Anschutz-Chef Kornett: „Mein Herz gehört Berlin und den Eisbären"

Lesedauer: ca. 4 Minuten

Frage:  Wie bewertet die Anschutz Entertainment Group

den Meister-Titel der Eisbären?

Kornett: Die Meisterschaft ist eine tolle Belohnung für die konsequente

Aufbauarbeit der letzten vier Jahre. Erfolge dieser Art sind nicht planbar. Aber

man kann versuchen, alle notwendigen Voraussetzungen zu schaffen. Das haben wir

getan, sind uns aber trotzdem insgesamt treu geblieben. Wir haben unser

wirtschaftliches Ergebnis jedes Jahr verbessert, die Kosten kontrolliert und

trotzdem sportlich jedes Jahr besser dagestanden.

Was macht Sie besonders stolz auf diesen Titel?

Das Team ist jung und offensiv . Wir haben dem deutschen Nachwuchs, wie kein

zweites Team in der Liga, eine Chance gegeben, sich zu entwickeln. Die

Attraktivität für die Zuschauer konnte so noch ´mal gesteigert werden. Und

unser verlässliches Handeln als Unternehmen hat uns mehr Unterstützung und

Partner aus der Wirtschaft gebracht. Man muss sich nur die Gästeliste der

letzten Jahre anschauen, um festzustellen, dass die Eisbären auch in der

Gesellschaft mehr und mehr angenommen worden sind. Nicht zuletzt auch durch die

Zusammenarbeit mit der Laureus Stiftung und ihrem Chairman Boris Becker.

War der Erfolg der Eisbären ein Sieg für ganz Berlin?

Endlich ist Berlin Deutsche Eishockey Hauptstadt und die gigantische Welle

der Sympathie ist ein eindeutiges Indiz dafür, dass ganz Berlin die

Meisterschaft gewonnen hat. Der Medien-Spiegel der gesamten Republik zeigt, das

die Eisbären genauso wie Berlin selbst sympathisch sind und der Erfolg uns

überall von ganzem Herzen gegönnt wird. Das ist gut für Berlin und für uns,

die Eisbären.

Welche Auswirkungen hat dieser Erfolg für die Entwicklung

und Vermarktung der neuen Arena?

Die Realisierung des Arena Projektes ist ein ganzes Stück weit unabhängig

von den Eisbären. Andererseits ist es natürlich um vieles attraktiver, mit

einem Deutschen Meister für das Projekt zu werben. Die Welle der Euphorie über

die Eisbären trägt auch uns. Dabei dürfen wir aber die beiden

grundsätzlichen Voraussetzungen für das Gelingen des Projekts nicht aus den

Augen verlieren: Erstens die termingerechte Durchführung der Abriss- und

Erschließungs-Arbeiten. Und Zweitens die erfolgreiche Vermarktung der Arena.

Der Abriss hatte sich bereits um neun Wochen verzögert...

Ja, aber das haben wir wieder so gut wie aufgeholt und sind jetzt mit dem

Beginn der Erschließungs-Maßnahmen nur wenige Wochen hinterher. Für die

Vermarktung haben wir intensive Verhandlungen und Gespräche zum Teil schon

abgeschlossen, andere stehen noch aus. Wir werden aber die Vorstellung unserer

Partner - auch des Naming Rights Partners - erst dann vornehmen, wenn die

Verträge durch alle Gremien unserer Partner rechtsgültig verabschiedet sind

und die Planungsdurchführung der Arena terminlich feststeht. Hier ist es wie

mit der Meisterschaft: Harte Arbeit und Geduld führen zum Ziel.

Wie sehen Sie die Zukunft des Meister-Teams der Eisbären?

Die Zukunft der Mannschaft ist auf ein hervorragendes solides Fundament

gestellt. Wirtschaftlich/ organisatorisch leistet Billy Flynn hervorragende

Arbeit und Peter Lee hat allen Kritikern bewiesen, dass er der Manager ist, der

allein für die Verpflichtung Cole’s in diesem Jahr eine Medaille verdient

hätte. Zu- und Abgänge wird es immer geben, aber wir haben einen Plan, der von

heute bis zur Eröffnung der Arena ausformuliert ist. Auf diesem Weg gehen wir

unbeirrt weiter.

Welchen Anteil hat Coach Pierre Page an diesem Erfolg?

Pierre Page ist natürlich Dreh- und Angelpunkt des sportlichen Konzeptes.

Seine Professionalität, sein Einsatz und auch seine Besessenheit haben

geholfen, die gesamte Organisation besser zu machen.

Wie fällt Ihre persönliche Bilanz der DEL-Saison 2004/2005

aus?

Die DEL hat in den vergangen Jahren enorme Fortschritte gemacht, insgesamt

eine positive Entwicklung durchlaufen. Von der Skandalliga zur Top-Liga. Ich

würde mir wünschen, dass ich in meiner Funktion als Aufsichtsrat auch noch in

Zukunft weiter Gelegenheit habe, an diesem Erfolg mitzuarbeiten.

Wo machen Sie die Fortschritte konkret fest?

Wir haben vor jeder andere Liga einen Weg gefunden, konsequent den Deutschen

Nachwuchs zu fördern und damit die National-Mannschaft zu stärken. Unsere

Lizenz- und Wirtschaftlichkeitsprüfung lässt seit Jahren keine Überschuldung

vor Saison- Beginn zu. Und: alle neuen Hallenprojekte drehen sich um Eishockey

als Anker. Das ist herausragend und der Grundstein für eine erfolgreiche

Zukunft.

Wie waren Sie mit der TV-Präsenz zufrieden?

Wir haben in Premiere einen tollen TV- Partner, mit dem wir auch in

wirtschaftlich schweren Zeiten gut zusammenarbeiten, auch wenn das für uns

Verzicht bedeutet hat. Mit dem Erfolg von Premiere in der Zukunft bin ich mir

sicher, dass sich diese Partnerschaft auszahlt. Wir haben eine sensationelle

Saison 2004/2005 hinter uns.

Das klingt sehr nach eitel Sonnenschein...

 ... vielleicht nur getrübt durch die Probleme, die Aufstieg und

Abstieg mit sich bringen. Die gesamte Liga wird dadurch meiner Meinung nach

zeitweise destabilisiert. Den vermeintlichen Vorteil, durch dieses Format

herausragendes Publikumsinteresse zu generieren, habe ich nicht gesehen. Diese

Probleme zu lösen, sind eine Aufgabe für die Zukunft. Und: die Liga braucht

neue Hallen, konsequente Kosten-Kontrolle und die Sicherung der

Wirtschaftlichkeit aller Clubs. Dazu brauchen wir mehr Kurzberichterstattung im

Free-TV, mehr Kontrolle über die Aufstellung und Vermarktung der

National-Mannschaft und eine deutliche Verbesserung der Förderung und

Ausbildung im Schiedsrichter-Wesen, sowie deren Schutz vor unangemessener

Kritik. Dann wird Eishockey seine Position als die klare Nummer 2 der

Teamsportarten in Deutschland festigen und noch attraktiver werden.

Wie sieht Ihr persönliches Engagement für die Eisbären

künftig aus?

Nach dieser Saison ist das Unternehmen Eisbären von allen Altlasten befreit und

der Zeitpunkt richtig, mich noch mehr aus dem Tagesgeschäft herauszuziehen.

Billy Flynn und Peter Lee wollen und sollen die Geschäftsführung übernehmen

und ich werde den Aufsichtsrat-Vorsitz, in einem noch formell zu etablierenden

Gremium, übernehmen. Dieses Gremium wird auch weiterhin wesentliche

Entscheidungen und strategische Ausrichtungen bei den Eisbären mitbestimmen.

Mein Herz gehört Berlin und den Eisbären.

(Foto: City-Press)

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