Aufregung beim Bully – Hockeyweb klärt aufRegelkunde

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Die Regeln rund um das Bully sorgen derzeit für große Aufregung unter den Fans, zudem ist es ein viel diskutiertes Thema in den sozialen Netzen, in denen aber auch viele Halbwahrheiten als bare Münze gehandelt werden. Aus diesem Grund haben wir uns mit Stefan Trainer, einem der Schiedsrichterbeauftragten der DEL unterhalten und klären auf.

Vielfach wird in den Netzen behauptet, dass es zu dieser Saison eine neue Regel zum Bully gibt. Dies stimmt jedoch nicht, denn das Regelwerk wird nur alle vier Jahre am Rande der Weltmeisterschaft überarbeitet. Die letzte Überarbeitung fand im Mai 2014 statt.

Im Jahr 2012 haben wir das Bully bereits zum Thema gemacht, geändert hat sich seither nur die Reihenfolge, in der die Stöcke aufs Eis müssen. War es bis 2014 so, dass zuerst der Spieler des angreifenden Teams den Stock auf dem Eis platzieren musste, so muss seit der letzten Regelüberarbeitung zuerst der Spieler des verteidigenden Teams den Stock aufs Eis bringen.

Doch warum gibt es in letzter Zeit dann immer wieder Spiele, in denen kaum ein Bully zügig von statten geht und immer mehr Spieler weggeschickt werden? Auch die Zahl der Strafen wegen „unkorrektem Anspiel“ ist gestiegen. Grund genug, um die Sache zu hinterfragen. Dafür stand uns Stefan Trainer Rede und Antwort.

Die einfachste Frage ist wohl: Warum nimmt man das Anspiel jetzt so ernst? „Das ist ja nicht nur unsere Idee. Zum Beispiel die Schweizer machen das schon seit letztem Jahr so, auch andere Nationen. Weil man einfach gesehen hat, dass der angreifende Spieler, der als Letzter seinen Stock aufs Eis legen muss, einen doppelten Vorteil hätte. Er kommt als Zweiter und ist noch in Bewegung. Das ist immer schlimmer geworden. Der angreifende Spieler legte seinen Stock gar nicht mehr aufs Eis und schwingt nur noch durch. Das wollen wir nicht und das ist auch nicht regelkonform. Die Regel sagt klar: der Stock muss ruhen.“

Weiter sagt er: „An der Regel hat sich nichts geändert. Wir führen nur die Anspielprozedur exakter durch. Darauf sind die Linienrichter auf den Lehrgängen eingeschworen worden. Wir legen großen Wert darauf, dass alle Beteiligten die geschulte Anspielprozedur einhalten und durchführen.“

Auch ein in den Gegner hineindrehen oder gar ein Nach-vorne-fallenlassen wird damit unterbunden, analog der Regel. Stefan Trainer berichtet: „Nur als Beispiel: Es gab den ein oder anderen Spieler, der letzte Saison ab dem Halbfinale praktisch auf die Knie gegangen. Das werden die Linienrichter ab dieser Saison abpfeifen. Die Spieler müssen ihr Anspiel sauber machen, damit jeder die gleiche Chance hat, das Bully zu gewinnen. Es kann nicht sein, dass einer noch in Bewegung ist, den Schläger schwingt oder schräg steht. Der Stock muss ruhen!“

Vor der Saison war das Anspiel natürlich Thema bei den jeweiligen Veranstaltungen bei den Mannschaften. „Unsere Profischiedsrichter haben alle DEL-Clubs besucht und haben die entsprechenden Schulungen, auch mit Videos, durchgeführt.“

Die Befürchtung dass die Zahl der Strafen wegen „unkorrektem Anspiel“ deutlich ansteigen wird, teilt Herr Trainer nicht. „Nein. Ich glaube in der Vorbereitung schon, weil die Mannschaften ausprobieren, wie weit sie gehen können. Eigentlich klapp es ja schon ganz gut. Zum Beispiel bei Spielen wie Straubing gegen Kralove oder Nürnberg gegen Linz war das von den Gästen teilweise eine Katastrophe, sie wurden weggeschickt und bekamen unter anderem die Strafen. Es wird schon deshalb immer besser, weil es ja auch im Interesse der Trainer ist, dass ihre Bullyspieler nicht weggeschickt werden.“

Die Umsetzung geht, wie bei allen neuen Regeln oder Auslegungen, nicht von heute auf morgen. Das wissen die Schiedsrichter natürlich, „dass jetzt etwas mehr Diskussionen sind, aber man wird sehen, wenn es alle durchziehen, werden auch die Diskussionen und Verzögerungen am Bully weniger“, meint Trainer.

Den Unmut der Fans bekommen Trainer und seine Kollegen auf dem Eis natürlich mit. Er glaubt aber: „Bis zum Deutschland-Cup ist das Thema erledigt, dann spricht keiner mehr darüber. Ich erinnere nur an die Zeit, als eine Strafe fürs Scheibe rausschießen (Spielverzögerung) eingeführt wurde. Da war der Aufschrei anfangs auch groß. Heute gehen deutlich weniger Scheiben raus und großartig diskutiert wird auch nicht mehr. Genauso wird es beim Bully auch sein.“

Zum Schluss haben die Schiedsrichter noch eine Bitte: „Wir möchten aber auch an die Fans und Zuschauer appellieren, hier ein wenig Geduld aufzubringen, denn es geht ausschließlich um die Sache – den Sport – beide Anspieler sollen den gleichen Vorteil genießen können.“

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