Augsburg: Willkommen auf der Baustelle

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Die Bauherren begannen spritzig, als wollten sie die rund 1.600 schwitzenden Zuschauer mit ihrer Spielweise erfrischen. Schon in der vierten Spielminute gelang Mario Valery-Trabucco auf Zuspiel von Greg Moore und Petr Macholda nach schöner Kombination in Überzahl der Führungstreffer. Sieben Minuten später erhöhte Kyle Helms, der zusammen mit Somma und Valery-Trabucco die erste Angriffsreihe bildete, auf Zuspiel von Patrick Seifert. Die Ice Tigers konnten sich bei ihrem Torhüter Ehelechner bedanken, der mit viel Ruhe dem Angriffswirbel der Panther fast alleine standhielt, dass sie nicht mit einem höheren Rückstand der Pausenansprache ihres Trainers Andreas Brockmann entgegensehen mussten.

Diese zeitigte ihre Wirkung: Als hätten sich die kleinen, quirligen, jungen Panther zum Richtfest verabschiedet, spielten nun nur noch die hoch gewachsenen, abgeklärten und um durchschnittlich dreieinhalb Jahre älteren Ice Tigers. Noch keine Minute war im Mitteldrittel gespielt, als Eric Chouinard ein sorgloses Aufbauspiel der Fuggerstädter abfing und allein auf Endras-Nachfolger Tyler Weiman zulief. Sein Schuss schien bereits sichere Beute der Stockhand des Keepers zu sein, als diese noch nachhalf, den Gästen zum ersten Torjubel zu verhelfen. Die gesamte erste Sturmreihe der Nürnberger war zur Halbzeit am Ausgleichstreffer im Powerplay beteiligt: Brad Leeb schloss nach Zuspiel von Bruder Greg und Kapitän Björn Barta trocken ab. Nur drei Minuten danach vollendete Barta dann selbst auf Zuspiel des erneut starken und als Mittelstürmer der dritten Reihe aufgebotenen Jan Benda einen Konter zur Führung der Baustellenbesucher.

Das vierte Tor der Nürnberger, wiederum durch Barta, fiel dann zu schnell für Keeper Weiman und Schiedsrichter Piechaczek. Doch während Letzterer den Videobeweis zur Hilfe nehmen konnte, musste Weiman erahnen, wie der Puck aus spitzem Winkel über seiner Schulter neben dem kurzen Pfosten einschlug und auf der anderen Seite das Tor wieder verließ. Allerdings kamen nun nach und nach seine Mitspieler vom Richtfest zurück und es entwickelte sich ein unterhaltsames Schlussdrittel, in dem die Augsburger zwar zunehmend überlegen, doch ebenso unpräzise agierten. So half auch eine doppelte Überzahl, angeleitet von einer Auszeit ihres Trainers Larry Mitchell zur Drittelmitte nicht, den Anschluss herzustellen. Stattdessen führte ein Alleingang von Shane Joseph über die gesamte Eisfläche, umrahmt von diversen Finten seiner Sturmpartner Benda und Collins zum spieltaktisch schönsten Tor und zur Entscheidung des Abends. Fast im Gegenzug zementierte sich nach einem Tempogegenstoß der in rot gekleideten Panther ein weiterer Unterschied der Kontrahenten: Ehelechner parierte wie selbstverständlich die Herausforderung der Gastgeber. Mit seinem zweiten Tor, kurz vor Spielschluss, belohnte Valery-Trabucco, wiederum auf Zuspiel von Macholda sowie Gabriel Gauthier in Überzahl die tapferen Bemühungen der Fuggerstädter zur Resultatsverbesserung.

Nicht minder unterhaltsam wie dieses erste Vorbereitungsspiel auf Augsburger Eis seit über zwei Jahren – übrigens nur zustande gekommen aufgrund der kurzfristigen Absage des Kaufbeuerer Joker-Tourniers infolge des DEB-DEL-Kooperationsvertrags – war die Begegnung mit Augsburgs Manager Max Fedra zur Drittelpause auf der Pressetribüne: sommerlich gewandet, mit Zollstock, doch ohne Bauhelm ausgestattet, referierte er launig über Bauoptionen, -vorschriften und -kosten, über Zuschauerkapazitäten von 4.800 oder 5.000 Besuchern. Es war, als hätte ihm niemand vom heutigen Spiel unterrichtet. Gerade noch rechtzeitig erfuhren die freundlichen Damen von der vereinseigenen Stadionversorgung vom Spieltermin: so gab es zwar 30 Grad warmen, doch immerhin „frisch gekauften Icetea“ in einer Betonaussparung in der Stadionwand käuflich zu erwerben. – Augsburg ist eine Baustelle, sportlich und spieltechnisch. Man darf gespannt sein, wie es den erfahrenen Protagonisten Mitchell und Fedra gelingt, bis zum Ligastart eine schlagkräftige Performance auf und neben das Eis zu zaubern.

Die Ice Tigers hingegen wirken routiniert. Mit ähnlichem Etat wie die Panther ausgestattet, setzten Manager Funk und Trainer Brockmann hingegen auf erfahrene, bekannte Spieler. Ein Mittelstürmer fehlt ihnen noch für die kommende Saison. Doch anders als zumeist vermutet, soll laut Funk und Brockmann Jan Benda dafür nicht zurück auf eine Verteidigerposition rücken, sondern weiterhin seinen starken Part im Sturmzentrum spielen.
Auch Nürnberg steht ein Stadionumbau während der kommenden Saison bevor. Man kann jedoch kaum annehmen, dass dabei auch Club und Team zur Baustelle werden. Wenn die Coolness der Defensive sich nicht als Altersträgheit entpuppt, dann sollte den Ice Tigers ein Platz „zumindest in den Pre-Play-offs“, so Funk und Brockmann übereinstimmend, nicht zu nehmen sein.

Tore: 1:0 (4.) Valery-Trabucco (Moore, Macholda) 5-4, 2:0 (11.) Helms (Seifert), 2:1 (21.) Chouinard, 2:2 (30.) Brad Leeb (Greg Leeb, Barta) 5-4, 2:3 (33.) Barta (Benda), 2:4 (44.) Barta (Walter), 2:5 (58.) Joseph, 3:5 (60.) Valery-Trabucco (Macholda, Gauthier) 5-4

Strafen: Augsburg 10, Nürnberg 18

SR: Piechaczek, LR: Adam, Flad


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