Als das Lachen nach Straubing zurückkamStraubing nach dem Sieg

Strahlende Gesichter in Straubing - die Niederlagenserie der Tigers ist beendet. (Foto: Heribert Böckl)Strahlende Gesichter in Straubing - die Niederlagenserie der Tigers ist beendet. (Foto: Heribert Böckl)
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Doch ist die Stimmung wegen des Siegs der Tigers positiv, oder liegt es am wundervollen Herbstwetter? Oder ist nun sogar nach zuletzt trüben und regnerischen Tagen nicht nur der Eishockeygott, sondern auch noch der Wettergott auf Seiten Straubings? Sei es wie es ist, in Straubing sah man heute nur strahlende Gesichter, so auch auf dem Eis beim letzten Training vor dem schweren Auswärtsspiel in Mannheim. Jedoch ist die Freude nicht überschwänglich, auch gestern nach dem Spiel suchte man vergeblich nach „Party People“ in der Mannschaft. Man ist heilfroh über den Sieg, arbeitete aber konzentriert auf das Spiel gegen die momentan wohl beste Mannschaft der DEL hin.

Auch Goalie Jason Bacashihua sah man am Samstagvormittag wieder deutlich aufgeheitert: „Oh ja, das war gut. Wir hatten alle zusammen ein gutes Spiel. Es ist riesig, dass wir wieder einen Weg zum Siegen gefunden haben. Wir steckten ja in dieser Niederlageserie, aber wir sind wieder gut rausgekommen, haben gut gespielt und uns als Team präsentiert.“ Für ihn war es eine kleine Rückkehr, denn er saß die letzten Spiele auf Bank. „Das ist frustrierend. Ich weiß, dass ich nicht gut war und nicht das gezeigt habe, was ich kann. Es war klar, dass ich rausgewechselt wurde und Dustin rein kam und ein paar Spiele gemacht hat. Es war eine große Chance für ihn. Er kam rein und spielte hervorragend. Jedes Spiel, dass er gemacht hat, hat er uns die Chance zum Sieg gegeben. Es war aber schön, dass ich wieder spielte und die Jungs vorne ein paar Tore machten.“ Bacashihua wird auch gegen Mannheim als Starter auf dem Eis stehen. Die Mannschaft wusste natürlich am besten um die schwere Situation des Goalies. Blaine Down, der nach Mittelgesichtsbruch sein Comeback gab, zeigt Verständnis und hat Lob für das Spiel gegen die Eisbären. So sagte er direkt nach dem Spiel: „Cash war heute großartig. Er hatte gleich zu Beginn ein paar große Saves. Das war der Cash, den wir kennen und so brauchen wir ihn, um als Team bei 100 Prozent zu sein. Ich denke, Cash weiß das auch, aber er ist auch nur ein Mensch. Manchmal kann man machen, was man will, und sie gehen hinten rein und manchmal treffen wir vorne nicht.“

Doch das soll nun ein Ende haben. Nicht zuletzt auch wegen der beiden neuen Center Jared Gomes und Nicolas Deschamps. Gomes ist nun gut zwei Wochen ein Tiger und hat selbst ein paar negative Erlebnisse mit den Niederbayern gesammelt, ist aber nicht weniger erleichtert über den Sieg. „Oh ja, das haben wir wirklich gebraucht. Wir haben auch die letzten Spielte gut gespielt, aber gestern haben wir den Bock umgestoßen. Ich denke, das war hochverdient, jetzt sehen wir weiter nach vorne.“ Er hat sich für die Tigers entschieden, als der Club vom Donauufer fünf Niederlagen hatte, doch der Wechsel hat natürlich Gründe: „Natürlich ist das nicht einfach, wenn man durch so eine Niederlagenserie geht, aber es ist auch eine Chance, dem Team zu helfen und sich und das Team zu verbessern. Das sind eben die Gründe, warum ich hier unterschieben habe, weil ich die Chance habe, dem Team zu helfen und Spiele zu gewinnen.“ Alte Bekannte findet er in Straubing aber nicht viele: „Der einzige, den ich kannte, war Harrison Reed. Wir haben früher schon mal in einer Juniorenmannschaft in Kanada zusammengespielt.“ Zurzeit ist Gomes Eishockeyprofi, hat sich aber bereits jetzt eine vernünftige Zukunft geschaffen. „Ich habe einen Abschluss in Betriebswirtschaft.“ Ob das aber schon eine Sache für die Zeit nach der Profilaufbahn ist, ist aber noch längst nicht klar. „Momentan liegt mein Fokus auf dem Eishockeyspielen, was danach sein wird, weiß ich noch nicht. Einen Abschluss in Betriebswirtschaft zu haben, ist aber schön und gibt mir immer eine Option.“

Über den Sonntagsgegner Mannheim kann er in seinen ersten Europawochen natürlich nicht viel sagen: „Nein, über Mannheim weiß ich nicht viel. Ich habe ja noch nicht gegen sie gespielt. Morgen werde ich da meine Erfahrungen sammeln.  Ich glaube da erst mal das, was mir die Kollegen sagen und die meinen, dass es ein sehr gutes und talentiertes Team ist. Das wird auf jeden Fall eine große Herausforderung.“ Doch auch dieses Spiel startet bei 0:0. „Absolut! Wir werden wieder hart spielen und wie gestern 60 Minuten alles geben.“

Nach dem Training standen Gomes und René Röthke lange an der Bande und haben sich unterhalten. „Das ist sehr wichtig, auch um die ,Line Chemistry‘ zu bilden. Wir haben uns über einige Spielsituationen unterhalten. Wenn man seine Linienspieler kennt, ist das auch einfacher auf dem Eis.“

Nach seinem ersten Spiel war das erste Wort von Nicolas Deschamps: „Awesome“. Auch er war ein wenig „awesome“, denn Nic Deschamps kam in der Früh an, machte am Abend sein erstes Spiel mit einer Vorlage und einem Tor. Sein erster Eindruck war: „Es ist nicht das größte Stadion, aber es war sehr laut und es ist eng. Ein sehr guter Platz, um Eishockey zu spielen. Die Fans sind großartig, die Mannschaft verliert zehn Spiele in Folge und hier ist das Stadion voll, das ist unglaublich.“

Und auch bei ihm stellt sich die Frage, wieso unterschreibt ein Spieler bei einem Club, der durch eine zehn Spiele andauernde Niederlagenserie geht. „Ich mag diese Herausforderung. Ich habe mit meinem Agenten gesprochen und ich hatte die Chance zu Teams , die besser in der Tabelle stehen, zu gehen. Aber ich mag dieser Herausforderung, auch für mich selbst. Das ist eine Herausforderung für die ganze Mannschaft. Natürlich will man als Eishockeyspieler jedes Spiel gewinnen und das ist uns heute nach einem guten Spiel gelungen.“ Auch Deschamps weiß, dass er ohne seine Reihenspieler nur wenig ausrichten kann. „Meine Linie mit Reed und Schönberger hat mir heute sehr geholfen, beide spielen einen guten Forecheck. Wir haben einfach gespielt. Es ist natürlich schön im ersten Spiel zu treffen.“

Auch Coach Rob Wilson kann die gute Laune beim Training nicht verbergen. Mit „Hallo, wie geht es dir“ hat er auch gleich seinen ersten deutschen Satz gesprochen. Er weiß natürlich wie kein Zweiter, wie wichtig der Sieg gegen Berlin war. Dabei ist es eigentlich ganz einfach: „Wir haben vorne getroffen und hinten hatten wir einen starken Goalie.“

In der Deutschland-Cup Pause gibt es für die Spieler erst mal vier Tage frei, danach noch ein paar Tage mit freiwilligem Training. Nach der Pause sollte dann auch wieder Tommy Brandl spielen können und für den Coach eine weitere Option sein. Bei Carsen Germyn sieht es hingegen noch nicht so gut aus. Er war zwar im Stadion, aber nur kurz und nur als Bandengast. Er könnte durchaus noch den ganzen November ausfallen.

Doch inzwischen ist schon der Kampf um die Plätze im Team erwacht und Straubing steuert aufgrund der Kadertiefe im Sturm sogar auch ein Luxusproblem zu. Für Rob Wilson ist das aber alles andere als negativ, denn er meint: „Ich habe auch in Ritten mit einem großen Kader gearbeitet. Das treibt die Jungs an, denn jeder muss sich verbessern.“

Für Straubing gilt es nun den Schwung ins Spiel bei den Adlern Mannheim mitzunehmen, sich in der Deutschland-Cup-Pause gut zu erholen und ab dem 14. November die Mission „Aufholjagd“ voll Angriff zu nehmen.

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