Aus für die Straubing Tigers in den Pre-Play-offsStarke Saison endet (zu) früh

Trainer Tom Pokal hat die Straubing Tigers zu einer starken Saison geführt, die auch noch länger hätte andauern können. (Foto: dpa/picture alliance/Revierfoto)Trainer Tom Pokal hat die Straubing Tigers zu einer starken Saison geführt, die auch noch länger hätte andauern können. (Foto: dpa/picture alliance/Revierfoto)
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Am letzten Hauptrundenspieltag bestand sogar noch die Chance auf Platz sechs. Am Ende stand für die Tigers die punktbeste Saison in den Büchern und der achte Platz. Auf diesen fiel man aufgrund der weniger geschossenen Tore, im Vergleich zu Bremerhaven. Mit einem Gegentor weniger im letzten Saisonspiel wäre das zu verhindern gewesen. Doch das hätte nicht zur Mentalität von Coach und Mannschaft gepasst, denn beide spielen 60 Minuten ohne Wenn und Aber auf Sieg. Es hätte also in der ersten Play-off-Runde auch gegen Nürnberg anstatt Berlin gehen können. Ob ein anderes Taktieren hier zu einem Vorteil geworden wäre, bleibt eine offene Frage. Nürnberg nicht besonders stabil und konstant, die Eisbären hatten hingegen einen Lauf. Doch ausgerechnet gegen Straubing kamen die Berliner zuletzt unter die Räder. Außerdem liegt Berlin den Niederbayern diese Saison besser als Nürnberg, hatte man doch drei von vier Hauptrundenspielen gegen die Eisbären gewonnen. Gegen die Ice Tigers verlor man drei von vier. Man kann es trotzdem drehen und wenden wie man will, eine schlüssige Antwort wird es nie geben. Am Ende wird es vielleicht sogar egal sein, denn die Ausfälle in den letzten Spielen waren für die Tigers nicht zu kompensieren. Außerdem hätte man den sechsten Platz auch in anderen Spielen zuvor schon fixieren können. Doch vor allem im Vergleich zur Vorsaison bleibt eine immense Leistungssteigerung. 

Off-Ice

Neben dem Eis war es eine schwere Spielzeit. Im Mai verstarb Ulrich Voll im Alter von 66 Jahren. Bis zu seiner Erkrankung war der Geschäftsführer der Stoffel Holding GmbH langjähriger Hauptgesellschafter der Straubing Tigers. Ohne ihn würde es wohl weder die Straubing Tigers, geschweige denn DEL-Eishockey in Straubing geben. Im Januar kam der 48-jährige Mitgesellschafter Max Schierer jun. bei einen Hubschrauberabsturz ums Leben. Er war noch nicht so lange Gesellschafter, hat das jedoch mit großer Leidenschaft gemacht.

Der Aufreger schlechthin waren jedoch die offenen Briefe des Mitgesellschafters Hubert Stahl, der für die Aussagen darin letztendlich mit einer Geldstrafe belegt wurde. Die Reaktionen gingen durch ganz Eishockey-Deutschland und über die gesamte Bandbreite. Das kann natürlich jeder sehen, wie er will, es zeigte jedoch, dass viele Fans mit den aktuellen Regelungen nicht zufrieden sind.

Führungsetage

Mit Geschäftsführerin Gaby Sennebogen und dem Sportlichen Leiter Jason Dunham haben die Straubinger ganz oben Stabilität. Vor allem Dunham muss man gratulieren. Nach der Seuchensaison 2017/18, in der er von vielen Seiten ordentlich zwischen die Hörner bekommen hat, hat er mit einer Vielzahl von neuen Spielern ein gutes und glückliches Händchen bewiesen. Die Mannschaft hat vom ersten bis zum letzten Tag funktioniert. Einen Großteil des Kaders konnte er bereits zum Bleiben bewegen. Das bedeutet, dass die Tigers auch nächste Saison wieder ein bayerisch geprägtes Team aufs Eis schicken werden.

Coaching-Team

Headcoach  Tom Pokel hat wenig experimentiert und die Reihen nur umgestellt, um Impulse zu setzen oder wenn es durch Verletzungen oder Sperren nötig war. Auch wenn das nicht immer sofort von allen Fans verstanden wurde, der Erfolg gibt ihm letztendlich Recht. Wie schon nach der letzten Spielzeit, eine absolute Muss-Verlängerung, die offiziell noch aussteht.

An seiner Seite Co-Trainer Robert Leask, der in Straubing inzwischen zum Inventar gehört und kaum noch wegzudenken ist.

Mit zum Trainerteam gehörten Torwarttrainer Manuel Litterbach und Athletiktrainer Giovanni Willudda. Letzter bekam schon nach der Vorbereitung Lob aus der Mannschaft, daher gibt es keinen Grund für Änderungen.

Tor

Jeff Zatkoff war die klare Nummer eins und gehörte zu den ersten Spielern, die ihren Vertrag verlängert hatten. Mit vier Shutouts und einer starken Fangquote ein kleines Wunder, dass er gehalten werden konnte.

Auch Sebastian Vogl hat einen Vertrag für die nächste Saison. Was „Birdy“ kann, könnte er nur selten zeigen, und wenn er spielte, wurde er vom Pech verfolgt oder von der Verteidigung im Stich gelassen. Erinnert sei hier an den Auftritt in Wolfsburg. Im Tor wird es keine Änderungen geben, denn das Duo funktioniert.

Die beiden Förderlizenzgoalies Cody Brenner vom Deggendorfer EC und Klaus Hieronymus vom EHC Straubing kamen nicht zum Einsatz.

Verteidigung

Fredrik Eriksson war Straubings Nummer-eins-Verteidiger. Mit über 22 Minuten Eiszeit nahm er damit die meisten im Team. Nicht zuletzt deshalb war er ein wichtiger Baustein im Tigers-Spiel. Der Schwede bleibt auch in der nächsten Saison in Straubing und wird der Defensive wieder seinen Stempel aufdrücken.

Genauso wie Stephan Daschner. Auch seine Verpflichtung erwies sich als echter Glücksgriff. Zuvor schon eine gute Saison gespielt, steigerte er sich nochmal, als Freddy Eriksson verletzt ausfiel. Daschner übernahm dessen Position und machte das ausgezeichnet. Zugetraut haben ihm das nur wenige, doch über diese starke Leitung kann es keine zwei Meinungen geben.

Auch Benedikt Schopper und Max Renner spielten eine sehr solide Saison. Schopper machte das ruhig, unauffällig und abgeklärt. So wie man es sich von einem erfahrenem Verteidiger vorstellt. Doch vor allem Renner hat erneut einen großen Schritt gemacht. Er hat zwar exakt dieselbe Punktausbeute wie in der Vorsaison, doch ein Plus-Minus-Statistik von 14 sind eine beeindruckender Wert, nicht nur für einen Verteidiger.

Marcel Brandt begann sehr stark, hat dann nachgelassen, was ihm einen Tribünenplatz bescherte. Doch diese kleine Denkpause hat er genutzt und brachte ebenfalls sehr solide Leistungen. Gefährlich waren vor allem seine Blueliner. Doch die eigenen Stürmer müssen immer aufpassen, wenn er seine offensiven Ausflüge macht. Wird hier die Absicherung vergessen, fehlt ein Mann hinten, was selten gut ausgeht. Diese Abstimmung kann kommende Saison noch verfeinert werden, denn auch Marcel Brandt spielt weiter für die Tigers.

Für Steven Seigo könnte es hingegen eng werden. Oft war er nur siebter Verteidiger, was für einen Transferkartenspieler eigentlich zu wenig ist. Erst gegen Ende der Hauptrunde kam er in Straubing an.

Dieses Problem hat Max Gläßl nicht. Er spielte zwar überwiegend in der DEL2 für Deggendorf, doch wenn er in Straubing auf dem Eis war, machte der 21-jährige seine Sache ganz anständig. Auch er verfügt über einen Vertrag und könnte durchaus dauerhaft auf den siebten Verteidigerplatz rutschen.

Reizfigur Sena Acolatse hat dasselbe Problem wie alle Bad Boys. Und er ist wie die meisten Bad Boys neben dem Eis ein ziemlich netter Typ. Von den eigenen Fans großteils geliebt, vom Rest der Liga fast schon gehasst. Seine 173 Strafminuten sind nur eine Seite der Medaille, denn in Unterzahl zeigte er sich als echtes Blockmonster. Trotzdem dürfte es nicht leicht werden, wenn es um einen neuen Vertrag geht, denn ein derart vorbelasteter Spieler steht auch bei den Schiedsrichtern unter besonderer Beobachtung, was zum Handicap fürs Team werden kann. Insgesamt sieben Spiele Sperre, von denen zwei noch aussehen, sind ebenfalls kein Plus. Die Tendenz dürfte eher Richtung Abschied gehen.

Sturm

30 Tore, 28 Vorlagen, Topscorer der Liga. Vielmehr muss man über Jeremy Williams nicht sagen. Schaut man auf seine Statistiken, ist es wie mit Wein: je älter, umso besser. Er geht nächste Saison in sein viertes Jahr in Straubing.

Kongenialer Sturmpartner ist Mike Connolly. Er ist Straubings Monster der neutralen Zone. Der kleine Flügelstürmer ist hier immer wieder wie ein Abfangjäger unterwegs und erzwingt so jede Menge Turnovers. Und seine 52 Punkte sind auch nicht zu verachten.

Dritter Mann in der ersten Reihe war über weite Strecken Kael Mouillierat. Er ist der Arbeiter in der Reihe und ist nicht weniger wertvoll, denn er ergänzt „Willy“ und „Conns“ nahezu ideal. Er brach sich im ersten Play-off-Spiel gehen Berlin das Bein. Wie zu vernehmen war, ist die nötige OP gut verlaufen, sodass einem Comeback nichts im Wege steht. Er gehört aber zu den wenigen, die noch keinen neuen Vertrag haben – zumindest offiziell noch nicht.

Stefan Loibl begann in der ersten Reihe, wurde nach einigen Runden aber in die zweite Versetzt. Jedoch nicht als Strafe, sondern um Schwung in die Reihe zu bekommen. Die Entwicklung des 22-jährigen ging dabei weiter steil nach oben, so hat er seine Punktausbeute im Vergleich zu Vorsaison mehr als verdoppelt. Mit seinem Verbleib haben nur wenige gerechnet, doch auch dass schaffte Jason Dunham.

Selbiges kann man über Antoine Laganière sagen. Auch er schlug in Niederbayern ein. Im Unterzahlspiel nicht nur wegen seiner Reichweite Goldwert, gelangen ihm auch einige Tore zum Zunge schnalzen.

Marco Pfleger war meistens in diese Reihe zu finden. Auch ihn würden viele Fans gerne halten, da er schon recht gut in die Reihe passt. Doch die Wechselgerüchte reißen nicht ab. Sollte er gehen, war es für beide Seiten trotzdem eine Win-Win-Situation. Straubing hatte einen guten Spieler und Pfleger nutze nach einem schweren Jahr die Chance in Niederbayern als Sprungbrett.

T.J. Mulock wurde aufgrund seiner letzten Saison in Köln als Risikoverpflichtung gesehen. Er strafte seine Skeptiker ab und erwies sich als unermüdliches Arbeitstier. Den neuen Kontrakt hat er sich redlich verdient.

Was ist nur mit Sven Ziegler passiert? In Berlin durchs Raster gefallen, blühte er in Straubing regelrecht auf. Die Freiheiten auf dem Eis, die Tom Pokel seinen Spielern gibt, kommen Ziegler deutlich entgegen. Er trifft viele gute Entscheidungen und belohnte sich mit 25 Punkten in der Hauptrunde.

Vladislav Filin musste Anfangs immer wieder zum Deggendorfer SC, nutze dann aber seine Chance in der DEL und hat sich etabliert. Er fiel im vorletzten Saisonspiel aus und plagt sich jetzt mit einer Gehirnerschütterung und einem Kreuzbandriss. Seine Sommerpause wird wohl kein Zuckerschlecken. Auch er wird im August wieder in Straubing erwartet.

Im Nachhinein ist der lange Ausfall von Mitchell Heard wohl ein großer Faktor, dass man nicht in die Top sechs kam. Er hat zwar auch über die Stränge geschlagen und dafür die Quittung bekommen, doch er traf auch das Tor. Wenn es eng wird, ist eine vierte Reihe die punkten kann ein Pfund, doch das war gegen Ende der Hauptrunde ein Problem. Oft spielte Tom Pokel nur mit drei Reihen, bzw. setzte die vierte Reihe nur spärlich ein. Es würde nicht überraschen, wenn man Heard versucht zu halten, wenn die Verletzung auskuriert ist.

Ersatz wurde der Nachverpflichtete Jared Aulin. Sein Mehrwert lag im Überzahlspiel, denn dort spielte er seine Erfahrung durch starke Übersicht aus. Insgesamt war das aber für einen Importspieler zu wenig. Auf Instagram bedankte er sich bereits bei der Organisation und den Fans, was einen wahrscheinlichen Abgang nur unterstreicht.

Schlechte Karten hat wohl auch Thomas Brandl. Nachdem das letzte Jahr schon nicht befriedigend war, bekam er nochmal eine Chancen. Zu Saisonbeginn sah es so aus, als könnte er die nutzen. Nach der Saison muss man aber feststellen, dass es unter dem Strich nach unten ging. Nach sechs Jahren DEL in Straubing muss er sich wohl neue Ziele stecken.

Kapitän Sandro Schönberger ist mehr als der Typ, der die Schiedsrichter begrüßt. Er ist nicht der Schnellste und nicht der Beste, doch er verkörpert nach wie vor die Straubinger Identität. Kämpfen, nie aufgeben und sich in alles reinwerfen. In Unterzahl immer noch ein wichtiger Spieler, der auch nächstes Jahr am Pulverturm spielen wird.

Dylan Wruck war einer der wenigen, der enttäuschte. Nachdem er im großen Köln nicht zurecht kam, hofften die Fans, dass er im kleinen Straubing wieder an seine Iserlohner Leistungen anknüpfen kann. Doch offenbar funktioniert Wruck nur in Iserlohn. Immer öfter musste er zusehen und kam nur wegen Verletzungen anderer ins Line-up. Auch Wruck wird sich wohl einen neuen Arbeitgeber suchen müssen.

Förderlizenzspieler Christoph Kiefersauer kam nicht zum Einsatz.

Als Zugang steht bisher Tim Brunnhuber fest. Brunnhuber kommt von den Ravensburg Towerstars und  gilt als eines der Top-Talente des Jahrgangs 1999. Er war Teil der U20-Aufstiegsmannschaft des DEB und spielte für das „Top Team Peking“.

Damit haben die Straubing Tigers bereits zwei Torleute, sechs Verteidiger und neun Stürmer unter Vertrag. Von den 17 Spielern sind fünf Importspieler. Insgesamt ist das mehr als ein Gerüst. Spannend wird sein, wie die wenigen offenen Stellen besetzt werden. Und dann gilt es nächste Saison, diese starke Spielzeit zu bestätigen und vielleicht kann eine dann gereifte Mannschaft den nächsten Schritt gehen.

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DEL Hauptrunde Gruppe

Mittwoch 17.03.2021
Kölner Haie Köln
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Grizzlys Wolfsburg Wolfsburg
Sonntag 07.03.2021
Krefeld Pinguine Krefeld
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Düsseldorfer EG Düsseldorf
Fischtown Pinguins Bremerhaven
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Grizzlys Wolfsburg Wolfsburg
Eisbären Berlin Berlin
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Iserlohn Roosters Iserlohn
Montag 08.03.2021
Schwenninger Wild Wings Schwenningen
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Straubing Tigers Straubing
Adler Mannheim Mannheim
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EHC Red Bull München München
Dienstag 09.03.2021
Düsseldorfer EG Düsseldorf
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Fischtown Pinguins Bremerhaven
Nürnberg Ice Tigers Nürnberg
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Augsburger Panther Augsburg
Mittwoch 10.03.2021
Kölner Haie Köln
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Eisbären Berlin Berlin
Iserlohn Roosters Iserlohn
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Krefeld Pinguine Krefeld
Donnerstag 11.03.2021
Augsburger Panther Augsburg
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Schwenninger Wild Wings Schwenningen
Straubing Tigers Straubing
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Nürnberg Ice Tigers Nürnberg