Aus für die Freezers - Lions ziehen ins Finale ein

DEL: Eisbären bleiben spitze - Ingolstadt gewinnt in MannheimDEL: Eisbären bleiben spitze - Ingolstadt gewinnt in Mannheim
Lesedauer: ca. 4 Minuten

Die 5:7 Niederlage am Freitag schien ihre Spuren bei den Hamburg Freezers

hinterlassen zu haben. Man spielte sich zwar im entscheidenden fünften Halbfinalspiel gegen Frankfurt zu Beginn einige gute

Chancen heraus (2.), doch fiel von Beginn an auf, dass das Team im

Vergleich zur Dienstagspartie verkrampft und gehemmt wirkte, was vor

allem durch Stockfehler, Fehlpässe und ein unterirdisches Powerplay deutlich wurde. So hatten die Hamburger

mehrfach ihre liebe Mühe, den Puck aus dem eigenen Drittel zu bekommen.

Eine dieser Situationen führte dann auch schnell zum 0:1 aus Hamburger Sicht: Bouchard hatte mit einem gut Schlagschuss, der von Tomlinson noch abgefälscht wurde, von der blauen Linie

eingelocht. Dieser frühe Rückstand machte das Spiel der Hausherren nicht

gerade sicherer. So kam Frankfurt in der 6. Minute zu einer tollen Breakchance,

die Rousson aber entschärfen konnte.

Das Powerplay der Freezers, welches in den letzten Halbfinalbegegnungen

eine Bank war und für reichlich Treffer sorgte, war in dieser Partie auf

einem einfach nicht vorhanden. Miserable Chancenverwertung,

einfallsloses Hereinschlagen des Pucks ins gegnerische Drittel und

fehlende Ordnung beim Spielaufbau sorgten dafür, dass das Überzahlspiel der

Freezers an Harmlosigkeit nicht zu überbieten war. Selbst bei 40

Sekunden 5 gegen 3 Überzahl fanden die Freezers den Weg ins Tor nicht.

Wie man es bei doppelter Überzahl besser macht, demonstrierten die Lions in der 18. Minute,

als Patrick Lebeau nach toller Kombination mit Jesse Belanger und Paul

Stanton auf 2:0 erhöhte.

Im zweiten Drittel bot sich dasselbe Bild: Die Lions spielten

einfach unbeschwerter auf und kamen so folgerichtig zum 3:0 durch

Ex-Freezer Belanger, erneut in Überzahl.

Damit schien die Partie eigentlich gelaufen, doch Hamburg gab sich nicht

auf und konnte tatsächlich doch noch ein Powerplay nutzen, um durch Purdie

das 1:3 (35.) zu markieren.

Angespornt von diesem Erfolg und der Unterstützung der Fans in der

erneut ausverkauften Color Line Arena, legte Smazal kurz darauf das 2:3

nach, welches Schiedsrichter Lichtnecker erst nach Studium des

Videobeweises gab. Doch die Freude sollte nicht lange währen, 45

Sekunden vor Ende des Drittels stellte Mike Harder, nachdem er Boris Rousson umkurvte, mit dem 4:2 den alten Abstand wieder

her und die Weichen endgültig auf Sieg, denn im letzten Abschnitt gelang

den Freezers über weite Strecken wieder nicht viel.

Unrühmlicher Höhepunkt war die Herausstelloung von Washburn in der 43., nachdem dieser

Lebeau frustriert von hinten an die Bande gecheckt hatte. Die daraus

resultierenden 5 Minuten Unterzahl überstanden die Freezers erstaunlich

gut, kamen sogar zu einigen eigenen Chancen, aber bis zur letzten Minute

gab es keinen Treffer mehr. Dafür überschlugen sich die Ereignisse in

den letzten Sekunden der Partie. So nahm Dave King Rousson zugunsten

eines sechsten Feldspielers aus dem Kasten, doch dank dem einfallslosen

Powerplay seiner Jungs half auch das zunächst nicht. Im Gegenteil, sie

konnten froh sein, dass die Lions das leere Tor nicht trafen. Daher nahm

King auch noch flugs eine Auszeit, um das Tempo aus der Partie zu nehmen

und prompt lief es besser bei den Freezers. Purdie konnte 19 Sekunden

vor Schluss den 3:4 Anschlußtreffer erzielen. Doch es war zu spät, und da

Rousson auf der Bank blieb und die Freezers mal wieder unnötig den Puck

an die Lions verloren, konnten diese in Person von Belanger zwei

Sekunden vor der Sirene ein Empty-Net-Goal zum 5:3 Endstand

bejubeln und damit endete eine erfolgreiche uns bemerkenswerte Saison

für die Hamburg Freezers.

Rich Cheromaz war in der anschließenden Pressekonferenz natürlich "sehr

zufrieden und stolz auf mein Team. Wir hatten nichts zu verlieren, haben

gut in Unterzahl gearbeitet und zwei Schlüsseltore in Überzahl erzielt.

Das vierte Tor war die Entscheidung. Ian Gordon war sehr stark heute.

Rückblickend war es eine harte und emotionale Serie gegen die Freezers."

Dave King gratulierte den Lions zum Sieg und gab unumwunden zu, "sie

haben besser gespielt als wir und sind berechtigt als Sieger

hervorgegangen. Wir waren heute einfach nicht gut genug, vor allem unser

Powerplay krankte. Frankfurt hat ein großartiges Forechecking gemacht,

so dass wir gar nicht unser Spiel aufziehen konnten."

Trotz des Ausscheidens im Halbfinale können die Freezers stolz auf das

Erreichte sein. Im ersten Jahr noch bis ins Viertelfinale vorgedrungen,

konnte man nun immerhin schon das Halbfinale erreichen und das im

zweiten Jahr nach dem Umzug aus München. Wenn man in Hamburg kontinuierlich

weiterarbeitet und Geldgeber Anschutz nicht plötzlich aussteigt, ist eine

Final-Teilnahme in den nächsten Jahren sicher im Bereich des Möglichen.

Auch den Frankfurt Lions, deren Fans auf einem Schriftband gar vom

"Wunder von Frankfurt" ausgingen, kann man zu der Leistung nur

gratulieren und ihnen viel Glück im Finale gegen die Eisbären wünschen,

obwohl dem schon ein fader Beigeschmack anhaften würde, wenn

ausgerechnet das Team, das in der vergangenen Saison der sportliche

Absteiger war, nun die Deutsche Meisterschaft holen sollte. Aber die

Eisbären sind ebenfalls heiß auf den Meistertitel, nachdem in den

letzten Jahren nach jeweils überragenden Hauptrunden das vorzeitige Aus

in den Playoffs die Meisterträume zerstört hatte. Somit erwarten den

Eishockeyfan als krönenden Abschluss der 10. DEL-Saison spannende und

interessante Final-Begegnungen, mit denen in dieser Konstellation vor

der Saison wohl kein Experte ernsthaft gerechnet hätte.

(S. Palaser)