Augsburg dominiert das „Sechs-Punkte-Spiel“Heimniederlage für den ERC Ingolstadt

Der ERC Ingolstadt rutschte aus: Adrian Grygiel (rechts) traf schon nach 20 Sekunden für die Augsburger Panther. (Foto: Imago)Der ERC Ingolstadt rutschte aus: Adrian Grygiel (rechts) traf schon nach 20 Sekunden für die Augsburger Panther. (Foto: Imago)
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Ein Spiel gegen den direkten Tabellennachbarn, noch dazu ein Duell „am Strich“ um Platz 10 und damit die Play-off-Teilnahme, die erste Partie des neuen Jahres – und dann noch das Panther-Derby Ingolstadt gegen Augsburg vor ausverkauftem Haus: Bessere Voraussetzungen für ein mitreißendes Spiel gibt es kaum! Doch Augsburg bremst das Publikum nach 20 Sekunden aus und marschiert dann zu einem überzeugenden und wichtigen 6:1 (2:0, 3:1, 1:0)-Auswärtssieg.

In der an Sepp-Herberger-ähnlichen Weisheiten reichen nordamerikanischen Sportsprache heißt es häufig, dass große Spiele von großen Spielern entschieden werden. Im Panther-Derby Ingolstadt gegen Augsburg um den wichtigen Platz zehn in der Deutschen Eishockey-Liga hieß dieser Spieler im ersten Abschnitt Timo Pielmeier, Nationaltorhüter und Nummer eins der Schanzer. Bereits nach 20 Sekunden ließ er einen leichten Schuss von Augsburgs Ivan Ciernik prallen und legte damit AEV-Stürmer Adrian Grygiel unfreiwillig den frühen Führungstreffer auf. Auch danach leistete er sich einige Unsicherheiten und erbrachte damit seinen Beitrag, dass die Augsburger von Beginn an mit einem Selbstvertrauen aufspielten, als stünden sie an der Tabellenspitze: offensiv, aggressiv, diszipliniert und mit großem Zug zum Tor. Lediglich in eigener Überzahl konnten die Ingolstädter echte Akzente setzen. Dann allerdings brachten sie enormen Druck auf das Tor von Ben Meisner gehütete Tor der Augsburger, der nach dem Frust-Spiel gegen Düsseldorf im alten Jahr den Vorzug gegenüber Deslauriers erhalten hatte und derzeit die Nummer Eins am Lech ist. So auch in einer 5-3 Überzahl zum Ende des ersten Abschnitts, als die Schanzer Chancen im Sekundentakt hatten, aber im Wechsel an Meisner, dem Torgestänge, einem Augsburger Schlittschuh oder Schläger scheiterten.  

Als nichts zu gehen schien, kam Greilinger – konnte aber nur kurz für Hoffnung sorgen

„Erst hatten wir kein Glück und dann kam auch noch Pech dazu!“ – ein Klassiker deutscher Fußballer-Prosa, der sich zu Anfang des Mitteldrittels wieder einmal bewahrheitete: Als ERC-Stürmer Davidek auf der Strafbank saß, prallte die Scheibe nach einem Schuss der Augsburger unglücklich von der Bande in hohem Bogen in den Torraum der Ingolstädter. Die Schanzer brachten den Puck aber nicht weg, so dass Mancari aus einem Meter nur noch einschieben musste. Die Ingolstädter waren danach ein wenig geschockt, bis sie eine Strafe gegen den Torschützen Mancari wieder ins Spiel brachte. Im Powerplay vollendete ERC-Topscorer Thomas Greilinger eine Direktkombination wie vom Reißbrett sicher vom linken Bullykreis zum ersten Tor der Schanzer an diesem winterlichen Nachmittag.

Danach spielten es die Panther aber sehr geschickt: Sie beschäftigten die Ingolstädter ständig und gaben ihnen keine Gelegenheit, ihr Spiel aufzuziehen. Als dann Oberg auf Augsburger Seite zwei Minuten pausieren musste, sahen die ERC-Fans die große Chance auf den Anschlusstreffer – und wurden ins Mark getroffen: In der Augsburger Zone bekamen die Ingolstädter den Puck nicht unter Kontrolle und ließen Drew LeBlanc alleine entwischen. Der beste Stickhandler der Liga blieb – wie zuletzt einige Male gesehen – cool wie Hundeschnauze und ließ Pielmeier mit seinem platzierten Handgelenkschuss keine Chance. Ein Powerplay-Treffer kurz vor der zweiten Sirene gab Ingolstadt schließlich den Rest: Grygiel erzielte das 1:5 – und sorgte dafür, dass einige – wenige – Ingolstädter Fans ihr Team mit Pfiffen in die Pause und den an diesem Abend unglücklichen Pielmeier in den vorzeitigen Feierabend schickten.

Läuft beim AEV

Damit waren die Claims abgesteckt – und das letzte Drittel lief ohne große Höhepunkte dahin. Was der ebenfalls häufig bemühte Begriff des Scheibenglücks bedeutet, mussten die Ingolstädter dann noch leidvoll erfahren: AEV-Verteidiger Brady Lamb hielt die Scheibe an der blauen Linie der Ingolstädter in voller Streckung in der Zone, schlenzte sie aus der Drehung in Richtung Tor, wo sie Mancari zum sechsten Tor der Augsburger abfälschte.

Damit bescherten sich die Panther einen guten Start in das neue Jahr, einen wichtigen Sieg im Rennen um Platz zehn, die sportliche Rache für die etwas unglückliche Heimniederlage gegen die Schanzer im Dezember – und nicht nur den Fans einen äußerst wohlschmeckenden Sieg im Derby gegen den bayerischen Erzrivalen.

Entsprechend niedergeschlagen äußerte sich Ingolstadts Kapitän Patrick Köppchen im Gespräch mit Hockeyweb nach dem Spiel: „Im ersten Drittel war es noch einigermaßen in Ordnung, aber danach ging gar nichts mehr: Augsburg war immer mindestens einen Schritt schneller, hat sich das Scheibenglück erarbeitet und verdient gewonnen.“ Ähnlich sah es auch ERC-Coach Kleinendorst: „Das war nicht unser Abend: Wir mussten von Anfang an hinterher rennen und das war sehr schwierig, auch weil Meisner einige ganz wichtige Saves gemacht hat.“

Tore: 0:1 (0:20) Adrian Grygiel (Ivan Ciernik, Daniel Weiß), 0:2 (13:15) Mike Iggulden (Drew LeBlanc, Thomas Holzmann/5-4), 0:3 (22:38) Mark Mancari (Jon Matsumoto, Ben Hanowski/5-4), 1:3 (26:01) Thomas Greilinger (Brandon Buck, Patrick McNeill/5-4), 1:4 (36:36) Drew LeBlanc (Steffen Tölzer/4-5), 1:5 (38:12) Adrian Grygiel (Thomas Holzmann, Drew LeBlanc /5-4), 1:6 (47:06) Mark Mancari (Brady Lamb, Jon Matsumoto). Strafen: Ingolstadt 10, Augsburg 14 + 10 (Matsumoto). Zuschauer: 4815.