Aus der Ferne betrachtet - Hamburger Verkaufstalente

Lesedauer: ca. 4 Minuten

Ja, es war mal wieder Pokal im deutschen Eishockey. Und

woran hat es der Leser der Hamburger Zeitungen gemerkt? Richtig, es wurde

kräftig auf den Pokal geschimpft. Irgendwie hatte der Herr Capla, der so was

wie der Chef-Verkäufer bei den Hamburg Freezers ist, nämlich keine Ahnung, wie

er seiner Hamburger Kundschaft klarmachen sollte, dass jetzt ein Heimspiel

gegen Wolfsburg ansteht, das nicht in dem vor Saisonbeginn verteilten Spielplan

steht. So richtig leicht hat es der Herr Capla ja sowieso nicht mehr in Hamburg

und mit den Hamburgern. Es werden einfach nicht mehr Leute, die sich für sein

Premium-Event interessieren und die Tatsache, dass die Jungs mit den

Lederbällen nebenan wieder erfolgreicher sind als im vergangenen Jahr macht die

Sache auch nicht gerade leichter. Dann bilden sich jetzt auch noch Leute ein,

sie könnten sich in seiner Arena als Fans betrachten und sich auch so

aufführen. Klatschen, wenn es ihnen passt und nicht wenn es auf dem Würfel

angezeigt wird. Grauenhaft, so ein Verhalten. Und als Krönung dann in der

vergangenen Woche ein Pokalheimspiel gegen Wolfsburg, für das nicht einmal die

Dauerkartenkäufer ihr von Herrn Capla großzügig eingeräumte Vorkaufrecht für

ihre Plätze in Anspruch nehmen wollten. Ein wenig undankbar sind diese Leute ja

schon, schließlich gab es ja auch mal Zeiten, in denen es schwierig war,

überhaupt Karten für die Spiele der Freezers zu bekommen, so vor gefühlten 10

Jahren oder so.

Wenn nun also der Vorverkauf schlecht läuft, müssen

Maßnahmen der Verkaufsförderung ergriffen werden. Auf dem Hamburger Fischmarkt

hätte der Herr Capla das sonntags morgens lernen können: Aale - Rudi, Gurken -

Kurt, und Makrelen - Peter haben da einen einfachen, aber meist wirkungsvollen,

Weg entwickelt: Sie preisen Ihre Ware lautstark an und verteilen, wenn das

nicht reicht, ab und an mal ein kleines, kostenloses Appetithäppchen. Der

Freezers – Boris hingegen hat seine eigene Methode gefunden, das Produkt

Pokalspiel der Laufkundschaft so richtig schmackhaft zu machen: Er lässt

einfach via Presse verbreiten, wie sinnlos diese ganze Veranstaltung doch ist

und dass sie die Freezers nur jede Menge von dem schönen Geld kostet, das doch

eigentlich eingenommen und nicht ausgegeben werden sollte.  Clever, oder?

Leider ist nicht überliefert, ob irgendjemand in der

Freezers Chefetage nach dieser innovativen Werbekampagne überrascht gewesen

ist, dass nur 2.375 Zuschauer gekommen sind.

Natürlich hat dieser Pokalwettbewerb einige Schwächen, aber

ich bin der Meinung dass er oftmals auch nur schlecht geredet und zudem

amateurhaft durchgeführt wird. Wie kann es sein, dass sich offenbar jeder einen

Austragungstermin aussuchen darf und damit die Runde sich über fast einen Monat

hinzieht und zum vorgesehen Pokalzeitpunkt gleichzeitig Punktspiele

stattfinden? Wie soll da der Zuschauer den Überblick behalten, ohne erst bei

Hockeyweb nachsehen zu müssen. Warum führt man den Pokal ab dem Viertelfinale

nicht in Turnierform durch? Zwei Halbfinalturniere und ein Final Four Turnier

könnten deutlich mehr öffentliche Aufmerksamkeit bringen.

Vom dem findigen Herrn Capla hätte ich mir gewünscht, dass

er nicht nur öffentlich gejammert hätte, sondern vielleicht statt dessen mal

nach kreativen Ideen gesucht hätte, wie man denn trotzdem noch hätte Kapital

schlagen können aus der für ihn ja scheinbar ausweglosen Situation. Ich glaube

die Eishockeyfreunde in Adendorf oder Timmendorfer Strand hätten sich nach

einem Pokalspiel Hamburg Freezers gegen Wolfsburg die Finger geleckt. Die DEL –

Stars auf dem Dorf, das ist doch was. Angeblich 50.000 Euro Hallenmiete hätte

man auf Seiten der Hamburger gespart, wenn man einfach dort vorgeschlagen

hätte, das Spiel dort auszutragen, die Gastgeber die dortigen Hallenkosten übernehmen zu lassen und dafür das Eintrittsgeld als Unterstützung von einem

großen Nachbarn zu behalten. Vielleicht hätte man dort nur 700 oder 1.000

Zuschauer gehabt, die hätten aber ein besonderes Erlebnis gehabt und die

Freezers Werbung für DEL-Eishockey betrieben und einem der beiden

Eishockey-Standorte, die schon bessere Zeiten hatten. einen Festtag beschert.

Kosten für die Freezers: Eine Busfahrt von etwa einer Stunde hin und einer

Stunde wieder zurück.

Aber die Glücksgöttin hatte ein Einsehen mit unserem

cleveren Freezers – Boris und bescherte ihm eine zweite Chance mit einem

Heimspiel im Viertelfinale gegen die Hannover Scorpions. Mein chinesischer

Kollege sagt übrigens oft: „Gibt jedem eine zweite Chance, aber niemals eine

dritte.“ Mal schauen, was der Herr Capla aus seiner zweiten Chance macht. Ob

Freezers – Boris am nächsten Sonntag frühmorgens mal auf dem Fischmarkt bei

Aale – Rudi spionieren geht, wie man Ware an den Mann und die Frau bringt oder

ob er gar mal in der Umgebung von Hamburg nach Eishallen sucht? Vielleicht wird

er ja feststellen, dass es diesbezüglich dort gar nicht so unübersichtlich ist,

wie in Bayern.

Dass die zur Glücksgöttin erhobene, mir gänzlich unbekannte,

Schauspielerin ausgerechnet aus der Serie „Verbotene Liebe“ kam, passt ja

irgendwie zum Verhältnis der meisten DEL – Clubs zum Deutschen Eishockey Pokal

Pokal.

Aber wer weiß, vielleicht entdeckt ja auch der pfiffige Herr

Capla noch seine Liebe zum Pokal. Spätestens, wenn Freezers Kapitän Alexander

Barta den Pokal im Frühjahr in die Höhe stemmt, weil die Freezers ihn gewonnen

haben, wird Herr Capla das bestimmt euphorisch als Meilenstein in der Freezers

Geschichte verkaufen und ein riesiges Banner in der Arena aufhängen lassen.

Dann ist der Pokal sowieso das Größte, was ein Club neben der Meisterschaft

holen kann. Wetten?

Es grüßt am Nationalfeiertag der Volksrepublik China, die

heute ihren 58. Geburtstag feiert,

Torsten Weidemann

Torsten Weidemann wohnt in China und wird in dieser Saison

aller Voraussicht nach nicht ein Spiel der schönsten Sportart der Welt in

Deutschland sehen. Er ist nur über das Internet dabei und beobachtet und

kommentiert das Geschehen aus der Ferne.

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Sonntag 15.12.2019
EHC Red Bull München München
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Kölner Haie Köln
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ERC Ingolstadt Ingolstadt
Schwenninger Wild Wings Schwenningen
- : -
Thomas Sabo Ice Tigers Nürnberg
Fischtown Pinguins Bremerhaven
- : -
Iserlohn Roosters Iserlohn
Grizzlys Wolfsburg Wolfsburg
- : -
Eisbären Berlin Berlin
Krefeld Pinguine Krefeld
- : -
Straubing Tigers Straubing
Dienstag 17.12.2019
Eisbären Berlin Berlin
- : -
Krefeld Pinguine Krefeld
Iserlohn Roosters Iserlohn
- : -
Kölner Haie Köln
Straubing Tigers Straubing
- : -
EHC Red Bull München München
Thomas Sabo Ice Tigers Nürnberg
- : -
Adler Mannheim Mannheim
Mittwoch 18.12.2019
Grizzlys Wolfsburg Wolfsburg
- : -
Schwenninger Wild Wings Schwenningen
Augsburger Panther Augsburg
- : -
ERC Ingolstadt Ingolstadt
Düsseldorfer EG Düsseldorf
- : -
Fischtown Pinguins Bremerhaven
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