Als wäre die Sommerpause ausgefallenDEL-Saisonauftakt in Ingolstadt

Martin Davidek jubelt über sein Tor zum 3:1 für Ingolstadt. (Foto: Imago)Martin Davidek jubelt über sein Tor zum 3:1 für Ingolstadt. (Foto: Imago)
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Derby der Auftakt-Verlierer: Ingolstadt trifft nach der Auftaktniederlage auf die ebenfalls sieglos gebliebenen Augsburger: Stimmung und Intensität waren bereits wie an Spieltag 52 statt an Spieltag 2. Am Ende setzten sich die Ingolstädter mit 3:2 (1:1, 2:0, 0:1) durch, weil sie kleine Unaufmerksamkeiten der Augsburger eiskalt nutzten.

Zwei Mannschaften, die das Null-Punkte-Wochenende zum Saisonstart vermeiden möchten – und das bei einem Derby zweier Teams, die sich seit mehr als einer Dekade in der DEL in herzlicher Rivalität gegenüberstehen. Diese Kombination hat einen Reiz, der man sich kaum entziehen kann: Eindrucksvolle Fan-Choreographie bei Spielbeginn, die Stimmung in der Ingolstädter Arena beinah wie bei einem Play-off-Spiel, dazu zwei Tore in den ersten drei Minuten und ein Spiel, dem man durchaus anmerkte, dass beiden Mannschaften sehr daran gelegen war zu punkten.

Augsburg ging schnell durch den frisch gekürten Stickhandling-König der DEL Drew LeBlanc in Führung – und gab diese ebenso schnell wieder her. Brian Lebler, der in der Vorbereitung hohes Engagement und ausbaufähige Effizienz zeigte, glich nur kurz darauf aus. Beim Augsburger Treffer war Ingolstadt etwas zu offensiv und ungeordnet in der Abwehr, beim ERC-Treffer gab es ein kleines Missverständnis zwischen AEV-Goalie Meisner und seinen Mitspielern. Auch das ein typisches Play-off-Phänomen: Die Kleinigkeiten entscheiden – das Körperspiel, exzellente Torhüter-Leistungen, die Unterstützung von den Rängen und natürlich die Special Teams. Fazit nach zwanzig Minuten: Ein Haken in jeder Kategorie bei beiden Teams!

Eindrucksvoll erweiterte Thomas Greilinger diesen Katalog nach gut vier Minuten im Mitteldrittel um eine Kategorie: Spieler, die den Unterschied ausmachen! In Überzahl gekonnt freigespielt durch McNeill und Taticek ließ er mit der ihm eigenen Mischung aus niederbayerischer Gelassenheit und Stocktechnik auf Playstation-Niveau zwei Augsburger aussteigen und ließ auch Meisner keine Chance. Und weil es so schön war, zockte Greilinger wenige Minuten später seinen Gegenspieler in der Ecke aus und konnte so Davidek mit einem präzisen Querpass so bedienen, dass dieser fast nur noch den Schläger hinhalten musste.

Als Ingolstadt im Schlussabschnitt gerade eine weitere Play-off-Qualität zu zeigen schien – einen Vorsprung über die Zeit zu bringen – erzielte Augsburg erneut durch LeBlanc fast aus dem Nichts vom Bullypunkt den Anschlusstreffer. Und dann kam der Moment, weswegen der Besuch im Stadion an diesem sonnigen Sonntag jeden einzelnen Cent wert war: AEV-Goalie Meisner war bereits im Begriff, auf die Bank zu fahren zugunsten eines sechsten Feldspielers, als seine Vorderleute die Scheibe verloren und Ingolstadt auf einmal freie Bahn zum leeren Tor hatte. Doch Meisner spurtete zurück zu seinem Tor, sprang ab und wehrte den Schuss waagrecht in der Luft schwebend mit dem Stock ab. Verhindern konnte er die Derby-Niederlage damit nicht, weil Augsburg in der Folge nichts Zählbares mehr zustande brachte, aber ein gutes Argument für den Posten im Augsburger Tor im kommenden Spiel hat er damit sicher geliefert.   

Ingolstadt verhindert damit den Fehlstart, Augsburg bleibt am ersten Wochenende punktlos. Ingolstadt liegt nach der Niederlage bei den ambitionierten Freezers und dem Heimsieg im Soll, Augsburg hingegen hat sich mit den zwei Niederlagen gleich einen Knüppel zwischen die Beine geworfen. Jetzt müssen die Schwaben eine weitere Playoff-Eigenschaft zeigen: Das vergangene Spiel abhaken und nur an das nächste denken. 

Tore:

0:1 (1:58) Drew LeBlanc (Mark Mancari, Mike Iggulden)

1:1 (3:10) Brian Lebler

2:1 (24:32) Thomas Greilinger (Petr Taticek, Patrick McNeill/5-4)

3:1 (32:42) Martin Davidek (Thomas Greilinger, Dustin Friesen)

3:2 (53:49) Drew LeBlanc (Mike Iggulden)

Strafen: Ingolstadt 8, Augsburg 6

Zuschauer: 4.715