das Wirtschaftsunternehmen DEL hat gerade erst gegen den erheblichen Widerstand seiner Konsumenten den Abstieg abgeschafft und verkündet, man wolle noch zwei Aufsteiger in den kommenden Jahren zulassen und die Liga auf 16 Klubs aufstocken. Die treibende Kraft hinter diesen Maßnahmen war wie man hört Herr Kornett von der Anschutz-Gruppe, Nun fordert ein weiterer Angestellter dieser Anschutz- Gruppe plötzlich das Gegenteil, und wie immer in aller Öffentlichkeit. Ergibt das irgendeinen Sinn?

Wie auch immer, wie stellt sich Herr Lee das vor? Zwei Vereine sollen jetzt plötzlich aus der DEL verschwinden, wie soll man die ermitteln? Sportlich? Das geht nicht mehr, den Weg hat man sich mit der Abschaffung des Abstiegs verbaut. Also braucht man wie immer eine Lösung am Grünen Tisch. Und wie soll das gehen? Mal wieder nach einem Punkte-System? Wer die wenigsten VIP-Logen hat, fliegt raus? Oder wer auswärts die wenigsten Zuschauer zieht und die höchsten Reisekosten verursacht? Super, ich freue mich schon tierisch auf das nächste Sommertheater.

Kommen wir zum zweiten Punkt, der Reduzierung der Ausländerlizenzen. 14 Vereine und jeweils 6 bis 7 Ausländer weniger ergibt 84 bis 98 zusätzliche Arbeitsplätze für deutsche Spieler. Wunderbar. Eine kleine Frage sei dennoch gestattet: Haben wir 84 deutsche Spieler auf DEL-Niveau irgendwo in der Warteschleife? Nein! Folglich würde das spielerische Niveau der Liga drastisch sinken, wenn man 84 Spieler aus den unteren Ligen hochzieht. Eine weitere Folge: Die wenigen deutschen Top-Spieler aus dem erweiterten Kader der Nationalmannschaft wären noch heißer als ohnehin schon begehrt und könnten astronomische Gehälter fordern, wie vor 15-20 Jahren, als man sich die Herren Truntschka und Co gegenseitig abkaufte und daran pleite ging. Nur wenige Klubs wären in der Lage, diese Spieler zu verpflichten, nur sehr betuchte Klubs wie die der Anschutz-Gruppe. Aha, jetzt kommen wir der wahren Intention des Vorschlags von Herrn Lee schon näher. Die Folge einer Ausländer-Reduzierung wäre eine noch größere Dominanz der reichen Klubs gegenüber den Kleinen. Das weiß Herr Lee und genau das will er vermutlich erreichen. Wenn die Liga nicht mehr ausgeglichen ist, kommt sein betuchter Klub jedes Jahr sicher in die Play-offs, so lässt sich die neue Halle in Berlin besser füllen, denn das Event-Publikum ist launisch und sollte besser nicht den Unwägbarkeiten des Sports ausgesetzt werden.
 
Lieber Herr Lee, wenn Sie wirklich das Wohl unseres Eishockeys im Sinn haben, dann bringen Sie doch bitte erstmal Ihre Kollegen von gewissen anderen DEL-Klubs dazu, den momentanen Einbürgerungswahn zu stoppen und ihre Kohle genauso lobenswert wie die Eisbären in den Nachwuchs zu investieren. Wenn wir dann irgendwann mal 84 junge Spieler auf Top-Niveau haben, können wir gerne die Ausländerplätze auf 5 pro Team reduzieren. Aber bitte erst dann.

Gruß vom Eishockey-Politiker Alexander Brandt